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Aktienkurs wieder über 10 Euro : Die Deutsche Bank wird zum Anleger-Liebling

Das Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: AFP

Kaum ein anderer Dax-Wert läuft in diesem Jahr so gut wie die lange gebeutelte Deutsche Bank. Das hat mehrere Gründe.

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          Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sprüht schon lange vor Optimismus. „Wir glauben nach wie vor, dass 2021 ein weitaus besseres Jahr werden kann als das vergangene“, sagte er kürzlich auf dem virtuellen Neujahrsempfang seiner Bank.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Virus werde man in den Griff bekommen.  Die Wirtschaft, vor allem die in Deutschland, werde sich dann rasch und kräftig wieder erholen. So langsam scheinen auch die Anleger sich von diesem Optimismus anstecken zu lassen. Denn keine Aktie im deutschen Aktienindex Dax ist im bisherigen Jahresverlauf so gut gelaufen wie die der Deutschen Bank.

          War das größte deutsche Geldinstitut lange Zeit das Kellerkind in der deutschen Börsen-Bundesliga, so steht seit Beginn dieses Jahres ein sattes Plus von 18 Prozent auf dem Kurszettel. Allein am Donnerstag legte die Aktie zwischenzeitlich um 5,4 Prozent zu und war damit der klare Tagesgewinner unter den Einzelwerten im Dax.

          Die lange außer Sichtweite geratene Marke von 10 Euro hat sie bei mehr als 10,70 Euro recht komfortabel hinter sich gelassen. Das ist der höchste Stand seit Sommer 2018.

          Das steigende Zinsniveau hilft

          Hintergrund ist freilich nicht nur Sewings Optimismus. Die gesamte Bankbranche profitiert aktuell von den steigenden Zinsniveaus. An den Anleihemärkten steigen die Renditen aus Sorge vor wachsender Inflation seit einigen Wochen. Auch ein Plädoyer des amerikanischen Notenbankchefs Jerome Powell für andauernd niedrige Zinsen, konnte den Anstieg bislang nicht stoppen. 

          Das könnte eines der größten Probleme der Banken auf absehbare Zeit lösen oder zumindest mildern: Einen Gutteil ihrer Einnahmen erzielen sie schließlich einfach gesagt aus der Differenz aus den Zinsen, den sie ihren Kunden für ihre Einlagen zahlen und den Zinsen, den sie ihren Kunden für Kredite abverlangen. Diese Zinsmarge ist auch bei der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren der Niedrigzinsphase immer weiter zusammengeschrumpft. 

          Auch die Aussicht auf weitere Lockerungen in der Corona-Pandemie dürfte zur neuen Zuversicht der Anleger zu  Bankaktien beitragen. Schließlich lastet vor allem die Gefahr hoher Kreditausfälle im Zuge der Pandemie auf den Instituten. Im vergangenen Jahr haben fast alle Großbanken ihre Risikovorsorge für solche Ausfälle kräftig aufstocken müssen. Allein die Deutsche Bank und die Commerzbank mussten jeweils 1,8 Milliarden Euro zurücklegen. Bei vielen europäischen Instituten wie der französischen Société Générale, der italienischen Unicredit und dem spanischen Banco Santander führten die gestiegenen Kreditrisiken zu den ersten Milliardenverlusten seit Jahren geführt.

          Analysten bleiben skeptisch

          Von den verbesserten Aussichten profitiert die gesamte Branche. Seit Jahresbeginn hat der europäische Branchenindex Stoxx Banken um 16,5 Prozent zugelegt und steht inzwischen so hoch wie zuletzt vor einem Jahr. 

          Die Analysten, die die Aussichten der Deutsche-Bank-Aktie regelmäßig bewerten, bleiben allerdings skeptisch. Als erster Analyst seit Jahren hatte Andrew Lim von der Société Générale die Deutsche-Bank-Papiere im Oktober zum Kauf empfohlen und hat sein Kursziel inzwischen sogar auf 13 Euro hoch gesetzt. In den anderen Banken und Analysehäusern, ist ihm seither aber noch niemand gefolgt. Zwar zollte unter anderem der angesehene Analyst Kian Abouhossein von der amerikanischen Großbank JP Morgan Christian Sewing gerade größten Respekt, dass er mit dem Umbau der Bank gut vorankomme - zu einer Kaufempfehlung konnten er und auch alle anderen auf Bloomberg vertretenen Analysten sich aber noch nicht durchringen.

          In den nächsten Wochen will die Deutsche Bank zudem die Schließung von 100 ihrer 500 deutschen Filialen unter Dach und Fach bringen. Bis zu 450 Stellen sollen dadurch wegfallen, wie Bloomberg am Donnerstag berichtete.

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