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Devisenmarkt : Capital Economics rechnet 2012 mit Euro-Ausstieg Griechenlands

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Schuldenkrise unterzieht den Euro einer schweren Prüfung. Beim Research-Institut Capital Economics befürchtet man als Resultat dieser Prüfung eine Aufspaltung der Euro-Zone.

          Die Mehrheit der deutschen Privatanleger glaubt Umfragen zufolge trotz EU-Schuldenkrise weiter an den Euro. Zumeist geht man davon aus, dass es den Euro auch noch in zehn Jahren in Deutschland geben wird.

          Ob das zutreffend ist, kann nur die Zukunft zeigen. Klar ist aber, dass die Schuldenberge in Europa eine schwere Bürde für die Einheitswährung darstellen. An den Finanzmärkten wird jedenfalls deswegen heftig darüber spekuliert, wie es mit dem Euro weitergehen wird.

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          Zumeist machen sich die Akteure Gedanken darüber, wie lange das System den Druck noch aushalten kann, bis es zwangsläufig zu Veränderungen im Euro-Verbund kommen wird. Zu den Skeptikern zählen dabei die Analysten vom bankenunabhängigen Research-Institut Capital Economics. Denn sie sind davon überzeugt, dass es eher früher statt später zu einer Spaltung der Euro-Zone kommen wird.

          Jüngste Entwicklungen haben Aufspaltung noch wahrscheinlicher gemacht

          Konkret sagt der zuständige Analyst Jonathan Loynes für 2012 den Ausstieg von Griechenland voraus und 2013 wird dann nach seiner Ansicht noch mindestens ein weiteres Land diesem Vorbild folgen. Außerdem bestehe eindeutige die Gefahr einer noch größeren Aufspaltung.

          Mit der These, dass die Euro-Zone in ihrer bisherigen Fassung nicht überleben werde, wartete Capital Econimics erstmals vor 18 Monaten auf. „Und die seitdem zu beobachtenden Entwicklungen stützen diese Prognose“, so Loynes. Die Konjunktur laufe schlecht und die fiskalischen Sparmaßnahmen hätten sich bisher größtenteils als nicht erfolgreich erwiesen.

          Gerade zuletzt hätte drei Ereignisse die Wahrscheinlichkeit für eine Aufspaltung sogar noch einmal zusätzlich erhöht. Erstens sei es den Verantwortlichen nicht gelungen, die Lage in Griechenland zu entspannen und das nähre die Zweifel, ob man in der Lage ist, die Zukunft der Euro-Zone zu sichern. Zweitens habe die Krise auch auf andere südeuropäische Staaten übergegriffen und selbst in einigen Ländern der Euro-Kernzone seien jüngst Anzeichen für eine Ansteckung zu beobachten gewesen. Unter anderem sei Italien wegen seiner Schulden und langfristigen Wachstumsperspektiven in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Drittens hätten auch Politiker bereits eingestanden, dass es zu Austritten aus dem Euro kommen könnte. Und das habe der Illusion ein Ende bereitet, wonach eine Aufspaltung technisch nicht möglich sei.

          Die Verantwortlichen kämpften zwar hart dafür die Euro-Zone zusammenzuhalten und dürften alle Mittel einsetzen, um dieses Ziel zu erreichen. Das könnte größere Schritte hin zu einer Fiskalunion, wie etwa den Einsatz von Euro-Bonds oder ein noch beherzteres Eingreifen der Europäischen Notenbank beinhalten. Oder andere Staaten außerhalb der Euro-Zone könnten Stützungsmaßnahmen ergreifen, um das Entstehen einer globalen Katastrophe zu verhindern.

          2012 und 2013 drohen der Euro-Zone eine schrumpfende Wirtschaft

          Aber Loynes hält es für unwahrscheinlich, dass Deutschland und andere Kernländer der Euro-Zone jemals dazu bereit sein werden für die riesigen Fiskal-Transfers, welche der zentrale Lösungsvorschlag letztlich nach sich ziehen würde. Und selbst wenn sie dazu bereit wären, sei es fraglich, ob die dafür nötigen Schritte schnell und überzeugend genug umgesetzt würden, um ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone zu verhindern.

          Wie sich die Sache letztlich entwickeln werde, sei zwar höchst unsicher. Hausintern gehe man im zentralen Szenario aber von irgendeiner Form der Aufspaltung aus. Konkret rechne man im kommenden Jahr mit einem Austritt Griechenlands und damit, dass diesem Land mindestens ein weiteres Land folgen wird.

          Langfristig könnte sich so eine Entwicklung sogar als wirtschaftlich positiv erweisen. Kurzfristig dürften sich daraus aber ernste negative wirtschaftliche und finanzielle Konsequenzen ergeben. Bei Capital Economis hat man deshalb die ohnehin bereits pessimistische Schätzung für die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes in der Euro-Zone für 2012 und 2013 auf minus 1 Prozent und minus 2,5 Prozent nach unten angepasst. Und wenn die Aufspaltung noch größer als derzeit angenommen ausfallen sollte – etwa im Falle eines Ausstiegs von Italien – dann könnte ein noch größerer wirtschaftlicher Schaden angerichtet werden.

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