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Anleger geprellt : Italienische Banken verwickelt in Diamantenbetrug

Italien ist das Land des Goldes und der Diamanten: Schmuckmesse in Vicenza. Bild: Mauritius

Gleich fünf italienische Banken sind in einen Betrugsfall verwickelt: Edelsteine im Safe sollten Anleger vor einer Vermögensteuer schützen – doch die wertvollen Steine wurden ihnen zu völlig überhöhten Preisen verkauft.

          Ermittlungen gegen fünf italienische Banken, Beschlagnahme von 740 Millionen Euro und mindestens 100 Geschädigte sind bisher die Ingredienzien von Mailänder Ermittlungen wegen umfangreichen Betrugs mit Diamanten. Italienische Anleger, zum Teil national bekannte Persönlichkeiten, hatten sich überzeugen lassen, ihr Geld statt in Finanztiteln oder Gold lieber in Diamanten anzulegen. Nach den bisherigen Medienberichten in Italien wurden die Kunden betrogen, indem ihnen überhöhte Marktpreise vorgegaukelt wurden.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Was bei den Kundengesprächen aussah wie der Kursteil einer Zeitung mit Marktpreisen von Diamanten, waren in Wahrheit Anzeigen, in denen ein phantastischer Wertzuwachs von Diamanten angepriesen wurde, der aber mit den tatsächlichen Marktpreisen nichts zu tun hatte. Die Steine, die zum Teil seit 2003 angeboten wurden, sollen für mehr als das Doppelte des tatsächlichen Marktpreises verkauft worden sein.

          Zudem wurde den Kunden verschwiegen, dass Diamanten ein wenig liquides Anlageobjekt darstellen. Zeitweise soll einigen Investoren aber ein zunehmender Marktpreis vorgegaukelt worden sein, so lange wie in einem Schneeballsystem neue Abnehmer für Diamanten gefunden wurden, die von ausgewählten Anlegern zurückgekauft wurden.

          Betrug und Geldwäsche

          In die Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft verwickelt sind nach italienischen Medienberichten Unicredit, Intesa Sanpaolo, Monte dei Paschi, Banca BPM und Banca Aletti. Die Banken verteidigen sich damit, dass sie nur Informationsmaterial von zwei Gesellschaften namens „Intermarket Diamond Business“ (nun im Konkurs) und „Diamond Private Investment“ ausgelegt hätten. Doch abgehörte Telefonate sollen beweisen, dass Bankmitarbeiter direkt in den Verkauf der Diamanten verwickelt gewesen seien und zudem von den überhöhten Preisen wussten.

          Schließlich sollen die Erfinder des Diamantengeschäfts auch noch einen Teil ihrer Gewinne bei den Banken selbst angelegt haben und dabei den Diamantenverkäufern in den Banken geholfen haben, ihre Verkaufsziele etwa für Finanztitel zu erreichen. Daher wird schließlich nicht nur wegen Betrugs, sondern auch noch wegen Geldwäsche ermittelt. In die Affäre verwickelt sind bisher angeblich 70 Verdächtigte, auch der Generaldirektor von Banca BPM. Das italienische Strafrecht erlaubt aber auch Ermittlungen gegen die Banken als mitverantwortliche Institutionen.

          Weil auch in diesem Fall, wie in Italien üblich, große Teile der Ermittlungsakten in die Presse gelangten, wurden auch prominente Namen von geschädigten Investoren bekannt. An erster Stelle soll dabei der italienische Rocksänger Vasco Rossi stehen, der nach den veröffentlichten Informationen für 2,5 Millionen Euro Diamanten gekauft hat.

          Diamantenhandel-Chef tot aufgefunden

          Die Zweite unter den Geschädigten soll die bekannte Pharmaunternehmerin Diana Bracco sein. Ein Kalkül der Investoren könnte gewesen sein, dass sich bei eventuell in der Zukunft drohenden Vermögensteuern zur Rettung Italiens Diamanten in einem Safe am Vermögensregister vorbeischleusen lassen.

          Einen weiteren mysteriösen Bezug bekommt die Affäre dadurch, dass der Präsident und Geschäftsführer von „Intermarket Diamond Business“ namens Claudio Giacobazzi im Mai vergangenen Jahres tot aufgefunden wurde. Angeblich hat er Selbstmord begangen. Vom Gründerehepaar der Gesellschaft ist der Ehemann 2017 verstorben, die Frau angeblich in einem vegetativen Zustand, weshalb dem Geschäftsführer auch Unterschlagung und Hintergehung von nicht geschäftsfähigen Personen vorgeworfen wurde.

          Da Diamanten keine Finanzinstrumente darstellen, fällt deren Verkauf nicht unter die Kontrolle der Börsenaufsicht Consob. Auch die Banca d’Italia als Bankenaufseherin in Italien sieht sich in diesen Skandal nicht involviert. Aktiv geworden ist bereits vor zwei Jahren die Wettbewerbsaufsicht, die wegen betrügerischer Werbung gegen die Banken vorgegangen war und eine Strafe von insgesamt fast 13 Millionen Euro verhängte. Gegen die Klagen der Banken haben die Wettbewerbsaufseher gerade in erster Instanz gewonnen.

          Italienische Schmuckindustrie ist Weltmarktführer

          Überraschend ist der Umstand, dass der Betrug mit den Diamanten gelang, obwohl Italien über eine breit aufgestellte und international erfolgreiche Schmuckindustrie und damit auch über viele Experten verfügt. Stefano de Pascale, der Geschäftsführer von Federorafi, dem Verband der italienischen Schmuckindustrie, bedauert, dass die Banken ihre Kunden nicht umfassend und korrekt informiert hätten.

          „Für Anleger bleibt Gold das wichtigste Edelmetall, das in den vergangenen Jahrhunderten Solidität und Garantien geboten hat“, urteilt de Pascale. Italiens Schmuckindustrie sei zudem Weltmarktführer, was Kreativität, Design und Qualität angehe. 7500 Unternehmen mit 32.000 Beschäftigten sorgen in Italien für einen Jahresumsatz von 7,5 Milliarden Euro, die wichtigsten Zentren sind Valenza-Po bei Alessandria, Vicenza, Arezzo und die Umgebung von Neapel.

          85 Prozent der Produktion, zuletzt Waren im Wert von 7 Milliarden Euro, werden exportiert. Größte Abnehmer sind die Schweiz und die Vereinigten Arabischen Emirate, während Deutschland mit einem Exportwert von 170 Millionen Euro 2017 an achter Stelle der wichtigsten Kunden der Schmuckindustrie stand.

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