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Ausbreitung des Coronavirus : Anleger setzen auf Hilfen durch die Notenbanken

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Nach den großen Verlusten in der vergangenen Woche steigen die Kurse nun wieder leicht. Bild: dpa

Der Kursrutsch an den Börsen pausiert, auch der Dax startet stabiler in die neue Woche. Das liegt nicht nur am amerikanischen Zentralbankchef.

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          Nach hohen Kursverlusten sind die Aktienbörsen zumindest einigermaßen stabil in die neue Woche gestartet. Der deutsche Standardwerteindex Dax tendierte zu Handelsbeginn mehr als 1 Prozent fester und überwand dabei die Marke von 12.000 Punkten. Überdurchschnittlich legten die Kurse von Wirecard, Fresenius Medical Care und Volkswagen zu. Auch an den anderen europäischen Börsen starteten die Aktienkurse überwiegen positiv. Im Vormittagsverlauf verpuffte diese Bewegung allerdings wieder.

          In der vergangenen Woche erlebten Anleger zumal in Amerika die schlechteste Börsenkursentwicklung seit der internationalen Finanzkrise, die im Jahr 2008 eskaliert war. Diesseits wie jenseits des Atlantiks verminderten sich die Kurse im zweistelligen Prozentbereich.

          Der Kursrutsch grenzte sich erst ein, als am Freitag der Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reseve, Jerome Powell, öffentlich verlautbarte, dass die Währungshüter angemessen reagieren würden auf die Ausbreitung des Coronavirus. Damit signalisierte er aus Sicht der Börsianer, dass die Fed-Direktoren wohl während ihres nächsten Treffens am 18. März die Leitzinsen senken werden. Die Fachleute der amerikanischen Investmentbank sagen nun eine Zinssenkung von einem halben Prozentpunkt voraus im März und von einem Prozentpunkt in diesem Jahr insgesamt – noch am Freitag waren sie von einem kleineren Schritt ausgegangen.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump bekräftigte infolgedessen seine schon häufig vorgebrachte Forderung nach niedrigeren Zinsen in Amerika. „Unsere Fed sollte anfangen, eine Führungsrolle zu übernehmen“, sagte er am Wochenende während einer Pressekonferenz aus dem Weißen Haus, umgeben von Gesundheitsbeamten und Vizepräsident Mike Pence. „Wir sollten die niedrigsten Zinssätze haben. Wir haben nicht die niedrigsten Zinssätze. Unser Leitzins ist höher. Man schaue auf Deutschland, auf Japan und auf andere Länder.“

          Die amerikanischen Notenbanker sind indes nicht die einzigen, die an Maßnahmen arbeiten, um die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie einzuhegen. Die Finanzminister der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) wollen in dieser Woche über die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs für das Wirtschaftswachstum sprechen. „Es wird eine konzertierte Aktion geben“, kündigte der französische Kassenwart Bruno Le Maire schon einmal an. Er habe am Sonntag mit dem amerikanischen Finanzminister Steven Mnuchin gesprochen, der den G7-Vorsitz innehat. Es werde eine Telefon-Konferenz geben, „um unsere Reaktionen zu koordinieren“, sagte Le Maire dem Fernsehsender France 2.

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          Auch die Finanzminister der Europäischen Währungsunion stehen seinen Worten zufolge in Kontakt. Er wolle auch mit der Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, reden. „Wir müssen so handeln, dass diese Auswirkungen, von denen wir wissen, dass sie wichtig für das Wachstum sind, so gering wie möglich sind“, betonte Le Maire.

          Die EZB steht wiederum nach Ansicht des französischen Notenbank-Präsidenten Francois Villeroy de Galhau bereit, nötigenfalls wegen des sich ausbreitenden Coronavirus die Konjunktur zu unterstützen. Zusätzliche Schritte seien aber derzeit noch nicht erforderlich, sagte er im französischen Radiosender BFM Business. Die Geldpolitik sei bereits konjunkturfördernd. Sie stelle den Banken reichlich Liquidität zur Verfügung zur Finanzierung der Wirtschaft. „Falls mehr erforderlich ist und wir überzeugt sind, dass das effektiv wäre, dann können wir mehr machen, aber da sind wir noch nicht“, sagte Villeroy.

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