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Devisenmarkt : Warum sich der Euro trotz Schuldenkrise bisher gut hält

  • Aktualisiert am

Bild: Commerzbank

Trotz EU-Schuldenkrise hat sich der Euro bislang gut gehalten. Warum das so ist und was die Gemeinschaftswährung stärker unter Druck bringen könnte, zeigt die Commerzbank in einer Studie.

          5 Min.

          Seit längerem steckt Europa nun schon in einer handfesten Krise. Viele Länder gelten als zu hoch verschuldet und beim schlimmsten Sorgenkind Griechenland haben sich die meisten Börsianer geistig sogar bereits auf einen Staatsbankrott eingestellt.

          Nicht gerade einfacher wird die Ausgangslage auch dadurch, dass das Krisenmanagement bisher zu wünschen übrig lässt. Wegen der vielen ungelösten Probleme hatten viele Marktteilnehmer früher oder später auch mit einer ausgeprägten Schwäche des Euro gerechnet.

          Euro-Wechselkurse zeigt keine Anzeichen von Krise

          So sah Bundeskanzlerin Merkel schon im Mai 2010 den Euro in Gefahr. Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich der Euro bisher aber gut gehalten. Gemessen am Stand vom 20. Oktober 2009 von 1,4960 Dollar hat der Euro bis jetzt überschaubare 8 Prozent an Wert verloren. Dabei musste der griechische Finanzminister schon damals massive Fehler in der Haushaltsplanung der Vorgängerregierung eingestehen.

          Laut Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann sieht das nicht gerade nach einer Krise des Euro aus. Manche mögen zwar einwenden, dass sich der Euro nur deshalb so gut gehalten hat, weil auch die amerikanische Währung in Bedrängnis ist. Filtere man aber mit statistischen Verfahren sonstige Einflüsse auf den Euro-Dollar-Kurs heraus, so bleibe kein dramatischer Effekt der Staatsschuldenkrise auf den Euro übrig.

          Wie Leuchtmann in einer Studie weiter erläutert, schätzt das hauseigene Faktormodell die Euro-spezifischen Einflüsse auf den Euro- Dollar-Kurs für den Zeitraum seit Ende 2009 lediglich auf rund 10 Cent (siehe Grafiken). Das mittelfristige Fundamentalmodell beziffere anhand der Rendite- und Preisdifferenzen den fundamental angemessenen Euro-Dollar-Kurs auf ein Niveau, das ziemlich genau dem aktuellen Wechselkurs entspreche. „Von einer massiven Fehlbewertung und einer Krise des Euro kann keine Rede sein“, so Leuchtmann.

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          Euro profitiert vom sicheren Hafen Bundesanleihen

          Bei der Frage, warum der Euro nicht stärker leidet, verweist die Commerzbank-Studie auf den deutschen Anleihemarkt als Stütze. Bundesanleihen seien noch immer ein „sicherer Hafen“ für Anleger, die in stürmischen Zeiten stabile Anlageformen suchen. Das zeige sich auch daran, dass immer dann, wenn an den Finanzmärkten die Angst zunehem, Bundesanleihen besonders gefragt seien. Auffällig sei in diesem Zusammenhang auch, dass kurz nachdem Ende 2009 mit dem ARPI-Index das Maß für die Risikowahrnehmung an den Finanzmärkten hochgeschossen sei auch die Renditen der Bundesanleihen gefallen seien.

          Dieses Muster habe sich im Frühjahr 2010 wiederholt, als die Griechenland-Krise zum ersten Mal hoch kochte, und dann wieder im Sommer 2011, in der jüngsten Runde der Staatsschuldenkrise. Die Erfahrung der Liquiditätskrise 2008/2009 habe gezeigt, dass in Krisen Bundesanleihen (neben amerikanischen und japanischen Staatsanleihen) zu den wenigen Anlagen gehörten, die liquide bleiben. Und Liquidität sei gerade dann gefragt. Es gebe somit also weiterhin auf Euro lautende Anlagen, die in Krisenzeiten attraktiv sind. Anleger reduzieren vermutlich aus gutem Grund ihre Positionen in Staatsanleihen der Peripherieländer oder in anderen als riskant empfundenen Anlageformen, wenn sich die Staatsschuldenkrise wieder einmal verschärft. Es besteht laut Leuchtmann aber kein Grund, deswegen gleich den Euro zu verkaufen. „Die Staatsschuldenkrise ist in dem Sinn keine Krise des Euro“, stellt er fest.

          Erste Kratzer am sicheren Hafen Bundesanleihen

          Allerdings bedeutet das auch, dass bei einem Verlust des Status als sicherer Hafen bei den Bundesanleihen auch die Staatsschuldenkrise den Euro weitaus stärker belasten dürfte. In diesem Zusammenhang seien die zuletzt deutlich gestiegenen Versicherungsprämien gegen einen Staatsbankrott Deutschlands zu beachten. Diese erreichten in der Spitze rund 1,2 Prozent p.a. für eine Versicherungslaufzeit von fünf Jahren (siehe Grafiken). Das sei mehr, als fünfjährige Bundesanleihen als Rendite abwerfen. Zwischen 2004 und 2007 habe diese Versicherungsprämie bei rund 0,04 Prozent p.a. gelegen. Deutschlands potenzielle finanzielle Belastung durch die Garantieversprechen für den EFSF und die sonstigen Beteiligungen an den Rettungsbemühungen seien folglich gestiegen.

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