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Deutscher Zahlungsabwickler : Die nächste Achterbahnfahrt der Wirecard-Aktie

Am Nachmittag grenzten sich die Kursverluste der Wirecard-Aktie wieder ein. Bild: dpa

Anleger spekulieren wieder auf fallende Kurse des Dax-Konzerns Wirecard. Zunächst zeigte sich das sehr deutlich.

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          Der Dienstagmorgen bestätigte die Befürchtungen der Wirecard-Manager: Nach den Feiertagen durften die Anleger wieder gezielt auf einen nachlassenden Kurs der Aktie spekulieren, und das taten sie auch – mehr als 8 Prozent verlor der im Dax notierte Titel im frühen Handel, und kurzzeitig sah es so aus, als gäbe es kein Halten mehr.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Doch im weiteren Verlauf erholte sich die Aktie von den Kursverlusten und notierte nachmittags mit 120 Euro nur noch knapp 2 Prozent im Minus. Und neue Gerüchte über angebliche Unregelmäßigkeiten bei dem Münchner Zahlungsabwickler gab es auch keine.

          Das zweimonatige Leerverkaufsverbot der Finanzaufsicht Bafin – erlassen als Vorsichtsmaßnahme gegen befürchtete illegale Attacken von Börsenspekulanten – lief am Donnerstagabend um Mitternacht aus. Nach Ostern konnten Spekulanten also wieder Netto-Leerverkaufspositionen in Wirecard-Aktien aufbauen oder bestehende Positionen erhöhen.

          Ein FT-Journalist im Verdacht

          Der Anteil frei handelbarer Aktien, die verliehen waren, lag nach Angaben des Datenanbieters IHS Markit zuletzt bei rund 14 Prozent – und damit so hoch wie bei keinem anderen Dax-Wert. Die größte Leerverkaufsposition hält mit 1,5 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals von Wirecard der amerikanische Hedgefonds Slate Path Capital, während der britische Hedgefonds Odey Asset Management mit 0,56 Prozent investiert ist.

          Seit Ende Januar ist Wirecard nach kritischen Berichten der britischen Finanzzeitung „Financial Times“ wiederholt von Spekulanten ins Visier genommen worden. Zwar hat der Wirecard-Vorstand die in mehreren FT-Artikeln aufgebrachten Anschuldigungen systematischer Falschbilanzierung stets zurückgewiesen und legte später noch ein entlastendes Rechtsgutachten vor. Aber dennoch sorgten die Kursreaktionen für Börsenverluste von mehr als 8 Milliarden Euro.

          Die Bafin reagierte auf die Vorfälle nicht nur mit dem zweimonatigen Leerverkaufsverbot, sondern erstattete in der vergangenen Woche auch Anzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt bereits seit zwei Monaten gegen den „FT“-Journalisten Dan McCrum „wegen Vergehens nach dem Wertpapierhandelsgesetz“.

          Den Münchner Strafverfolgern liegt die brisante Aussage eines Leerverkäufers vor, der zugegeben haben soll, vorab über die „FT“-Artikel informiert worden zu sein. Die „FT“ hatte derartige Vorwürfe und Unterstellungen zurückgewiesen. Am morgigen Donnerstag legt Wirecard die Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr vor.

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