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Deutsche Bank : Mit dem seltsamen Segen der Scheichs von Qatar

Die Skyline von Doha. Bild: dpa

Über wenige Dax-Vorstände wurde schon vor Amtsantritt so viel spekuliert wie über Stefan Simon. Er soll das riskante Rechtsressort der Deutschen Bank leiten – und ist auf ungewöhnlichem Wege dorthin gekommen.

          5 Min.

          Wenn ein Nichtbanker in den Vorstand der größten deutschen Bank einziehen soll, dann schauen die Aufseher von Bafin und Europäischer Zentralbank ganz genau hin. Weiß der, was für Risiken im Derivategeschäft schlummern können? Kennt der sich mit Kreditvergabe und der Auslagerung von Daten in die Cloud aus? Das sind die üblichen Fragen, auf die der Aspirant sich vorbereiten muss. Im Falle von Stefan Simon, der zum 1. August neuer Rechtsvorstand der Deutschen Bank wird, hatten die Aufseher aber noch einen anderen Aspekt abzuklopfen, der auch viele Kunden der Bank umtreiben dürfte: Wie eng ist Simons Bande zur Herrscherfamilie aus Qatar?

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schließlich saß der in Zürich mit seiner Frau, einer Schweizerin, und drei von vier Kindern wohnende Rechtsanwalt und Steuerberater vor seinem Wechsel ins operative Geschäft der Bank in deren Aufsichtsrat – und galt dort als Vertreter der qatarischen Herrscherfamilie, die größter Aktionär des Geldhauses ist. Als Simon im Juli 2016 in das Kontrollgremium einzog, wurde das auch von der Bank offiziell so formuliert: „auf Anregung“ der Qataris sei Simon in den Aufsichtsrat bestellt worden, hieß es in einer Mitteilung. Die Herrscherfamilie hatte über ihre beiden Investmentgesellschaften Paramount und Supreme Universal gerade ihre Anteile an der Bank auf zusammen fast zehn Prozent aufgestockt. Aufsichtsratschef Paul Achleitner freute sich in der Mitteilung zu Simons Berufung darüber, „dass unsere qatarischen Investoren mit ihrem langfristigen Engagement auf den Erfolg der Deutschen Bank setzen“.

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