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Zinsen : Norwegen hat jetzt einen kleinen Zinsvorsprung zur Eurozone

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Öl und Gas sind das Gold Norwegens: Diese Gasverflüssigungsanlage soll Mitte des Jahres den Betrieb aufnehmen Bild: BUNDESREGIERUNG, GUIDO BERGMANN

Die norwegische Zentralbank hat für die meisten Marktteilnehmer überraschend den Leitzins erhöht. Mit 3,75 Prozent liegt er jetzt über dem Niveau in der Euro-Zone. Und im Laufe des Jahres werden weitere Zinserhöhungen erwartet.

          Die norwegische Notenbank hat die Finanzmärkte am Mittwoch mit einer für die Mehrheit der Beobachter unerwarteten Zinserhöhung überrascht. Sie hob den Schlüsselsatz um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent an, um die vom hohen Ölpreis angefeuerte Wirtschaft abzubremsen und so der Inflationsgefahr entgegen zu steuern. Das Zinsniveau müsse voraussichtlich auch in Zukunft in kleinen Schritten langsam auf ein normaleres Niveau steigen, erklärten die Währungshüter.

          Die Nationalbank des nicht zur EU gehörenden skandinavischen Landes hatte bereits im November und Dezember die Zinsen angehoben. Insgesamt sind die Leitzinsen damit seit März 2004 um zwei Prozentpunkte gestiegen. Bankchef Svein Gjedrem sagte, auch die jüngste Zinserhöhung werde nicht die letzte sein. Allerdings werde man das nicht weiter jeden Monat machen.

          Weitere Zinserhöhungen im Laufe des Jahres erwartet

          Hintergrund der Maßnahme ist, dass die Konjunktur des weltweit drittgrößten Ölexporteurs gut läuft. Zu beachten ist auch die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt, wo die Hauspreise und die Verschuldung der privaten Haushalte steigen. Einige Experten befürchten auch, dass angesichts des Wirtschaftswachstums die Arbeitskräfte (die Arbeitslosenrate ist mit 2,1 Prozent so niedrig wie seit 18 Jahren nicht mehr) knapp werden und deshalb die Löhne kräftig steigen. Um dies zu verhindern, versucht die Notenbank jetzt gegenzusteuern, ein Überschießen der Wirtschaft zu verhindern und die Inflation von vornherein zu begrenzen.

          Die norwegische Wirtschaft expandiert seit nunmehr elf Quartalen und damit so lange wie seit mindestens 1978 nicht. Die Kerninflation ist im Dezember mit plus ein Prozent so stark gestiegen wie seit vier Monaten nicht mehr und lag 0,3 Prozentpunkte über der Erwartung der Notenbank.

          Volkswirte erwarten, dass die Zinsen in Norwegen bis Dezember auf fünf Prozent steigen. Die Notenbank selbst hat den Leitzins bis Ende 2007 auf 4,75 Prozent prognostiziert. Nach dem eben beschlossenen Schritt sind die Zinsen in Norwegen nun 25 Basispunkte höher als in der Eurozone. Das dürfte zu einer zunehmenden Nachfrage nach den norwegischen Staatsanleihen führen. Allerdings ist die Rendite der bis 2009 laufenden Anleihe zunächst um neun Basispunkte auf 4,46 Prozent gestiegen.

          Auch die norwegische Krone sollte von der Zinserhöhung profitieren. In einer ersten Reaktion auf den Zinsschritt hat der Kurs jedenfalls um 1,1 Prozent auf 8,2479 Kronen gegenüber dem Euro zugelegt. Zuvor hatte der fallende Ölpreis aber seit Anfang Dezember den Wert der Krone um rund drei Prozent gedrückt.

          Zinserwartungen sollten die Krone stützen

          Die Anleihenkurse könnten in der Erwartung weiterer Zinsschritte zwar etwas unter Druck geraten. Aber das offenbar beherzte Vorgehen sollte die Inflationsängste gleich im Keim ersticken, und davon wiederum sollten die Anleihen profitieren. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang auch, dass trotz der zuletzt gestiegenen Preise die Inflation nun schon seit mehr als vier Jahre deutlich unter dem von der Notenbank vorgegebenen Zielwert von 2,5 Prozent verharren.

          Klaus Papenbrock, Volkswirt bei DB Research, ging in einem Basisszenario bisher davon aus, dass der Leitzins zum Jahresende 2007 bei 4,50 Prozent liegen und sich im ersten Halbjahr 2008 auf fünf Prozent zubewegen werde. Trifft diese Annahme zu, dürfte sich der Leitzinsspread gegenüber Euroland von bisher null in den kommenden zwölf bis achtzehn Monaten deutlich ausweiten und laut Papenbrock auf über 100 Basispunkte steigen.

          Eine derartige Spreadausweitung am kurzen Ende der Kurve sollte auch Folgen für das lange Ende haben, wo der Spread gegenüber Bundesanleihen von derzeit 35 Basispunkte auf circa 100 Basispunkte steigen dürfte, so Papenbrock. Diese Spreadausweitung dürfte nach Ansicht von DB Research zu beträchtlichem Aufwertungsdruck auf die Krone gegenüber dem Euro führen, wodurch sich die monetären Bedingungen zusätzlich verschärfen sollten.

          Der sich vermutlich im Jahresverlauf noch zugunsten Norwegens vergrößernde Renditevorsprung sollte ansonsten als Stütze für die Krone fungieren. Eine Wiederannäherung an die bei rund 8,10 Kronen verlaufende 200-Tage-Durchschnittslinie ist dann denkbar. Wirklich markante Ausschläge sind bei der Parität Euro-Krone mittelfristig aber nicht zu erwarten.

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