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Yuan : Der unaufhaltsame Aufstieg

Yuan Banknoten Bild: REUTERS

China und Japan schließen einen Währungspakt. Langsam öffnet China seine Währung dem freien Markt und so kommen Anleger am Yuan bald nicht mehr vorbei.

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          Mit einem Paukenschlag hat China die westliche Welt aus ihrer Weihnachtsruhe gerissen: Über einen Währungspakt mit Japan soll Chinas Geld zu einer der wichtigsten Handelswährungen der Welt aufsteigen. China und Japan planen ein Abkommen, durch das der Handel zwischen den beiden Wirtschaftsriesen in Zukunft nicht mehr über den Umweg des Dollar, sondern direkt in Yuan oder Yen abgewickelt werden kann.

          Inge Kloepfer

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          China ist längst Japans wichtigster Handelspartner. Bisher hatte Peking den Yuan an den Dollar gekoppelt und ein Großteil des chinesischen Außenhandels über Dollar abgewickelt. Doch mit dem neuen Pakt ist ein Ende dieser Politik absehbar. Eine Sensation, hatte China doch seinen Währungsraum bisher gegenüber dem Ausland weitgehend abgeschottet und nur zaghaft dessen Öffnung betrieben.

          Noch ist Anlegen in Yuan schwierig

          Mit diesem Pakt wird klar: Der Aufstieg des Yuan ist nicht aufzuhalten. China weist eine atemberaubende Wachstumsstory auf und hat deutlich besser gewirtschaftet als die hochverschuldeten Länder Europas, die Vereinigten Staaten oder Japan. Die Staatsverschuldung lag 2010 bei 33 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und wird dieses Jahr unter die 30-Prozent-Marke fallen. Die Währungsreserven belaufen sich auf rund 3 Billionen Dollar, von denen zwei Drittel in Schuldscheinen der amerikanischen Regierung angelegt sind. Das Wirtschaftswachstum ist trotz einer leichten Schwächung auf 8 Prozent immer noch hoch. Auch für Anleger wird der Yuan immer interessanter. Über kurz oder lang werden sie nicht umhinkönnen, einen Teil ihres Geldes in Yuan zu investieren.

          Noch aber ist so ein Vorhaben kompliziert. Man kann Yuan nicht einfach kaufen und verkaufen oder unbegrenzt nach China ein- und ausführen. Ausländische Investoren dürfen Yuan im Inland nicht anlegen, nicht mit ihm spekulieren, ihn nicht verleihen. Chinas Währung ist unter staatlicher Kontrolle und nicht konvertibel. Ausländische Banken dürfen keine auf Yuan lautenden Kredite vergeben. Der Inlandsmarkt ist weitgehend ein "Closed Shop", aus dem China Ausländer heraushält, von wenigen lizenzierten Banken abgesehen.

          Versuchsfelder

          Als Exportweltmeister kann sich China aber auf Dauer keine Weichwährung leisten. "Die Kosten für eine fortgeführte massive Anhäufung von Währungsreserven gepaart mit einem Kaufkraftentzug bei der eigenen Bevölkerung sind zu hoch", sagt Steffen Dyck von der Deutschen Bank Research.

          Das weiß auch Peking. China hat daher schon 2009 begonnen, die Mauern um den Inlandsmarkt kontrolliert zu öffnen und den Yuan als Tauschmittel oder Abrechnungswährung in begrenztem Umfang zuzulassen. Nicht zuletzt, um den Anstieg der Devisenreserven und die Abhängigkeit vom Dollar zu bremsen.

          Auch der angekündigte Währungspakt mit Japan zielt in diese Richtung. Zudem hat die Regierung Versuchsfelder für ausländische Investoren in Yuan eingerichtet und in Hongkong einen zweiten, sogenannten "Offshore"-Markt geschaffen. Dort kann der Offshore-Yuan gehandelt und angelegt werden. "Allerdings handelt es sich dabei um weitgehend getrennte Währungskreise", erklärt Dyck.

          Künstlich niedrig bewertet

          Der Yuan-Kurs in Hongkong bildet sich anders als im Inland am Markt, orientiert sich aber auch an dem Kurs, den die Regierung für den heimischen Yuan ausgibt. Am freien Markt sind die Schwankungen größer, während die Inlandswährung in einem Band um den täglich von der Zentralbank festgesetzten Kurs gehalten wird. Auch das Zinsniveau ist im Inland mit 3,3 Prozent viel höher als offshore (0,6 Prozent). Dabei ist der Yuan (noch) an den Dollar gebunden und wird - zum Ärger der Amerikaner - von Peking bei kontrollierter Aufwertung künstlich niedrig gehalten.

          Gerade einmal um 5 Prozent lässt Chinas Zentralbank den Yuan-Kurs im Jahr steigen. Seit 2005 hat der Yuan in Dollar so um 30 Prozent zugelegt. Mit weiter steigender Tendenz, was eine Wette auf den Yuan auf längere Sicht aus Dollar-Perspektive zu einer sicheren Sache macht.

          Öffnung des Anleihenmarktes zeichnet sich ab

          Aber Vorsicht: Noch ist der Yuan keine Hartwährung. Und sein Aufstieg zur Weltreservewährung dürfte dauern. Dafür brauchte China liquide und offene staatliche Anleihemärkte. Eine Reservewährung muss tauschbar sein und zur Wertaufbewahrung taugen, denn irgendwo wollen die rund 10 Billionen Dollar internationaler Devisenreserven angelegt sein. Der abgeschottete Markt chinesischer Staatsanleihen wäre mit einem Volumen von 1,6 Billionen Dollar selbst bei voller Konvertibilität viel zu klein.

          Doch auch hier stehen die Zeichen auf Öffnung. Immerhin will Peking nun Japan Zugang zum Yuan-Anleihemarkt verschaffen. Bernhard Esser, Emerging-Market-Experte von HSBC Trinkaus & Burkhardt, ist überzeugt, dass der Aufstieg des Yuan nicht zu bremsen und von der Regierung gewollt ist. "Es ist nur eine Frage der Zeit." Die Zeitspanne schätzt er aber auf mehr als zwei oder drei Jahre.

          Der Grund: Vor dem Ausbruch der Finanzkrise habe sich China in großen Schritten auf eine Öffnung seines Kapitalmarktes hinbewegt. "Doch nachdem man gesehen hat, wie schnell deregulierte Finanzmärkte außer Kontrolle geraten können und wie schnell der Staat notfalls in das Spiel der freien Märkte eingreifen muss, ist man zurückhaltender."

          Der Export der Normen freier Finanzmärkte und ungehinderter Kapitalströme stockt. "China sieht die Schuldenkrise im Euro- und Dollar-Raum als das Scheitern einer zu freien Finanzwelt", sagt Esser. Für den Wachstumsmarkt China sei die Vorsicht verständlich: "Wenn es sich öffnet, kommt es zu einem unkontrollierbaren Run ausländischer Investoren auf das Land." Nichts aber scheut Peking mehr als Kontrollverlust.

          Yuan oder Renminbi?

          Renminbi ist der offizielle Name der chinesischen Währung. Es ist das chinesische Wort für "Volksgeld" und betrifft die Währung als ganze. Das Wort "Yuan" ist offiziell nur der Begriff für die Maßeinheit des Geldes - wie Euro oder Cent. In Yuan werden Preise gemessen, das Wort Yuan steht auch auf Geldscheinen. Der Einfachheit halber hat es sich aber in anderen Ländern eingebürgert, immer von "Yuan" zu sprechen. Seit 2005 hat der Yuan im Verhältnis zum Dollar um 30 Prozent zugelegt - Tendenz steigend.

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