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Zertifikate : Goldman Sachs' Rohstoff-Zertifikate wetten auf den Ölpreis

  • Aktualisiert am

Auf den Ölpreis setzen auch Zertifikate. Bild: dpa

Wie kann man von der Rohstoffhausse profitieren, ohne zuviel Risiko einzugehen? Unter anderem bieten sich drei neue Zertifikate von Goldman Sachs an. Vor allem wenn man an den Ölpreis glaubt.

          3 Min.

          An der Rohstoffhausse verdienen möchte sicherlich jeder gern. Die Frage ist nur nach dem geeigneten Instrument. Ein physisches Investment ist ausgesprochen unpraktisch, Rohstoff-Fonds sind wieder zuweit vom eigentlichen Metier. Und vor allem: Wie schützt man sich einigermaßen vor Verlusten?

          Drei neue Express-Zertifikate auf Rohstoffe bietet die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs jetzt den Anlegern bis zum 16. September zur Zeichnung an. Dabei handelt es sich um Index-Zertifikate, die auf drei verschiedene Indizes laufen: den GSCI Excess Return Index (ISIN: DE000GS8SKY5), auf den GSCI Energy Excess Return Index (ISIN: DE000GS8SKX7) sowie auf den GSCI Industrial Metals Excess Return Index (ISIN: DE000GS8SME) an.

          Öl, Alu, Kupfer

          Alle drei Indizes sind Subindizes der Goldman Sachs Commodity Index-Familie, die von der Investmentbank 1991 konstruiert wurde. Sie basieren auf den an den Rohstoffbörsen gehandelten Futures, also Terminkontrakte mit begrenzter Laufzeit.

          Der GSCI Excess Return (GSCI ER) ist laut Flyer der breiteste der drei Indizes und bildet die Wertentwicklung von Futures auf 24 liquide handelbare Rohstoffe aus den fünf Bereichen Energie, Landwirtschaft, Industriemetalle, Viehwirtschaft und Edelmetalle ab. Tatsächlich aber basiert der Index zu mehr als drei Vierteln auf Öl- und verwandten Rohstoffen. Allein rund 30 Prozent macht WTI Rohöl aus, fast 15 Prozent Brent Crude. Metalle sind dagegen nur mit 6,63 Prozent vertreten.

          Noch öllastiger ist der GSCI Energy ER, der ausschließlich Rohöl, bleifreies Benzin, Heizöl, Gasöl und Erdgas enthält. Brent und WTI kommen auf ein Gewicht von fast 60 Prozent. Der GSCI Industrial Metals Excess Return Index (GSCI IMER) ist, wie der Name sagt ein Basismetalle-Index. Konkret sind derzeit darin fünf Metalle enthalten - Aluminium, Kupfer, Nickel, Zink und Blei. Indes läßt sich der Index getrost auf zwei Werte reduzieren. Denn Aluminium hat ein Gewicht von 42,8 Prozent und Kupfer von einem Drittel.

          Zinschancen...

          Die Meinungen darüber, inwieweit die Auswahl der Metalle die zukünftig aussichtsreichste darstellt, gehen auseinander. Während Kupfer charttechnisch weiter nach oben zeigt, geht gerade Aluminium in diesem Jahr bislang seitwärts. Auch Nickel, Blei und Zink haben in letzter Zeit eher nachgegeben. Für die Zukunft wird gerade bei Aluminium ab Mitte des kommenden Jahres mit einem Abbau des Nachfrageüberhangs gerechnet. Zink werden dagegen für 2006 gute Chancen gegeben.

          Das Pikanteste an den neuen Goldman Sachs-Zertifikaten ist indes, daß es sich nicht um reine Index-, sondern um strukturierte Zertifikate handelt. Das bedeutet, daß die betreffenden Indizes zum Stichtag (Ende November) auf oder über dem Ausgangsniveau, das nach Beginn der Laufzeit festgelegt wird, notieren müssen, damit der Anleger davon profitiert. Beim Zertifikat auf den GSCI Energy ER genügen 85 Prozent.

          In diesem Fall wird die Laufzeit beendet und der Anleger erhält eine Rückzahlung von 108 Prozent beim GSCI IM ER) bzw. 110 Prozent bei den Energie-Zertifikaten. Falls das nicht der Fall ist, läuft das Zertifikat weiter und der Anleger hat in den drei folgenden Jahren noch einmal die Chance. Dabei gibt es immer zusätzlich weiter acht oder zehn Prozentpunkte beim Zins, so daß 2009 am Laufzeitende die Chance auf einen Kupon von 32 bzw. 40 Prozent des eingesetzten Kapitals.

          ...und Verlustrisiko

          Landet der Anleger auch dann keine Treffer, gibt es immerhin noch 75 Prozent des eingesetzten Kapitals zurück. Die Rendite der Papiere beträgt am ersten Stichtag aufgrund der Laufzeit von mehr als einem Jahr maximal 6,35 bzw. 7,92 Prozent, in den beiden darauffolgenden Jahren maximal 6,85 bzw. 8,4 Prozent und am Laufzeitende maximal 6,75 bzw. 8,24 Prozent.

          Leider macht Goldman Sachs im Emissionsflyer zwar detaillierte Angaben über die Verteilung der Renditen bei erfolgreicher Anlage in der Vergangenheit, aber nicht zu den Ausfallwahrscheinlichkeiten. Sollten die Zertifikate bei Vergangenheitsrechnung niemals ausgefallen sein, so hieße es zugreifen. Denn die Energiezertifikate kämen dann auf lukrative Erwartungswerte von 8,1 bzw. 7,98 Prozent. Aber das ist schwer zu glauben.

          Insofern bliebt das Zertifikat eine Rohstoffwette, die sich nur dann lohnt, wenn sich die zugrundeliegenden Rohstoffpreise, das heißt letztlich der Ölpreis bzw. die Preise für Kupfer und Aluminium nicht übermäßig stark nach oben oder unten entwickeln. Steigen sie stärker, verschenkt man Renditechancen. Fallen sie, steht am Ende eine Negativ-Rendite von 6,5 Prozent pro Jahr. Daher lohnen sich auch die Express-Zertifikate nur für Anleger, die bereit sind zugunsten einer unvollkommenen Absicherung auf Rendite zu verzichten.

          Was negativ an den drei Zertifikaten auffällt, ist, daß sie eine Diversifizierung signalisieren, die sie nicht haben. Denn im Klartext laufen sie vor allem auf den Ölpreis bzw. Aluminium und Kupfer. Das könnte man auch deutlicher zum Ausdruck bringen.

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