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Devisenmarkt : Warum Prognosen so schwierig sind

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Launischer Devisenmarkt Bild:

In die Zukunft schauen ist schwer. Aber am Devisenmarkt sind Prognosen besonders schwierig.

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          Wenn es so einfach wäre, die Bewegungen an den Finanzmärkte vorher zu sagen, dann würde es wahrscheinlich keine Analysten geben. Denn diese könnten bequem von zu Hause aus für eigene Rechnung agieren, um so ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

          Dass die Analysten sich aber durch Zeitreihen, Konjunkturmodelle und Charts wühlen, zeigt, wie schwierig das Feld der Prognosen ist. Zu den zickigsten Bereichen der Finanzanalyse zählen die Devisenkursprognosen. Grund sind die vielen Einflussfaktoren und deren schwankende Wahrnehmung an den Kapitalmärkten (siehe auch: Einflussfaktoren auf die Währung).

          Globalisierung erschwert Prognosen

          „Beim Aktienmarkt kommt es auf die Gewinnentwicklung und die Zinsen an“, erklärt Lothar Hessler, Analyst bei Trinkaus & Burkardt. „Am Rentenmarkt sind die kurzfristigen Zinsen und deren Auswirkungen auf das lange Ende wichtig. Am Devisenmarkt gibt es dagegen eine ganze Fülle von Einflussfaktoren.“

          Problematischer sind die Kursvorhersagen auch durch die Globalisierung geworden. „Während am Rentenmarkt ein Großteil der Bewegungen daher rührt, dass Endkunden kaufen, sind die Bewegungen am Devisenmarkt spekulativer“, sagt Eugen Keller, Analyst beim Bankhaus Metzler. Lediglich fünf bis zehn Prozent der Devisenkäufe oder -verkäufe seien kommerziell. Der Großteil der Kapitalströme habe andere Gründe und sei daher viel schwankungsanfälliger.

          Stimmung schwer greifbar

          Außerdem ist der Devisenmarkt launisch. Sind heute noch die Verbraucherpreise das wichtigste Argument, interessieren morgen nur noch die Arbeitsmarktdaten. Und auch die Zeithorizonte ändern sich.

          Für den Devisenmarkt ist es nicht so wichtig, wie die objektiven Rahmendaten sind, sondern wie diese interpretiert werden. „Ich versuche immer heraus zu finden, wie die Mehrheit der Marktteilnehmer denkt“, beschreibt Keller seine Vorgehensweise bei der Prognose. Dies sei wichtiger als seine persönliche Meinung.

          Das Gespür kommt aus dem Bauch heraus

          Zur Königsdisziplin werden die Devisenmarktprognosen aber vor allem durch die Gewichtung der verschiedenen Einflussfaktoren. Denn dazu gibt es keine Regel. „Zu bestimmen, welche Einflussfaktoren demnächst überwiegen, ist so ähnlich wie der Versuch, vorher zu sagen, welche Krawatten nächste Woche getragen werden“, meint Hessler. Daher heißt es, immer auf den Markt lauschen und die Argumente permanent überprüfen.

          „Die Mischung der Argumente kommt aus dem Bauch heraus“, stimmt Keller zu. Und natürlich die Erfahrung und das Gespür dafür, an welcher Stelle die Märkte derzeit sensibel reagieren.

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