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Geldhäuser im Umbruch : Die gewieften Taktikfüchse von der Landesbank

Die Helaba hat ihren Hauptsitz in Frankfurt. Bild: Patrick Junker

Die Nord LB ist in Not. Was wird aus ihr und den anderen deutschen Landesbanken? Zumindest diese beiden Männer haben offenbar einen Plan.

          Die Führung und die Eigner der Landesbank Hessen-Thüringen sind nicht als wilde Abenteurer bekannt. Aber der Aufsichtsratsvorsitzende, Hessen-Thüringens Sparkassenverbandspräsident Gerhard Grandke, und der Vorstandschef Herbert Grüntker gelten als gewiefte Taktikfüchse, die wissen, wann man „streng vertrauliche“ Briefe auch mit dem Ziel schreibt, dass der Inhalt in die Medien gelangt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie berichtet, waren am Mittwoch Forderungen der Helaba an die norddeutsche Sparkassen-Organisation aufgetaucht. An diesem Donnerstag bewegten sich die Interpretationen dieses eigentlich vertraulichen Briefes in einem weiten Spannungsfeld.

          „War doch klar, dass dieser hochkomplexe Vorgang zu einer Super-Landesbank schon an der ersten Hürde scheitert“, sagten die einen. „Jetzt ist die Helaba richtig ins Bieterverfahren um die Nord LB eingestiegen und hat die Verhandlungen eröffnet“, sagten die anderen, ohne dass sich offiziell jemand zitieren lassen wollte.

          Diskutiert wird die Super-Landesbank

          Bis zum 28. November müssen sich die Helaba und die übrigen noch fünf Bieter entscheiden, ob sie ein Angebot für eine Beteiligung an einer für die Norddeutsche Landesbank erforderlichen Kapitalerhöhung abgeben. Die Notlage der Nord LB – die Landesbank braucht nach Informationen der F.A.Z. mindestens 3,5 Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital – und die Angst der Sparkassengruppe, dass ein privater Investor wie Cerberus oder die Commerzbank in die öffentlich-rechtliche Nord LB „eindringt“, haben viel in Bewegung gebracht.

          Diskutiert wird ein Zusammenschluss von Nord LB und Helaba, erweitert um drei Sparkassen-Zentralinstitute: Deka, Landesbank Baden-Württemberg und Berlin Hyp. So sinnvoll dies wäre: Viele Sparkassenfunktionäre würden liebgewonnene Posten in Gremien verlieren, Tausende Arbeitsplätze in den Landesbanken gingen verloren. Die Widerstände sind also groß. Aber die Bankenaufsicht übt Druck aus – auch auf Finanzminister der Bundesländer, ihre Landesbanken zu öffnen.

          Die Forderungen der Helaba zeigen einmal mehr, dass die Sparkassengruppe regional verfasst ist mit Unterschieden zwischen den Regionen. Die Helaba arbeitet mit den Sparkassen in Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg intensiv zusammen, man hat eine verbindliche Form der Zusammenarbeit vereinbart, und man haftet füreinander. Diese Sparkassen halten auch die Mehrheit an der Helaba.

          Im Norden ist das anders. Sparkassenverbandspräsident Thomas Mang hatte vor nicht allzu langer Zeit bei den norddeutschen Sparkassen Geld gesammelt, um über eine Kapitalerhöhung mehr Einfluss auf die Nord LB zu gewinnen. Inzwischen aber ist dieses Geld weitgehend „verbrannt“, Niedersachsens Sparkassen halten nur 26 Prozent an der Nord LB, dafür das Land Niedersachsen fast 60 Prozent. Norddeutsche Sparkassen fühlen sich daher der Nord LB weit weniger eng verbunden als die in Hessen und Thüringen der Helaba.

          Die enge Zusammenarbeit mit den Sparkassen hat der Helaba ein deutlich besseres Rating als der Nord LB eingebracht. Bei Moody’s trennen die beiden immerhin fünf Notenstufen. Ihr gutes Rating will die Helaba nicht allzu sehr gefährden, wenn sie sich mit der Nord LB zusammentut. Deshalb verlangt sie, dass die norddeutschen Sparkassen sich zuvor verpflichten: zu einer engen Zusammenarbeit, zu Einzahlungen in den gemeinsamen Haftungsfonds und zu einer (höheren) Kapitalbeteiligung an der neu formierten Bank. Das sind keine aus der Luft gegriffenen Forderungen, sagen sogar Beteiligte in Norddeutschland. Es klinge nicht nach Abenteuer, wenn die Helaba ihr Verbundkonzept ausdehnen wolle. In norddeutschen Sparkassenkreisen gibt man sich also offenbar gesprächsbereit. Der Poker ist eröffnet. Bis zum 28. November kann noch manches Blatt ausgereizt werden.

          Gibt die Helaba bis 28. November kein Angebot für die Nord LB ab, kommt einer der anderen fünf Interessenten bei der notwendigen Kapitalerhöhung zum Zuge, also die Commerzbank oder Finanzinvestoren wie Cerberus. Die Nord LB würde dann als zweite Landesbank nach der HSH Nordbank (teil-)privatisiert.

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