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Rückkehr der Zinsen : Was die Banken für dieses Jahr erwarten

Die EZB-Zentral im Frankfurter Ostend - im Hintergrund das Bankenviertel. Bild: Wonge Bergmann

Das Jahr 2016 wird das Jahr, in dem die Zinsen ganz langsam wieder steigen. So sehen es jedenfalls die Banken in ihren Prognosen.

          Seit mehr als sechs Jahren ärgern sich die Sparer nun schon darüber, dass die Zinsen so extrem niedrig sind. In diesem Jahr nun soll das endlich anders werden. So sehen es zumindest Finanzinstitute in ihren Prognosen für die Zinsentwicklung 2016 vor. In den Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed die Leitzinsen schon im Dezember um 0,25 Prozent angehoben, weitere Zinsschritte sollen folgen. In Europa will die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen zwar noch lange Zeit so extrem niedrig lassen. Gleichwohl rechnen viele Zinsexperten offenbar damit, dass auch hierzulande die langfristigen Kapitalmarktzinsen langsam wieder anziehen könnten. Dies ergibt eine Umfrage dieser Zeitung unter 26 Kreditinstituten, Fondsgesellschaften und Versicherern.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bis es auch auf dem Sparbuch in Deutschland wieder mehr Prozente geben wird, dürfte zwar noch viel Wasser den Main hinunterfließen. Denn die Sparzinsen in Deutschland hängen sehr an den Leitzinsen der EZB, und bei ihnen ist eine Anhebung nicht in Sichtweite. Aber zumindest mit leicht höheren Zinsen auf Staatsanleihen der Bundesrepublik mit zehn Jahren Laufzeit rechnen die meisten Finanzinstitute für das Jahr 2016. Die Schweizer UBS kann sich sogar vorstellen, dass es noch in diesem Jahr wieder 1,7 Prozent auf Bundesanleihen gibt, wie in alten Zeiten. Nachdem 2015 zwischenzeitlich spekuliert worden war, auch die deutschen Zehnjährigen könnten früher oder später in den Bereich negativer Renditen abrutschen wie die Papiere der Schweiz mit gleicher Laufzeit, wäre dies eine Wende. Nur wenige erwarten, dass die Renditen der deutschen Staatsanleihen weiter sinken werden. Für Papiere mit zwei Jahren Laufzeit aus Deutschland scheint den meisten Experten zwar weiterhin eine negative Rendite wahrscheinlich, für Titel mit zehn Jahren Laufzeit aber erwartet das derzeit kein Befragter.

          Noch mehr trauen zumindest einige Finanzexperten den Zinsen in Amerika zu. Im Augenblick bringen dort Staatsanleihen mit zwei Jahren Laufzeit eine Rendite von 1,1 Prozent, bei zehn Jahren Laufzeit gibt es schon 2,3 Prozent. Die Leitzinserhöhung und die anziehende Konjunktur haben dabei Spuren hinterlassen; die amerikanischen Kapitalmarktzinsen befinden sich längst nicht mehr auf ihrem Tiefstand. Gleichwohl trauen die Umfrageteilnehmer den „Treasuries“ 2016 noch mehr zu. Die mutigste Prognose gab dabei die DZ Bank ab: Das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken hält sogar eine Rendite von drei Prozent für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen bis zum Jahresende für möglich.

          Unsicherheitsfaktor Inflation

          Was des einen Freude sein mag, ist des anderen Leid: Wenn die Renditen steigen, fallen die Kurse der Staatsanleihen und bescheren allen, die ihre Depots mit Anleihen gefüllt haben, schmerzliche Kursverluste. Kein Wunder, dass Vermögensverwalter deshalb im Augenblick Anleihen gegenüber so misstrauisch eingestellt sind wie selten zuvor und darüber nachdenken, wie man Anleihen in einem diversifizierten Depot beispielsweise durch Aktien von relativ stabilen und wenig schwankungsanfälligen Unternehmen ersetzen kann. Wer als Privatanleger hingegen neu bei Anleihen einsteigen und diese bis zur Fälligkeit halten will, für den sind steigende Kapitalmarktzinsen ein erfreuliches Signal. „Die Renditen kürzerer Laufzeiten in Europa schaffen es angesichts der extremen Geldpolitik nicht, sich aus dem negativen Terrain zu befreien“, schreiben die Analysten der Helaba: „Dagegen dürften die längeren Laufzeiten ein gewisses Eigenleben führen.“ Der Einfluss der EZB auf die längerfristigen Zinsen sei trotz des Anleihekaufprogramms begrenzt, wie der kräftige Renditeanstieg im Frühjahr 2015 gezeigt habe.

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