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Wie gewonnen so zerronnen : Krypto-Branche taumelt durch die Krise

Eric Demuth, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Bitpanda, spricht auf einer Konferenz. Bild: EPA

Preise für Digitalwährungen sind auf breiter Front eingebrochen. Für Krypto-Unternehmen wird das zum Problem.

          3 Min.

          Die Kryptokrise erreicht Europa: Nun baut das österreichische Fintech Bitpanda im großen Stil Personal ab. Mehr als ein Viertel der tausend Beschäftigten muss gehen, wie aus einem offenen Brief hervorgeht. Konkret sollen 270 Mitarbeiter entlassen werden, dann werden noch 730 Beschäftigte für Bitpanda arbeiten. Dieser Mitarbeiterabbau kommt überraschend. Schließlich hat das Unternehmen bis vor kurzem noch neues Personal gesucht – und mit „unbegrenztem Urlaub“ geworben.

          Michaela Seiser
          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.
          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Offenbar setzt der Börse für Kryptowährungen der Preisverfall für Digitalwährungen zu: Der Preis für Bitcoin ist etwa bis auf weniger als 18.000 Dollar gesunken; am Montag notierte ein Bitcoin auf rund 21.000 Dollar. Der gesamte Markt für Digitalwährungen rutschte von einer Marktkapitalisierung von 3000 Milliarden Dollar auf aktuell rund 960 Milliarden Dollar ab.

          Niemand könne derzeit sagen, wann sich der Kryptomarkt erholen wird und es für Bitpanda wieder aufwärtsgeht, teilten die drei Gründer Eric Demuth, Paul Klanschek und Christian Trummer mit. Die Marktstimmung habe sich „in den letzten Monaten dramatisch verändert.“ An den Finanzmärkten herrsche „große Unsicherheit”, die „durch geopolitische Spannungen, steigende Inflation und Sorgen über eine bevorstehende Rezession“ angeheizt würde. Jetzt streben sie eine Neuorganisation an.

          Beschäftigte werden nicht nur in Wien gekündigt, sondern an mehr als zehn Standorten in der Europäischen Union: Gegenwärtig sind das neben Wien auch Amsterdam, Barcelona, Berlin, Bukarest, Dublin, Krakau, London, Madrid, Mailand und Zürich. Den von den Kündigungen Betroffenen will das Unternehmen bei der Suche nach neuen Stellen helfen. Dazu wird es auch gratis psychologische Hilfe geben, kündigte das Management an.

          Geschäftsführung räumt Fehler ein

          In der Nachricht an die Belegschaft gestanden die drei Gründer auch Fehler ein. Es sei eine „schwierige“, aber „notwendige“ Entscheidung gewesen. Bitpanda räumt ein, dass „die Wachstumsrate“ des Teams „zu hoch“ gewesen sei. “Rückblickend erkennen wir, dass unser Einstellungstempo nicht nachhaltig war. Das war ein Fehler”, hieß es.

          Grundsätzlich zeigten sich die Gründer positiv gestimmt, dass es wieder aufwärts gehen werde. Mit dem Personalabbau wolle man „solide kapitalisiert“ bleiben, „um durch den Sturm zu navigieren und ihn finanziell gesund zu überstehen, egal wie lange es dauert, bis sich die Märkte erholen“. Über die Plattform von Bitpanda, das in Deutschland unter anderem mit der gleichnamigen App präsent ist, können Nutzer Bitcoin, andere Kryptowährungen und Gold handeln. Das Fintech war im Jahr 2014 gegründet worden. Es ist heute mit 4,1 Milliarden Dollar bewertet. Es zählt nach eigenen Angaben mehr als drei Millionen Nutzer. Damit gilt es immer noch als eine der florierenden Fintech-Plattformen in Europa.

          Bitpanda befindet sich aktuell – wie viele andere Fintechs – in einer schwierigen Lage. Bitpanda ist aber gleich doppelt betroffen: Da wäre zum einen der Krypto-Absturz. Dieser hat hinter die Geschäftsmodelle zahlreicher Krypto-Unternehmen ein großes Fragezeichen gesetzt. Ein niedriger Preis sorgt dafür, dass die Provisionen auch niedriger für die Unternehmen ausfallen. Und manche Unternehmen, die Renditen von etwa 17 Prozent versprochen hatten, konnten das nur mit regelmäßigen Preissteigerungen bei Digitalwährungen erreichen. Dam hat der Kurssturz von Bitcoin einen Strich durch die Rechnung gemacht: Prominentestes Opfer ist Celsius Network.

          Unternehmen und Kunden leiden gleichermaßen

          Dieses Unternehmen hatte sich auf das Verleihen von Krypto-Währungen spezialisiert: Man konnte seine eigene Digitalwährungen dort hinterlegen und hat dafür Zinsen bekommen – die Digitalwährungen leihen konnten sich dann wiederum andere Celsius-Nutzer, die dafür eine Gebühr zahlten. Doch die Konten wurden eingefroren, weder Ein- noch Auszahlungen sind möglich. Das betrifft rund 12 Milliarden Dollar von rund 2 Millionen Kunden. Auch deutsche Kunden sind betroffen. Ob sie jemals wieder an ihr Geld kommen ist mehr als ungewiss. Das Celsius Network soll aktuell seine Insolvenz vorbereiten, meldet das „Wall Street Journal“. Dazu hat sich das Fintech Berater von Alvarez & Marsal gesichert. Auch andere Krypto-Firmen sind in Schwierigkeiten gekommen: Der Kurs der amerikanischen Kryptobörse Coinbase ist regelrecht eingebrochen; allein dieses Jahr von rund 230 Dollar auf nur noch knapp über 50 Dollar, fast minus 80 Prozent. 1100 Mitarbeiter sollen entlassen werden. Auch Crypto.com hat angekündigt, 260 Angestellte zu entlassen, bei BlockFi sind es weitere 170 Mitarbeiter.

          Denn neben den Krypto-Absturz belastet auch das Zinsumfeld ganz allgemein die Fintechs: Für sie sind Kredite ein Wachstumsmotor. Ihre Bewertungen basieren  auf dem zukünftigen Geschäft, das aber heute erst einmal finanziert werden muss. Steigen die Zinsen, steigen die Kreditkosten, und damit sinken die Gewinne oder die Erwartungen auf das zukünftige Geschäft oder im schlimmsten Falle: beides. Zum anderen besteht die Sorge, dass durch die Zinswende sich Anleger wieder aus (tendenziell unsicheren) Aktien zurückziehen oder nicht mehr auf Wagniskapital setzen und in (tendenziell sicherere) Anleihen gehen werden.

          Das haben in Europa zahlreiche Fintechs bereits zu spüren bekommen: Dazu muss man sich mit Klarna nur die Nummer eins anschauen. Seit Monaten geistern Gerüchte durch die Fintech-Szene, dass der schwedische Bezahldienstleister bald statt mit 45 Milliarden Dollar nur noch mit 15 Milliarden Dollar bewertet sein könnte –  zu schwerwiegend sind die Zweifel am Geschäftsmodell. Doch auch die deutschen Fintechs haben aktuell zu knabbern: die Neobank N26 mehr an sich selbst, da sie seit geraumer Zeit unter Aufsicht der Bafin steht und nur begrenzt Neukundengeschäft durchführen darf. Der Neobroker Trade Republic hat damit zu kämpfen, dass die Börsenlaune nach der Pandemie deutlich abgenommen hat und die Menschen nicht mehr so viel handeln wie noch zu Beginn der Krise.

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