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Devisenmarkt : Keine Rezession nach einem Kurssturz des Dollar

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Ein Kurssturz des Dollar müßte nicht zwangsläufig zu einem scharfen Anstieg der Kapitalmarktzinsen und zu Turbulenzen im amerikanischen Finanzsystem führen. Das meint zumindest die amerikanische Notenbank in einer Studie.

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          Ein Kurssturz des Dollar müßte nicht zwangsläufig zu einem scharfen Anstieg der Kapitalmarktzinsen und damit zu Turbulenzen im amerikanischen Finanzsystem führen. Auch eine Beschleunigung der Inflation als Folge eines geringeren Außenwertes des Dollar stünde nicht notwendigerweise zu befürchten. Zu diesen Ergebnissen gelangt Joseph Gagnon, Ökonom der amerikanischen Notenbank (Fed) in Washington, in einer Analyse von Währungskrisen der vergangenen 20 Jahre.

          Gagnons Schlußfolgerungen stehen im Gegensatz zu traditionellen Lehrbuchmeinungen. "In den vergangenen Monaten sind Befürchtungen geäußert worden, das hohe Defizit in der amerikanischen Leistungsbilanz könne zu einem Sturz des Dollar und einer harten Landung der Konjunktur führen.

          It ain't necessarily so...

          Dabei werde häufig darauf hingewiesen, daß eine scharfe Abwertung des Dollar zu einem Anstieg der langfristigen Zinsen führe und auf diese Weise den Konsum und die Investitionen abwürge", schreibt Gagnon in seiner Studie "Currency Crashes and Bond Yields in Industrial Countries".

          In der Tat sei in einer Reihe von Währungskrisen in Schwellenländern in den neunziger Jahren ein Zinsanstieg zu beobachten gewesen. Es gebe prinzipiell drei ökonomische Mechanismen, die einen Währungsrutsch mit den Anleiherenditen verbänden: Zum einen könne eine Abwertung der Währung über höhere Importpreise für Waren und Dienstleistungen die Erwartung eines Inflationsschubes schüren. Investoren verlangten in diesem Fall einen Ausgleich für die befürchtete schnellere Geldentwertung in Form höherer Renditen.

          Zum anderen könnten Investoren erwarten, daß die Zentralbank die kurzfristigen Zinsen noch schneller anhebt, als die Inflation steigt, um zu verhindern, daß sich die höheren Teuerungsraten festsetzen. Schließlich sei es auch möglich, daß Anleger eine höhere Verzinsung ihrer Anleihen als eine Entschädigung für ein größer empfundenes Risiko verlangten.

          "Die empirischen Befunde zeigen allerdings, daß Währungsstürze in Industrienationen nicht zu höheren Anleiherenditen führen müssen. Es ist vielmehr so, daß in den vergangenen 20 Jahren solche Ereignisse niedrigere Anleiherenditen nach sich gezogen haben", schreibt der Ökonom.

          Die Notenbanken als Pfeiler der Ökonomie

          Als "Kurssturz" einer Währung definiert Gagnon dabei eine Abwertung um mindestens acht Prozent innerhalb eines Jahres, wenn der Wertverlust in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zusammen mehr als 20 Prozent beträgt. Diese Abwertung um mehr als 20 Prozent muß darüber hinaus um zehn Prozentpunkte höher sein als in den beiden vorangegangenen Jahren. Nach dieser Definition hat es in dem von Gagnon beobachteten Zeitraum 26 Kursstürze von Währungen in Industrienationen gegeben. Einige davon - unter anderem in Spanien und Portugal - eigneten sich aber aufgrund fehlender Daten zu den Anleiherenditen nicht für die Analyse.

          Von den verbleibenden 22 Kursstürzen betraf einer den Dollar, und zwar in den Jahren 1985 und 1986, als die amerikanische Währung gegenüber dem Sonderziehungsrecht (SDR) des Internationalen Währungsfonds 22 Prozent abgewertet habe. 1987 habe der Dollar weitere 15 Prozent seines Wertes verloren.

          In den siebziger und frühen achtziger Jahren seien die Anleiherenditen in der Tendenz während Währungsstürzen gestiegen, in einigen Fällen sogar in erheblichem Umfang. "Seit 1985 aber sind die Anleiherenditen aber in solchen Zeiten immer gefallen. Die amerikanische Rendite sank zwischen 1984 und 1986 sogar um mehr als vier Prozentpunkte", stellt der Ökonom fest.

          Die Begründung für dieses ungewöhnliche Verhalten liege in der Geldpolitik. Die Zentralbanken in den betreffenden Ländern hätten sich zu diesem Zeitpunkt bereits einen recht glaubwürdigen Ruf als Hüter der Preisstabilität erworben. In den vergangenen 20 Jahren sei es nach Kursrutschen von Industrieländer-Währungen nicht mehr zu einer höheren Inflation gekommen. Anleger hätten darum keinen Anlaß, eine höhere Risikoprämie zu verlangen.

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