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Devisenmarkt : War’s das schon mit dem starken Euro?

Schwächelt der Euro wieder? Bild: dpa

Der Höhenflug des Euro scheint ins Stocken geraten zu sein. Und der stärkere Dollar zieht auch den Ölpreis nach unten. Letzteres scheint aber nur eine Momentaufnahme zu sein.

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          Dass vor einigen Tagen der Kurs des Euro fast die Marke von 1,20 Dollar durchbrach, dann aber diese nicht nachhaltig überwinden konnte, war von einigen Beobachtern schon als Zeichen einer nachlassenden Stärke der Gemeinschaftswährung gewertet worden. Sie verwiesen auf hohe spekulative Positionen, die bei einem solchen Zeichen nachlassenden Auftriebs aufgelöst werden könnten.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die jüngste Kursbewegung scheint diese Auffassung zu bestätigen. Seit Dienstag wertete der Euro deutlich ab und erreichte am Donnerstagmorgen bei 1,1789 Dollar vorläufig seine Tiefstand, auch wenn er sich seitdem wieder etwas erholen konnte. Am Dienstag hatte er noch 1,2011 Dollar erreicht und damit den höchsten Stand seit Mai 2018. Der Dollar-Index, der den Wert der amerikanischen Währung gegenüber den wichtigsten anderen Weltwährungen angibt, der am Dienstag noch auf ein 29-Monats-Tief gefallen war, erholte sich seitdem deutlich.

          Vor allem habe es sich um Gewinnmitnahmen gehandelt, schreibt Pati Gani, Analystin der Insta-Forex Group. Auch wenn die Arbeitslosenzahlen am Vortag etwas enttäuscht hätten, so warteten die Investoren doch auf die offiziellen Zahlen am Freitag. Tatsächlich aber schwächten rückläufige Anleiherenditen die Attraktivität des Dollar dauerhafter. Die Analysten der Unicredit verweisen darauf, dass sich nach Darstellung der amerikanischen Notenbank Fed die wirtschaftliche Aktivität in den Vereinigten Staaten nur bescheiden zugenommen habe.

          Indes begännen sich die Zentralbanken anderer Länder hinsichtlich der Schwäche des Dollar zu sorgen. Zuletzt hatte der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Philip Lane, aufhorchen lassen, als er äußerte, die Aufwertung des Euro habe Einfluss auf das geldpolitische Umfeld, in dem die EZB agiere. Auch die britische „Financial Times“ berichtet unter Berufung auf namentlich nicht genannte EZB-Ratsmitglieder, in der Notenbank sehe man die jüngste Aufwertung mit Besorgnis, weil dies die wirtschaftliche Erholung des Euroraums dämpfen könne.

          EUR/USD

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          Letztlich aber habe sich das Gesamtbild nicht geändert, so die Unicredit. Lanes Äußerungen zielten wahrscheinlich darauf ab, das Risiko zu verringern, dass das Verhältnis von Euro und Dollar „zu einer Einwegwette nach oben“ werde. Die Devisenrhetorik der EZB könnte das Aufwärtspotential über den Rest des Jahres begrenzen - zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich auf nicht viel mehr als 1,20 Dollar. Dennoch bezweifele man, dass die EZB viel Spielraum habe, um gegen eine größere Stärke der Gemeinschaftswährung anzukämpfen und ihren Trend umzukehren. Das gelte vor allem, solange die Fundamentaldaten, einschließlich der geringfügigen realen Renditedifferenzen zwischen Euroraum und Vereinigten Staaten den Euro weiter unterstützen. Der gestrige Rückzug sei eine neue Gelegenheit, den Dollar zu verkaufen, nachdem der Dollar-Index noch nicht einmal die Marke von 93 Punkten habe überschreiten können.

          Die jüngste Stärke des Dollar zog auch den Ölpreis nach unten. Der Preis für das Barrel (159 Liter) des Nordseeöls Brent fiel von 46 Dollar am Mittwochmittag untrer 44 Dollar am Donnerstagmorgen. Der stärkere Dollar habe die Nachfrage aus Nicht-Dollar-Ländern gedämpft.

          Allerdings gibt es auch ein paar fundamentale Bedenken. Der Irak erstrebe derzeit eine zweimonatige Pause von den Förderkürzungen, die das Opec-Kartell und andere Förderländer im Frühjahr zur Stützung der Preise vereinbart hätten. Das Land hatte bisher schon zuviel gefördert und müsste nun eigentlich die Produktion stärker zurückfahren. Auch anderswo gebe es Begehrlichkeiten, die Förderung zu erhöhen, so etwa in Russland, derweil Chinas Rohölkäufe tendenziell zurückgingen.

          BRENT

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          Den Ölpreisen fehlt, seitdem sie sich von ihren Tiefständen im April bei rund 16 Dollar erholt haben, nun schon seit nunmehr drei Monaten der rechte Aufwärtsimpuls. Ende Juli kam die Bewegung komplett zum Erliegen, seitdem schwankt er zwischen 44 und 46 Dollar, so dass im Grunde nicht viel passiert ist. Dafür spricht auch, dass sich der Preis aktuell bei rund 44 Dollar zu stabilisieren scheint.

          Just die lange Seitwärtsbewegung sei es, die die Anleger nervös mach, sagte die Singapurer Öl-Analystin Vandana Hari der Nachrichtenagentur Bloomberg. Aber es gebe durchaus stützende Faktoren, wie etwa sinkende Lagerbestände in den Vereinigten Staaten.

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