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Teuerung : Die EZB ringt mit der hohen Inflation

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane soll angeblich weniger Redezeit im EZB-Rat bekommen. Bild: Reuters

Die Inflation im Euroraum für April wird zwar leicht nach unten korrigiert auf 7,4 Prozent. Gleichwohl bleibt sie außergewöhnlich hoch. Derweil reformiert der EZB-Rat offenbar seine Sitzungsabläufe.

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          Die Inflation im Euroraum bleibt weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Wie das europäische Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte, wurde eine erste Schätzung für die Inflation im April allerdings leicht nach unten korrigiert. Ende April hatte das Amt die Teuerung für den Monat auf 7,5 Prozent veranschlagt, letztendlich waren es 7,4 Prozent. Eine ähnliche Korrektur seiner ersten Schätzung hatte das Amt auch im März schon vorgenommen. Am stärksten gegenüber dem Vorjahr stiegen die Preise für Energie: um 37,5 Prozent. Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich um 9,2 Prozent, Industriegüter ohne Energie um 3,8 Prozent, Dienstleistungen um 3,3 Prozent. Auffällig ist, dass die Preise für Energie gegenüber dem Vormonat März um 4 Prozent nachgaben. Bislang war die Energie nur teurer und teurer geworden.

          Inflation in der Schweiz bei 2,3 Prozent

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          In neun Ländern der Europäischen Union sind die Inflationsraten mittlerweile zweistellig, darunter sind fünf Euroländer. An der Spitze steht Estland mit 19,1 Prozent, vor Litauen mit 16,6 Prozent. Die Niederlande sind bei immerhin 11,2 Prozent angekommen. Deutschland, das nach der europäischen Rechenweise des Harmonisierten Verbraucherpreisindex auf eine Inflationsrate von 7,8 Prozent kommt, liegt derzeit leicht über dem Durchschnitt. Am niedrigsten im Euroraum ist die Inflation im Moment in Frankreich und Malta mit jeweils 5,4 Prozent. In einem Euroland, nämlich Spanien, sind die Preise im April gegenüber dem Vormonat sogar leicht gesunken, nämlich um 0,3 Prozent. Die Inflationsrate ging dort von 9,8 auf 8,3 Prozent zurück. In der Schweiz, die weder zum Euroraum noch zur EU gehört, lag die Inflationsrate im April bei 2,3 Prozent.

          Voraussichtlich im Juli könnte die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer Zinserhöhung auf die hohe Inflation reagieren; am Mittwoch traf sich der EZB-Rat schon zu einer nicht geldpolitischen Sitzung.

          Kürzere Redezeit für den Chefvolkswirt?

          Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unterdessen, die EZB habe Änderungen an der Struktur ihrer Ratssitzungen vorgenommen. Unter Berufung auf Insider heißt es, insbesondere der regelmäßige Vortrag von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane solle künftig weniger Raum bei den Sitzungen einnehmen. Dafür solle mehr diskutiert werden.

          In der Vergangenheit seien Lanes Präsentationen mitunter bis zu 60 Seiten lang gewesen, künftig sollten es maximal noch 20 Seiten sein. Die Präsentationen sollten zudem „prägnanter“ ausfallen, Wiederholungen sollten vermieden werden. Bereits im April sei die Sitzungsdauer insgesamt verlängert worden. Lane habe den Ratsmitgliedern als Teil der Neuerungen zuletzt schon vor der Sitzung Unterlagen zukommen lassen, so hieß es.

          Nach Einschätzung von Commerzbank-Ökonom Michael Schubert zeigt sich in der Reform die von EZB-Präsidentin Christine Lagarde schon bei ihrem Amtsantritt geäußerte Absicht, möglichst alle Ratsmitglieder zu Wort kommen zu lassen und dann im Konsens zu entscheiden. Reuters zufolge gab es offenbar aber auch Kritik, dass die Stimme des geldpolitisch eher vorsichtigen Chefvolkswirtes in den Debatten zu viel Gewicht habe.

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