https://www.faz.net/-gv6-2ury

Devisenmarkt : Devisenterminhandel mit Blick in die Zukunft

  • Aktualisiert am

Devisentermingeschäfte - Handel mit der Zukunft Bild:

Werden Termingeschäfte gelegentlich sogar als unmoralisch bezeichnet, so sind sie für das reale Wirtschaftsleben ziemlich unverzichtbar.

          2 Min.

          Unternehmen, aber auch Anleger beschäftigen sich nicht nur mit der Gegenwart, sondern auch mit der Zukunft. So weiß zum Beispiel die Lufthansa, dass sie jedes Jahr eine bestimmte Mindestmenge an Kerosin benötigt, um ihren Flugbetrieb aufrecht zu erhalten. Wird es in Dollar gehandelt, so benötigt sie eine entsprechende Menge Dollar - und zwar zu dem Zeitpunkt, an dem sie das Kerosin abruft.

          Mit dieser Konstellation ist sie einem doppelten Preisrisiko ausgesetzt. So kann sowohl der Kerosin- als auch der Dollarkurs beträchtlich schwanken. Würde sie mit dem Kauf immer solange warten, bis sie akut Bedarf hat, und würde dann erst das Kerosin und die dafür notwendigen Dollars kaufen, wären die Kosten kaum vernünftig zu planen. Das Betriebsergebnis wäre logischerweise ziemlich schwankungsanfällig.

          Termingeschäfte beseitigen Unsicherheit

          Aus diesem Grund ist sei bestrebt, sowohl für Kerosin als auch den Dollar Planbarkeit zu erreichen. Die Luftfahrtgesellschaft kann beispielsweise versuchen, Einnahmen in Dollar zu erzielen oder diese zu steigern. Die zweite Möglichkeit besteht darin, Dollar per Termin zu kaufen. So fragt sie etwa bei Banken an: Wie seid ihr für zehn Millionen Dollar in sechs Monaten? Dann erhält sie beispielsweise als Antwort: „minus 29 zu minus 25“. Will die Lufthansa zu diesem Preis kaufen, sagt sie einfach: „bei minus 29“.

          Liegt der aktuelle Eurokurs bei 0,6998 Cents, so kauft die Lufthansa ihre Dollars in genau sechs Monaten zu einem jetzt schon fixierten Preis von 69,69 Cents. Moment, lässt sich fragen - ist der Dollar in einem halben Jahr billiger, als jetzt? Aber das ist ein Trugschluss.

          Die Differenz zwischen dem Kassakurs und dem Terminkurs ist der so genannte Swap-Satz. Um sich klar zu machen, wie dieser sich errechnet, lohnt es sich, anzuschauen, wie die Bank jetzt vorgeht. Sie weiß, dass sie in sechs Monaten Dollar zu einem festen Preis an die Lufthansa liefern muss. Um alle Risiken auszuschalten, muss sie sich jetzt absichern und Dollar bei 69,98 kaufen. Dafür benötigt sie jedoch Euro. Folglich geht sie in den Kapitalmarkt, nimmt einen Euro-Kredit mit einer Laufzeit von sechs Monaten auf, wechselt ihn in Dollar um und legt ihn für sechs Monate an.

          Da aber aktuell am Zinsmarkt die Eurozinsen, die die Bank für das Halbjahr zu zahlen hat, höher sind als die Dollarerträge, die sie in dieser Zeit erhält, muss sie den Devisen-Terminkurs nach unten anpassen. Sie kann also der Lufthansa in einem halben Jahr nicht ganz so viele Dollar für einen Euro zahlen, wie sie das jetzt könnte.

          „Großhandel“ mit engen Margen

          Nach diesem Mechanismus des so genannten „Devisenswaps“ funktioniert der gesamte Devisenterminmarkt. Dabei werden sehr große Beträge mit kleinen Margen gehandelt. Das ist, wie der Kassamarkt also, ein gigantischer „Großhandel“ mit Währungen. Dabei zählt jeder Tag. Wird bei der Berechnung auch nur ein Tag nicht berücksichtigt, so kann das für die betreffende Bank oder das Unternehmen ganz schön teuer werden.

          Oft wird der Terminhandel als reine Spekulation bezeichnet. Eine richtig unmoralische Angelegenheit also. Berücksichtigt man jedoch den wirtschaftlichen Hintergrund, so stellt er sich ziemlich schnell als unverzichtbar heraus. Selbst Optionsgeschäfte sind äußerst sinnvoll. Bietet beispielsweise Siemens für den Bau eines Kraftwerkes in den Vereinigten Staaten, so geht es dabei um riesige Währungsbeträge, die bewegt werden müssen. Um vernünftig kalkulieren zu können, ohne vorab auch sicher zu sein, den Auftrag tatsächlich an Land zu ziehen, sind solche Instrumente unverzichtbar. Selbst die oft beschimpften spekulativen Positionen haben ihren Sinn. Denn sie Sorgen für Liquidität im Markt. Und genau die ist das Wichtigste, für einen gesunden Wettbewerb mit effizienten Preisen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wie teuer wird die Reise für diese Autos? Das hängt von der Zollentscheidung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump ab.

          Handelskonflikt mit der EU : Verschiebt Trump die Autozölle?

          Die Zeichen mehren sich, dass Amerika vorerst keine neuen Zölle auf europäische Autos erhebt. Offenbar will der amerikanische Präsident damit auch auf Ursula von der Leyen zugehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.