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Begehrte Anlage : „Die Kunden wollen sauberes Gold“

  • -Aktualisiert am

Goldschmelze in Österreich. Bild: Reuters

Das gelbe Edelmetall könnte häufig so einige Geschichten erzählen. Auch seine Ökobilanz ist für Anleger interessant.

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          Gold ist begehrt – aber woher stammt es? „Wir werden zunehmend von Kunden angesprochen: Wo kommt das Gold her?“, sagt Philipp Reisert, der Geschäftsführer der C. Hafner GmbH + Co. KG mit Sitz in Wimsheim. Die Gold- und Silberscheideanstalt setzt ausschließlich auf Edelmetall-Recycling. „Die Kunden wollen sauberes Gold“, sagt Reisert. Auch Franz- Josef Kron, Vorstandsvorsitzender der in Pforzheim ansässigen Allgemeinen Gold- und Silberscheideanstalt AG weist darauf hin, dass der Weg des Goldes vom Ankauf bis zur Aufbereitung eindeutig nachvollziehbar sei.

          Nach einer Studie der Hochschule Pforzheim weist das aus hochwertigem Goldschrott produzierte Edelmetall eine um ein vielfach bessere Ökobilanz auf als klassisch gewonnenes Gold. „Der Klimafußabdruck von recyceltem Gold aus hochwertigem Schrott liegt bei etwa 53 Kilogramm CO2 je Kilogramm Gold“, sagt Professor Mario Schmidt, der die Untersuchung durchgeführt hat. Und somit liege der Wert deutlich unter den gängigen von etwa 10 bis 20 Tonnen CO2 je Kilogramm Gold. Die entscheidende Frage für die Ökobilanz des Edelmetalls sei, wo es herkomme, sagt der Wissenschaftler.

          Insgesamt 200.000 Tonnen

          Der Goldbergbau, vor allem die illegalen Grabungen im Amazonas-Gebiet oder in Afrika, hinterlassen tiefe Spuren in der Natur. Für ein Gramm Gold müssen die Bergbauunternehmen zum Teil Tonnen von Gestein und Erde bewegen. Das Edelmetall wird in der Regel mit Zyanid herausgelöst. Kleinschürfer setzen auch giftiges Quecksilber ein.

          Im vergangenen Jahr habe rund 1800 Tonnen der Nachfrage nach Gold auf der ganzen Welt im Investmentbereich gelegen, 2600 Tonnen seien für Schmuck und technische Güter angefallen, sagt York Alexander Tetzlaff, Geschäftsführer der Fachvereinigung Edelmetalle: „Mehr als zwei Drittel stammen aus der Primärgewinnung in Bergwerken, der Rest aus der Wiederverwertung.“

          Wissenschaftler Schmidt sieht vor allem noch großes Potential beim Thema Elektronikschrott. Viele Elektronikgeräte wie Mobiltelefone oder Computer würden noch nicht wiederverwertet. Ziel müsse es sein, in Verkehr gebrachtes Edelmetall dauerhaft im Kreislauf zu halten. „Bei den Mobiltelefonen scheitert es oft schon am Einsammeln“, sagt Kron. In Deutschland wird nach Angaben von Tetzlaff im Gegensatz zu vielen anderen Ländern Gold weitgehend aus hochwertigem Schrott gewonnen. Könne nachgewiesen werden, dass das Gold nicht aus der Primärgewinnung oder aus der zweifelhaften Goldwäsche stamme, so verbessere sich seine Ökobilanz drastisch, heißt es in der Studie.

          Insgesamt hat die Menschheit bisher etwa 200.000 Tonnen Gold gewonnen, zwei Drittel davon seit dem Jahr 1950. „Das ist ein Würfel so groß wie das Brandenburger Tor“, erläutert der Wissenschaftler. Bei Banken und in anderen Tresoren seien den Schätzungen zufolge etwa 73 000 Tonnen des Edelmetall eingelagert. Das würde den Bedarf für Schmuck und Industrie fast drei Jahrzehnte lang decken. Damit würden nach Berechnungen von Schmidt 1 500 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Das sei etwa das Zweifache der jährlichen Treibhausgasemissionen Deutschlands.

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