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Deutsche Aktien-Skepsis : Die Börse hält die Unternehmen fit

  • -Aktualisiert am

Die Zahl der börsennotierten deutschen Unternehmen sinkt. Bild: dpa

Die Zahl börsennotierter Gesellschaften in Deutschland hat seit dem Jahr 2007 deutlich abgenommen – von mehr als 700 auf weniger als 500 Firmen. Schade.

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          Es passiert selten, dass deutsche Zeitungskonzerne zum Gesprächsthema an den Finanzmärkten werden. In dieser war das jedoch Fall – da wurden Details eines Deals bekannt, den der Medienkonzern Axel Springer mit der privaten Beteiligungsgesellschaft KKR geschlossen hat: KKR will einen größeren Anteil an Springer übernehmen. Verlegerwitwe Friede Springer und Vorstandschef Mathias Döpfner, die zusammen gut 45 Prozent der Anteile an dem Verlag besitzen, bleiben an Bord, den übrigen Aktionären hat KKR ein lukratives Übernahmeangebot gemacht.

          Das Ziel der Aktion lautet dem Vernehmen nach: Man will den M-Dax-Konzern Springer von der Börse nehmen.

          Gerade in Deutschland, einem Land, das der Börse traditionell mit Skepsis begegnet, kommen solche Pläne gut an. Unternehmen könnten viel ruhiger und langfristiger orientiert arbeiten, wenn sie nicht dem ständigen Druck der irrationalen Märkte ausgesetzt seien, heißt es gern.

          Das ist ziemlicher Humbug. Wahr ist, dass es sich Vorstände etwas bequemer machen können, wenn sie nicht ständig an den Kursbewegungen des Aktienmarktes gemessen werden.

          Die skeptischen Deutschen

          Aber man sollte sich keine Illusionen machen: KKR, eine der erfolgreichsten Private-Equity-Gesellschaften der Welt, will mit dem Einstieg natürlich Geld verdienen. Das allein erzeugt schon einen gewissen Druck.

          Zuletzt kam es häufiger vor, dass Unternehmen Abschied von der Börse nahmen – der Pharmakonzern Stada ist nur ein Beispiel, auch bei Metro wird darüber spekuliert. Insgesamt hat die Zahl börsennotierter Gesellschaften in Deutschland seit dem Jahr 2007 deutlich abgenommen, von mehr als 700 auf weniger als 500 Firmen. Die Tendenz ist zu beklagen. Denn trotz ihres schlechten Rufs tut die Börse Unternehmen gut.

          Das liegt allein schon an den Transparenzpflichten, die mit einer Börsennotierung einhergehen: Anhand der regelmäßig veröffentlichten Geschäftszahlen kann sich jeder Interessierte ein Bild zur Lage eines Unternehmens machen.

          Naturgemäß mag dies ein Vorstand lästig finden, aber die öffentliche Diskussion führt dazu, dass keine Schwachstelle unentdeckt bleibt. Positiv gewendet, entsteht so ein ständiger Ansporn für den Vorstand, ein Unternehmen besser zu machen. Bleibt man dagegen unter sich, kann man sich die Lage leicht schönreden. Auf lange Sicht betrachtet ist das fatal.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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