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Devisenmarkt : Zwang zum Geld drucken dürfte Euro drücken

  • Aktualisiert am

Notenpresse dürfte den Euro mittelfristig belasten Bild: dpa

Anders als früher bestimmt heute mehr die Zentralbankgeldmenge die Wechselkurse als das Zinsdifferenzen tun. Die Commerzbank zeigt in einer Studie, welche Notenbank das Gaspedal am weitesten durchtritt und was daraus für die Wechselkurse folgt.

          Die vielen volkswirtschaftlichen Krisen, die mit den verschiedensten Mitteln bekämpft werden, haben auch am Devisenmarkt Spuren hinterlassen. Beispielsweise in dem Sinne, was heutzutage die wichtigsten Kurstreiber sind. Denn während früher die Zinsdifferenzen die Wechselkurse zwischen den wichtigsten Währungen bestimmt haben, kommt es heute vor allem darauf an, wie sich die Zentralbankgeldmengen in den einzelnen Währungsräumen entwickeln. Zumindest ist das die zentrale These, welche die Commerzbank-Analysten Ulrich Leuchtmann und Ralph Solveen in einer Studie vertreten.

          In dieser Ausarbeitung gehen sie auch davon aus, dass viele Notenbanken noch lange an ihrer Nullzinspolitik festhalten dürften. Die Zinserträge der einzelnen Währungen werden sich demnach weiter kaum unterscheiden, und – noch wichtiger – die Zinsen würden kaum etwas über die relative Ausrichtung der Geldpolitik aussagen. Die Zinsdifferenz habe deshalb ihre bestimmende Rolle für die Wechselkurse verloren. Stattdessen hingen die Wechselkurse davon ab, wie stark die Notenbanken eine quantitative Lockerung betreiben, also wie stark die Zentralbankgeldmenge in den einzelnen Währungsräumen zunehme. Je schneller eine Zentralbank die Notenpresse laufen lasse, desto größer seien die mittelfristigen Inflationsrisiken und desto mehr werde die Währung belastet.

          Zentralbankgeldmengen als Treiber der Wechselkurse

          Euro-Dollar, relative Entwicklung der Zentralbankgeldmengen in den USA zu der im Euroraum, Index Januar 2008=100, Monatswerte

          Deutlich sei dieser Einfluss beim Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar (siehe Grafiken). So wertete der Euro gegenüber dem Dollar zwischen Ende 2010 und Mitte 2011 kräftig auf, als die amerikanische Notenbank im Rahmen von QE2 die Zentralbankgeldmenge deutlich ausweitete, während die EZB keine weiteren außergewöhnlichen Maßnahmen ergriff. Die Wende kam zur Jahresmitte 2011, als die Staatsschuldenkrise sich erneut verschärfte. Denn diese habe die Kapitalflucht aus den Peripherieländern merklich verstärkt (siehe Grafiken), weshalb die Banken in diesen Ländern deutlich mehr Zentralbankgeld nachfragten. Aufgrund der Vollzuteilung bei den Refinanzierungsgeschäften habe die EZB diese zusätzliche Nachfrage vollständig bedient; die Zentralbankgeldmenge stieg im Euroraum stärker als in Amerika, der Euro wertete gegenüber dem Dollar ab.

          Aggregierter Kapitalbilanzsaldo Griechenlands, Italiens, Portugals und Spaniens in Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 12-Monatsdurchschnitte, insgesamt und korrigiert um Veränderungen der Target-Salden und um empfangene Hilfszahlungen

          Der japanische Yen zeige, dass der Einfluss der relativen Entwicklung der Zentralbankgeldmengen auf die Wechselkurse keinesfalls neu ist, sondern dass er typisch ist für Wechselkurse von Währungen, deren Zinsen nahe Null liegen. So lasse sich der Wechselkurs zwischen Yen und Dollar bereits seit Ende der achtziger Jahre gut durch ein Modell erklären, dessen wichtigster Einflussfaktor die relative Entwicklung der Geldzentralbankgeldmengen in Japan und in Amerika sei und das bei der Commerzbank schon seit langem verwendet werde (siehe Grafiken). So sei die kräftige Aufwertung des Yen seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 wohl zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass die Bank of Japan ihre Geldbasis in den vergangenen vier Jahren weniger ausgeweitet habe als die Fed, sie also eine weniger expansive Geldpolitik als die amerikanische Notenbank verfolgt habe.

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