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Deutsche Finanzhäuser : Fünf Finanzer

Auch nachts sind nicht alle deutschen Finanzhäuser grau: Der Allianz und der DZ Bank geht es blendend. Und der Hypo-Vereinsbank und der Commerzbank geht es zumindest nicht schlecht. Bild: Helmut Fricke

Bäte. Blessing. Cryan. Kirsch. Weimer. An der Spitze der Deutschen Bank mag John Cryan leiden, aber manche Kollegen sind quietschvergnügt.

          Was ist aus der Deutschen Bank geworden? Äußerlich gelassen sitzt John Cryan vor rund einer Hundertschaft Journalisten, die an einem wolkenverhangenen Januartag vom starken Mann des Hauses Aufschluss über die Zukunft von Deutschlands größter Bank erwarten. Die Deutsche Bank eröffnet traditionell den Reigen der Bilanzpressekonferenzen der großen deutschen Finanzhäuser, und ebenso traditionell, in guten wie in schlechten Zeiten, ist sie am besten besucht.

          Es ist nicht leicht, sich an diesem Tag ein Bild von Cryan zu machen. In makellosem Deutsch und ohne jede äußere Aufregung trägt er erschütternde Zahlen vor, darunter einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2015. Die Zahlen für das operative Geschäft sind nicht desaströs, aber auch nicht brillant. Auch für die absehbare Zukunft macht Cryan nicht viele Hoffnungen, aber er sieht sich „auf einem guten Weg“, denn es wurden „dringend erforderliche Maßnahmen“ ergriffen. Weil er in Deutsch vorträgt (Fragen beantwortet er in Englisch) und sehr unprätentiös wirkt, strahlt der Brite mehr Vertrauen aus als sein Vorgänger Anshu Jain, der den Typus des smarten, aber auch sprunghaften Investmentbankers verkörpert hatte. Aber der Honeymoon mit der Öffentlichkeit ist schon nach wenigen Monaten in Gefahr, denn Cryan wird vorgeworfen, er rede zu viel über die Schwächen der Bank und zu wenig über eine gute Zukunft.

          Eine Bewegung, deren Richtung nicht abzusehen ist

          Neben Cryan sitzt sein Co-Vorstandsvorsitzender Jürgen Fitschen, der die zu überwindende alte Bank verkörpert und sich seiner Rolle bewusst ist, indem er den Journalisten dafür dankt, dass sie ihm überhaupt zuhören. Aber auch die Zukunft befindet sich auf dem Podium in Gestalt von Kim Hammonds, die als (neudeutsch) Chief Operating Officer unter anderem die altertümliche IT in Form bringen soll. Hammonds stammt hörbar aus Nordamerika, aber definitiv nicht aus der Wall Street. Stattdessen arbeitete sie früher bei Ford, Dell und Boeing. Die Endvierzigerin steht für die neue Generation, die Schwung in das ehrwürdige, aber doch arg zerzauste Haus bringen soll.

          Und so ist die Deutsche Bank in Bewegung – aber in einer Bewegung, deren Richtung noch nicht abzusehen ist. Cryan scheint sich bewusst zu sein, dass er mehr liefern muss als Kostenkürzungen und Effizienzsteigerungen. Er sage seiner Frau, dass er auch einmal als ein Baumeister wahrgenommen werden wolle und nicht immer nur als ein Sanierer, der abreißen müsse, bekundet der Brite. Darüber wären wohl nicht nur Mr. und Mrs. Cryan froh, sondern ganz Deutschland.

          Die Hypo-Vereinsbank befindet sich ebenso in einer Renovierung wie ihr Turm am Arabellapark in München-Bogenhausen, in dem an einem Februarmorgen die Bilanzpressekonferenz stattfindet. Theodor Weimer sitzt mit einem schmalen Lächeln vor rund zwei Dutzend Journalisten. Die für das Geschäftsjahr 2015 mitgebrachten Zahlen der Universalbank sind nach den Worten des seit 2009 im Amt befindlichen Vorstandssprechers „recht gut in einem äußerst anspruchsvollen Marktumfeld“, aber die Bank unternimmt eine mit zahlreichen Filialschließungen verbundene Transformation.

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