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Loretta Würtenberger : Von der Richterin zur Kunstinvestorin

Loretta Würtenberger war Deutschlands jüngste Richterin und eine Star-Unternehmerin in der New Economy. Jetzt investiert sie in Kunst – mit einem originellen Geschäftsmodell.

          Kunst und Geld, das passt ganz wunderbar zusammen. Nirgendwo kann man sein Vermögen ohne große Verlustängste so lustvoll versenken wie dort – vorausgesetzt, man kennt sich ein wenig aus. Das kann man an Loretta Würtenberger sehen, studierte Juristin und offensichtlich gesegnet mit einem erfolgreichen Unternehmer-Gen. Denn das Zusammenspiel von Geld und Kunst hat sie zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell gemacht, gemeinsam mit ihrem Ehemann Daniel Tümpel. Fine Art Partners heißt ihr Unternehmen, über das sie den Kunstmarkt finanziert. Und zwar im großen Stil. Das merkt man ihr nicht sofort an. Würtenberger ist zwar eine elegante Erscheinung, aber eher eine Anhängerin des nüchternen Understatements.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Sicherlich, Fine Art Partners residiert in einer loftartigen Wohnung am Berliner Kaiserdamm: Altbau mit Stuck, großzügig geschnitten, reduzierte Einrichtung, dafür umso mehr Platz für gigantische Kunstwerke. Doch dass Würtenberger und Tümpel ein ziemlich großes Rad drehen, bemerkt man erst, wenn man so richtig verstanden hat, was sie tun: Sie greifen Kunsthändlern auf dem Sekundärmarkt beim Kauf von Werken finanziell unter die Arme. Besonders im Bereich der alten Meister und der klassischen Moderne ist der Wettbewerb so hoch, dass Kunsthändler Bilder nicht nur in Kommission nehmen, sondern sie gleich selbst kaufen. Und dazu brauchen sie sehr schnell sehr viel Geld. Wenn ein umwerfender Max Beckmann gerade im Angebot ist, aber das Geld nicht ganz so locker sitzt, schießt Fine Art Partners Geld hinzu, schnell und diskret, fast wie die Haus- und Hofbank. Nur, dass es die im Kunstmarkt eben nicht gibt.

          Banken halten sich aus diesem Geschäft schon wegen der vielen Regularien notgedrungen heraus, für Gemälde gibt es nun einmal keine Kredite. Selbst wenn man einen Gerhard Richter für eine Million Euro kaufen kann, von dem man sicher sein kann, dass er ein halbes Jahr später für zwei Millionen Euro verkauft werden könnte. Banken können das Risiko schlicht nicht einschätzen, weil sie nicht tief genug im Kunstmarkt sind. Um den Marktwert von Bildern bestimmen zu können, muss man sich pausenlos auf den einschlägigen Messen und Auktionen umtun, das können Bankmitarbeiter nicht leisten. Würtenberger und Tümpel dagegen schon, und zwar mit der größten Leidenschaft.

          Das ungewöhnliche Konzept von Fine Art Partners

          Das Konzept von Fine Art Partners ist so ungewöhnlich, dass sie sich aussuchen können, mit wem sie zusammenarbeiten. Und die beiden gehen lieber auf Nummer sicher: nur die Spitze des Kunsthandels, keine jungen Galerien. Haben sie sich mit einem Händler auf ein Kunstwerk geeinigt, schießt Fine Art Partners den fehlenden Millionenbetrag dazu, aber nicht als Kredit, sondern als Kaufsumme. Gemeinsam mit dem jeweiligen Kunsthändler werden sie Eigentümer.

          Das eingesetzte Kapital (plus Aufschlag) fließt erst zurück, wenn der Händler einen neuen Käufer gefunden hat. Damit sind sie dem Verhandlungsgeschick ihres Geschäftspartners auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, doch geklappt hat das noch immer. Im Moment haben sie 80 Bilder in dieser Schleife, was den Geldfluss in Schwung hält. Seit der Gründung vor sieben Jahren hat das Paar auf diesem Wege schon 150 Bilder finanziert – Richter, Picasso, Warhol, Schiele, Klimt, mitunter zu einem zweistelligen Millionenbetrag. Kein einziges mit Verlust.

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