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Fonds-Riese steigt aus : Die Klimaschutz-Allianzen in der Finanzwelt bröckeln

Vanguard-Gründer Bogle Bild: Picture Alliance

Die großen Vermögensverwalter der Welt hatten sich zur Verringerung der Treibhausgase in ihren Portfolios verpflichtet. Der zweitgrößte ETF-Anbieter der Welt schert nun aus. Solche gemeinsamen Umweltziele der Branche verwirrten die Anleger - und seien schlecht für die Finanzmärkte.

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          Nächster Rückschlag für die gemeinsamen Klimaschutzbemühungen im Finanzsektor: Mit Vanguard hat einer der größten Vermögensverwalter der Welt seinen Austritt aus einer der wichtigsten Klimaschutz-Initiativen der Branche erklärt. Der amerikanische Fondsanbieter begründete die Abkehr von der Allianz Net Zero Asset Manager (NZAM) damit, dass er seine Unabhängigkeit wahren und seine ­Ansichten für Anleger klarerstellen wolle. Solche Initiativen, bei denen sich viele Wettbewerber den gleichen Zielen verschreiben, würden eher für Verwirrung sorgen.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die NZAM ist ein Pendant zu der Netto-Null-Allianz der Banken. Unter deren Mitgliedern, vor allem bei den amerikanischen Großbanken JP Morgan, Morgan Standey und Bank of America, gibt es ähnliche Bedenken, wie sie nun Van­guard vorbringt (F.A.Z. vom 18. November). Die Mitglieder der Initiativen haben sich zum Ziel gesetzt, die mit ihren Investitionen verbundenen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 auf Netto-Null zu senken. Einige Finanzinstitute fürchten allerdings, dass ein solches gemeinsames Vorgehen Kartellklagen nach sich ziehen könnte oder auch das Nichterreichen der Ziele rechtliche Konsequenzen haben könnte. Hinzu kommt, dass sich einige große Investoren öffentlich gegen Nachhaltigkeit als vorrangiges Investmentziel gestellt hatten.

          „Lieber den ganzen Heuhaufen kaufen“

          Die NZAM zählt nach eigenen Angaben 291 Unterzeichner mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt rund 66 Billionen Dollar. Auf Vanguard entfielen davon sieben Billionen Dollar. Auch die großen deutschen Fondsgesellschaften wie die DWS, Deka, Union Investment und Allianz Global Investors haben sich der Initiative angeschlossen.

          Vanguard ist vor allem ein Anbieter von ETFs und anderen passiven Indexfonds und begründet seinen Rückzug nun im Grunde damit, dass die Ziele des NZAM mit dieser Form der Geldanlage schwer vereinbar seien. Der Gründer Jack Bogle gilt als Erfinder dieser inzwischen sehr beliebten Anlagevehikel, die ursprünglich einfach einen ganzen Markt abbilden sollen, ohne einzelne Wertpapiere auszuschließen oder hervorzuheben.

          In der Erklärung zum Austritt aus der Initiative greift Vanguard daher auch auf ein Zitat Bogles zurück: „Statt die Nadel im Heuhaufen zu suchen, sollte man lieber den ganzen Heuhaufen kaufen.“ In seiner Kritik wird Vanguard grundsätzlich: Wichtig für gesunde Finanzmärkte sei, dass Investoren die wesentlichen Risiken ihrer Investitionen selbst einschätzen könnten.

          Unter den Anlegern von Vanguard seien gerade die breit gestreuten Indexfonds besonders beliebt. Einer der größten ETFs ist der Vanguard FTSE All World mit mehr als 3500 Einzelaktien. Mit Blick auf solche Fonds sorgten die Vorgaben der Klimaschutz-Initiative eher für Verwirrung. „Wir ha­ben uns zum Rückzug aus der NZAM entschlossen, um unseren Anlegern die gewünschte Klarheit über die Rolle von Indexfonds zu verschaffen und darüber, wie wir über wesentliche Risiken, einschließlich klimabezogener Risiken, denken“, erklärte Vanguard. Zudem wolle man klarstellen, „dass Vanguard unabhängig über Themen spricht, die für unsere Anleger wichtig sind“.

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