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Amerikas Banken mit Schwächen : Die Citigroup verlässt 13 Länder

Eine Filiale der Citigroup in New York Bild: dpa

Auch die Quartalszahlen von JP Morgan stoßen bei den Anlegern auf wenig Begeisterung. Dabei haben die beiden amerikanischen Großbanken Milliardengewinne erzielt.

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          Die amerikanischen Großbanken Citigroup und Bank of America haben am Donnerstag ein Stück weit ein Kontrastprogramm zu ihren Konkurrenten Goldman Sachs und JPMorgan geliefert, die am Mittwoch mit sehr guten Quartalszahlen geglänzt haben. Zwar profitierten auch Citi und Bank of America vom Börsenboom und der Aussicht, dass die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr dank staatlicher Konjunkturstützen und hoher Impfquote mit mehr als 6 Prozent so stark wächst wie zuletzt in den 1980er Jahren. Aber gerade die Citigroup kündigte auch Einschnitte an.

          Hanno Mußler
          (ham.), Finanzen, Wirtschaft

          Wegen der besseren Wirtschaftsaussichten können alle amerikanischen Banken schon seit dem zweiten Halbjahr 2020 einen Teil der vielen Reserven wieder auflösen, die sie vor einem Jahr wegen der steigenden Wahrscheinlichkeit von Kreditausfällen durch die Pandemie zurückgelegt haben. Das kommt den Gewinnen zugute und setzt sich in diesem Jahr fort. „Der Jahresauftakt war besser als erwartet, und wir sind zuversichtlich, was die konjunkturelle Entwicklung angeht“, sagte die neue Citi-Chefin Jane Fraser.

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          Die Citigroup habe im ersten Quartal ihren Gewinn gegenüber dem Vorjahresquartal auf 7,9 Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Euro) verdreifacht. Auch Bank of America lieferte auf den ersten Blick gute Zahlen. Ihr Gewinn verdoppelte sich im ersten Quartal auf 7,6 Milliarden Dollar. Allerdings hatte JPMorgan am Vortag einen um das Fünffache höheren Gewinn von 14,3 Milliarden Dollar gemeldet, und die kleinere Investmentbank Goldman Sachs hat mit 6,8 Milliarden Dollar so viel verdient wie wohl noch nie.

          Citi profitiert vom Spac-Boom

          Ähnlich wie bei JPMorgan und Goldman Sachs am Vortag zeigten auch Citigroup und Bank of America steigende Erträge im Investmentbanking. Citi nahm im Kapitalmarktgeschäft satte 46 Prozent mehr an Gebühren ein und profitierte von seiner Rolle als Berater und Plazierungshelfer insbesondere bei Spacs. Das sind leere Börsenmäntel ohne operatives Geschäft, die an die Börse gebracht werden und erst danach durch den Zukauf eines noch unbekannten Unternehmens gefüllt werden. Anleger reißen diese Spacs den Verkäufern geradezu aus den Händen.

          Die Anleihehändler der Bank of America brachten 22 Prozent mehr Erlöse, die Aktienhändler 10 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Allerdings konnte das starke Kapitalmarktgeschäft nicht andere Schwächen der beiden Banken überdecken. So blieben die Erträge im gesamten Konzern bei Bank of America (Bofa)  mit 22,8 Milliarden Dollar konstant. Die Bofa-Aktie verlor an der Wall Street am Donnerstag im frühen Handel rund 4 Prozent, weil sich die Anleger mehr Kreditwachstum versprochen hatten.

          BK OF AMERICA

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          Bei der Citi gingen die Konzererträge sogar um 7 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar zurück. Analysten kommentierten, dies helfe der im März als Vorstandsvorsitzenden angetretenen Schottin Fraser, gleich zu Beginn ihrer Amtszeit die Citigroup neu auszurichten.

          Tatsächlich kündigte Fraser am Donnerstag Kostensenkungen im Privatkundengeschäft an. Aus 13 Ländern zieht sich Citi zurück, darunter aus China, Indien, Australien, Polen und Russland. Um im Wettbewerb Erfolg zu haben, sei die Präsenz der Bank in diesen Ländern zu klein, erklärte Fraser. In Deutschland hatte die Citigroup ihr Privatkundengeschäft schon 2008 an die französische Bankengruppe Crédit Mutuel verkauft, die es seither als Targobank betreibt.

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