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Korruption : Die teuren schwachen Propagandalautsprecher in Korea

Lautsprecher an der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea Bild: AFP

Zwanzig Menschen sind in Korea angeklagt, weil ein Unternehmen zu schwache Lautsprecher an das Militär lieferte. Der Friedensprozess verringert nun die Möglichkeiten für solche Korruption.

          Wenn es in der südkoreanischen Wirtschaft ein Konstante gibt, dann ist es die Korruption. In Umfragen dazu schneidet das Land nie gut ab, und das liegt nicht nur an der engen Beziehung zwischen den Großkonzernen und der Politik. Auch im Kleinen blüht die Korruption.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Über einen pikanten Fall berichteten jetzt südkoreanische Medien. Danach hat die Staatsanwaltschaft gegen einen Oberst der südkoreanischen Armee, den Chef eines Lautsprecherunternehmens und gegen 18 weitere Menschen Anklage erhoben, darunter anscheinend Zwischenhändler. Was bringt diese Menschen zusammen?

          Es sind die Propagandalautsprecher an der innerkoreanischen Grenze. Südkorea hatte diese von 2015 an wieder installiert und angeschaltet, nachdem damals zwei südkoreanische Soldaten durch von Nordkorea gelegte Minen schwer verletzt wurden. Aus den Propagandalautsprechern wurden südkoreanischer Pop und Nachrichten gen Nordkorea ausgestrahlt. Bis zu zehn Kilometer weit, so heißt es, sollten die Lautsprecher im Norden zu hören sein.

          Doch die Lautsprecher des besagten Unternehmens reichten deutlich weniger weit, wohl nur fünf Kilometer. Der Armee-Oberst hatte die Testbedingungen modifiziert. Die Lautsprecher wurden nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Yonhap nur in Nachtstunden oder früh am Morgen getestet, wenn es leise ist und der Schall naturgemäß weiter trägt. So gewann das Unternehmen mit minderwertigen Lautsprechern einen Auftrag für 40 Lautsprecher über umgerechnet 16,5 Milliarden Won (15,5 Millionen Dollar). Welche Gegenleistung der Oberst erhielt, ist nicht bekannt.

          Im Zuge der Annäherung zwischen beiden koreanischen Staaten haben Nord-und Südkorea seit Ende April die Propagandalautsprecher abgeschaltet. Südkorea hat auch begonnen, Lautsprecher zu demontieren. Die politische Bewegung hin zum Frieden auf der koreanischen Halbinsel hat so den Nebeneffekt, dass zumindest für Propagandalautsprecher die Möglichkeit zur Bestechung entfällt.

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