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Anleihenhandel : Lower for longer

Unter Mario Draghis Führung hat die EZB bislang Anleihen im Wert von mehr als zwei Billionen Euro gekauft. Bild: CLODAGH KILCOYNE

Die Europäische Zentralbank will in Zukunft weniger Anleihen kaufen – allerdings für länger. Für Sparer heißt das: Höhere Zinsen lassen noch Jahre auf sich warten.

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          Wenn der Chefvolkswirt einer Notenbank spricht, hören alle genau hin. So war das auch vor zehn Tagen bei Peter Praet, der diesen Posten für die Europäische Zentralbank (EZB) innehat. In New York sprach er Worte, die als Vorentscheidung aufgefasst wurden – für die wichtigste geldpolitische Zusammenkunft des Jahres am kommenden Donnerstag.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dann trifft sich die EZB in Frankfurt zu ihrer Sitzung. Sie will Wichtiges verkünden, die Finanzmärkte spekulieren schon das ganze Jahr darüber, was genau die Notenbanker dann sagen werden. Es geht um nichts weniger als den Einstieg in den Ausstieg aus der jahrelangen ultralockeren Geldpolitik der EZB, die unter anderem zu Negativzinsen geführt hat, die die Sparer um Milliarden an Zinsgewinnen gebracht haben.

          Was kommende Woche passieren wird, sieht nach der Erwartung so gut wie aller EZB-Beobachter so aus: Die Zentralbank wird beschließen, dass die milliardenschweren Käufe von Staatsanleihen, die die Zinsen niedrig halten und damit die Wirtschaft ankurbeln sollen, nicht wie bisher geplant zum Jahresende enden, sondern dass sie fortgeführt werden. Aber mit einem kleineren Volumen. Die englischsprechende Finanzwelt hat dafür die Formel „lower for longer“ („weniger für länger“) erfunden. Praet hat das in seiner New Yorker Rede etwas verklausuliert angedeutet: In einem ruhigen Marktumfeld wie derzeit seien Anleger geduldiger und könnten den Stimulus besser einschätzen, der von Anleihekäufen über eine längere Zeitstrecke ausgehe.

          Kaum mehr genug Anleihen auf dem Markt

          Seitdem wird diskutiert, wie weit der Zeitraum ausgedehnt wird. Die Notenbanker selbst haben offenbar über weitere sechs bis neun Monate diskutiert, sickerte nach außen. Klar ist auch: Wenn sie länger Anleihen kaufen, müssen sie das mit geringerem Volumen tun. Denn es gibt bald nicht mehr genug Anleihen auf dem Markt, die die EZB noch erwerben kann. Schließlich hat sie sich verpflichtet, nicht mehr als ein Drittel der Anleihen eines Landes zu besitzen, um damit dem Vorwurf der Staatsfinanzierung zu entgehen, die ihr verboten ist.

          Dieser Vorwurf wird der Notenbank von Beginn des umstrittenen Kaufprogramms im März 2015 an gemacht, nicht zuletzt aus Deutschland. Bei einigen Anleihen, zum Beispiel deutschen Bundesanleihen, würde sie spätestens im Sommer kommenden Jahres die Maximalschwelle erreichen, wenn sie das Kaufvolumen nicht reduziert. Die Schwelle anzuheben wird die EZB kaum wagen, da der Europäische Gerichtshof und das Bundesverfassungsgericht die Käufe nur genehmigt haben, weil es diese Begrenzung gibt.

          Derzeit erwirbt die Zentralbank Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro im Monat. Mehr als zwei Billionen Euro hat sie damit jetzt schon in ihrem Bestand, das entspricht rund zwei Dritteln der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung. Das sind zum größten Teil Staatsanleihen, aber auch etwa 20 Prozent Unternehmensanleihen, Pfandbriefe und Kreditverbriefungen. „Die EZB wird von Januar bis September 2018 noch Anleihen im Wert von 30 Milliarden Euro im Monat erwerben und dann das Programm bis Jahresende 2018 auslaufen lassen“, erwartet Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Er spricht damit die Mehrheitsmeinung der Notenbank-Beobachter aus. Eine Minderheit erwartet sogar einen Rückgang der Käufe auf nur noch 20 Milliarden Euro.

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