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Devisenmarkt : Warum die RZB dem Euro das Überleben zutraut

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Raiffeisen Research glaubt nicht, dass Euro-Münzen bald eingeschmolzen werden müssen Bild: REUTERS

Der Euro ist trotz EU-Schuldenkrise bisher relativ stabil. In einer Studie erklären die Analysten von Raiffeisen Research warum der Euro die Krise überleben wird und sie die Preisstabilität nicht in Gefahr sehen.

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          Der Euro bewegt sich zum Dollar nach wie vor am oberen Rand der Regionen, in denen er schon seit Jahren gehandelt wurde. Die EU-Schuldenkrise konnte der Gemeinschaftswährung bisher somit noch nicht wirklich etwas anhaben.

          Sorgen machen sich die Bundesbürger angesichts der Krisenmeldungen aber dennoch. Jeder Dritte hat einer Studie zufolge kein oder nur noch wenig Vertrauen in die Stabilität des Euro. Und nachdem auf dem jüngsten Euro-Gipfel zwar Schritte hin zu einer Fiskalunion und Schuldenbremsen vereinbart wurden, innerhalb der EU-Staaten aber nicht wirklich Einigkeit demonstriert wurde, dürfte diese Bedenken eher sogar noch weiter zunehmen.

          Budgetdefizit und Staatsverschuldung Bilderstrecke

          Die Analysten von Raiffeisen Research halten in einer aktuellen Studie diese Ängste aber für übertrieben. Nach ihrem Urteil gehe es weder darum, die Währungsunion aufzukündigen, noch sei eine solche Entwicklung wahrscheinlich. Allerdings sei es dazu eine wichtige Aufgabe, kurzfristig durch Finanzierungshilfen und langfristig durch Reformen einen äußerst schmerzhaften Zahlungsausfall von großen Euroländern zu vermeiden.

          Bessere Verschuldungszahlen als in andere Industriestaaten

          Als ermutigend werten es die österreichischen Analysten dabei, dass sich die Staatsfinanzen zwar in einzelnen Euroländern problematisch gestalteten, die Eurozone insgesamt aber fiskalisch gesehen sogar vergleichsweise gut dastehe. Denn die Staatsverschuldung der gesamten Eurozone sei 2011 mit 88 Prozent der Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandprodukt zwar deutlich höher als die laut Maastricht-Kriterien vorgesehen 60 Prozent. Im Vergleich zu anderen Währungsräumen wie Großbritannien (84 Prozent), Amerika (100 Prozent) oder Japan (233 Prozent) sei dieser Wert aber noch vergleichsweise gering.

          Beim laufenden Budgetdefizit falle der Vergleich sogar noch vorteilhafter für die Eurozone aus: Hier liege das Defizit 2011 bei 4,1 Prozent des Bruttoinlandprodukt, gegenüber 9,4 Prozent in Großbritannien, 9,3 Prozent in Amerika und 10,3 Prozent in Japan. Außerdem sei die Abhängigkeit von ausländischen Kapitalzuflüssen (externer Finanzierungssaldo) der Eurozone nur minimal, müsse doch nur ein Leistungsbilanzdefizit von 0,8 Prozent des Bruttoinlandprodukt (2011) finanziert werden (gegenüber 2,5 Prozent in Großbritannien und 3,1 Prozent in Amerika).

          Leider könne diese insgesamt gute Position der Eurozone nicht gravierende Schwächen und dementsprechende Finanzierungsprobleme einzelner Länder des Währungsraums verhindern. Aber trotz aller Aufregung über deren Finanzierungsprobleme sei es wichtig folgende Punkte nicht aus den Augen zu verlieren:

          1. Einzelne Staatsbankrotte müssen Euro nicht zwangsläufig gefährden

          Erstens gefährde eine Umschuldung (Staatsbankrott) eines Eurozone-Landes nicht den Bestand des Euro per se. Es stimme zwar, dass historisch der Zahlungsausfall eines Landes oft auch zu einem massiven Wertverlust der jeweiligen Landeswährung geführt habe – üblicherweise, weil die Notenbank des Landes in einem verzweifelten Versuch, den Zahlungsausfall abzuwenden, die Geldmenge gewaltig aufbläht habe. Für einzelne Länder der Eurozone sei dieser Weg allerdings versperrt. Selbst wenn Griechenland seine Probleme mit „Gelddrucken“ lösen wollte, könne es das als Mitglied des gemeinsamen Währungsraumes nicht. Nur die Eurozone als Ganzes könne ihre Geldpolitik entsprechend abändern und auf eine Hochinflationspolitik umschwenken. Das sei zwar technisch möglich, sei aber politisch angesichts der starken Abneigung Deutschlands (und anderer früherer „Hartwährungsländer“) gegen hohe Inflationsraten sehr unwahrscheinlich.

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