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Die geteilte Bankfiliale : Eine Innovation aus dem Taunus macht Schule

So ging es los: Finanz-Punkt in Bad Soden-Neuenhain vor der Coronakrise Bild: dpa

Die Vorstandschefs von Frankfurter Volksbank und Taunus-Sparkasse berichten über ein halbes Jahr Erfahrung mit geteilten Bankfilialen – und was das für Bankkunden bedeutet.

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          Wenn das Licht blau leuchtet, ist die Bankfiliale eine Volksbank, wenn es rot leuchtet, ist es eine Sparkasse: „Finanz-Punkt“ heißt die Innovation aus dem Taunus, gemeinsame Filialen einer Genossenschaftsbank und einer Sparkasse, die tageweise mal von den Mitarbeitern der einen, mal von den Mitarbeitern der anderen besetzt werden.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Entwickelt wurde die ungewöhnliche, verbundübergreifende Kooperation von der Frankfurter Volksbank und der Taunus-Sparkasse. Seit einem halben Jahr gibt es die erste Filiale dieser Art jetzt im Taunus-Örtchen Bad Soden-Neuenhain. Im Gespräch mit der F.A.Z. berichten die beiden Vorstandsvorsitzenden, Eva Wunsch Weber von der Volksbank und Oliver Klink von der Sparkasse, dass sich die in solchen Fragen lange Zeit recht verkrustete Bankenwelt jetzt für dieses Modell überall überraschend offen zeigt – und dass sie selbst die Zahl der gemeinsam betriebenen Filialen in der Corona-Krise sogar beschleunigt hochfahren wollen.

          Wird das Modell aus dem Taunus in Japan kopiert?

          „Wir sind überwältigt, welche Resonanz im gesamten Bankensektor wir national und international hervorgerufen haben“, sagt der Chef der Taunus-Sparkasse. Selbst die Bank of Japan habe sich nach den geteilten Bankfilialen aus dem Taunus erkundigt – schließlich gebe es auch in Japan wie in Deutschland starke regionale Bankennetze, für die solche geteilten Bankfilialen auch denkbar wären. In Deutschland sei das jüngste Beispiel Weiden in der Oberpfalz: „Dort haben die regionalen Institute unser Konzept sogar komplett übernommen, samt Name und Optik, mit den Verträgen und allen Regelungen, die ein solches Modell kartellrechtlich zulässig machen“, sagt Wunsch-Weber.

          Mut zur Kooperation mit einer Sparkasse: Eva-Wunsch-Weber, Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank - der zweitgrößten Volksbank in Deutschland.
          Mut zur Kooperation mit einer Sparkasse: Eva-Wunsch-Weber, Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank - der zweitgrößten Volksbank in Deutschland. : Bild: Wonge Bergmann

          Auch zwei näher am Taunus gelegene Institute gehörten zu den Nachahmern: Die Sparkasse Darmstadt und die Volksbank Darmstadt-Südhessen gingen jetzt einen ähnlichen Weg, auch wenn sie nicht alles komplett aus dem Taunus übernähmen. Kollegen aus ganz Deutschland seien schon angerückt, um sich die Vorbild-Teilzeit-Filiale anzugucken. „Wir haben ihnen allen quer durch Deutschland angeboten, unser Modell kostenlos zu nutzen“, sagt Wunsch-Weber. „Wir finden, dass dieser Weg Schule machen sollte.“

          Kunden und Mitarbeiter nähmen den neuen Typ von Filiale gut an, soweit er das beobachten könne, sagt Klink. Selbst jetzt während der Corona-Krise seien die Finanz-Punkte gut besucht gewesen. Man habe sie extra die ganze Zeit offen gelassen. Die Krise habe auch die Umbauarbeiten nicht beeinträchtigt, im Gegenteil: Noch im Juni solle es sechs neue „Finanz-Punkte“ geben, bis zum Jahresende sollten 26 eröffnet sein; zum Teil mit Mitarbeitern, zum Teil nur mit Automaten. „Das ist ein Jahr schneller als ursprünglich geplant“, sagt Klink.

          Anfragen von Bürgermeistern

          Auch Politiker, die immer sehr besorgt über mögliche Filialschließungen in ihrem Wahlbezirk sind, scheinen Freunde der neuen Lösung zu sein. Wunsch-Weber berichtet, hier und da gebe es sogar den Wunsch, dass in Kommunen zwei Finanz-Punkte statt einem betrieben werden sollten: „Überhaupt ist in vielen Städten und Gemeinden das Interesse auch der Kommunalpolitiker für weitere Finanz-Punkte groß.“ Vielleicht sagen sich viele auch: Auf jeden Fall besser als keine Bank.

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