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Benzinpreise : Das Wunder des billigen Öls

2014 war das günstigste Tankjahr seit langem. Bild: Kesberger, Max

Der Ölpreis sinkt und sinkt und sinkt – und die Autofahrer freut’s. Denn die Mineralölgesellschaften geben die Preise derzeit auch weiter. Woran liegt das? Und wie lange wird das noch so weitergehen?

          3 Min.

          Jede Prognose, wie tief der Ölpreis noch sinken kann, wird im Augenblick gleich wieder einkassiert. 70, 60, 50, 40 Euro? Es scheint immer weiter nach unten zu gehen. Die Nordsee-Sorte Brent rutschte am vergangenen Mittwoch erstmals seit fast sechs Jahren unter die Grenze von 50 Dollar, die amerikanische Sorte WTI nähert sich schon längst 40 Dollar. Irgendwann müsste der Preis doch mal so niedrig sein, dass es sich nicht mehr lohnt, das Zeug dafür aus der Erde zu holen, sollte man meinen. Doch an dem Punkt ist man anscheinend noch lange nicht. Der fortwährende Preisverfall jedenfalls überrascht selbst die Fachleute immer aufs Neue.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Glücklicherweise kommen die niedrigen Preise diesmal auch bei den Autofahrern an. Nach Erhebungen des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) war das Jahr 2014 das günstigste Tankjahr seit langem. Und auch im neuen Jahr sind die Preise für Benzin und Diesel an den Tankstellen durchgehend rückläufig. Super E10 kostete vergangene Woche im Bundesdurchschnitt 1,275 Euro, rund 0,6 Cent weniger als eine Woche zuvor. Der Preis für Diesel sank sogar binnen Wochenfrist um 1,6 Cent auf 1,161 Euro.

          Wie kommt das? Warum sinkt der Ölpreis immer weiter? Und warum sind die Mineralölgesellschaften (anders als früher) so freundlich, die Tiefpreise gleich an die Autofahrer weiterzugeben?

          Aus der Vielzahl der Gründe für das billige Öl den entscheidenden herauszukristallisieren ist nicht einfach. Es kommen wohl verschiedene Ursachen zusammen. Zum einen haben die technischen Neuerungen des „Fracking“ (eine unkonventionelle Bergbaumethode zur Förderung von Gas und Öl aus Gesteinsschichten) vor allem in Amerika das Angebot an Öl weltweit erheblich erhöht. Zum anderen ist die Nachfrage nach Öl nicht besonders groß, weil in vielen Teil der Welt die Wirtschaft nicht sehr stark wächst.

          Als entscheidende Ursache für den bemerkenswerten Abwärtsstrudel des Ölpreises aber macht Michael Lewis, Analyst der Deutschen Bank, das Verhalten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) aus. Die Opec nehme ihre traditionelle Rolle nicht wahr, die Förderung von Öl im Falle einer Verschlechterung von Marktdaten zu verringern.

          Hier scheint vor allem ein Strategiewechsel des wichtigen Erdöl-Exportlandes Saudi-Arabien eine große Rolle zu spielen. In der Vergangenheit reagierte das Land zusammen mit den anderen Mitgliedern des Ölkartells auf einen sinkenden Ölpreis (mehr oder minder schnell und zuverlässig) mit einer Rücknahme der Förderung. Ein logisches Verhalten in einem sogenannten Oligopol mit einigen wenigen Anbietern, die sich zudem auch noch absprechen können.

          „Nun aber hat sich die Lage durch Fracking erheblich geändert“, sagt der Düsseldorfer Wettbewerbsexperte Justus Haucap. Vor allem die Vereinigten Staaten produzierten rekordverdächtig viel Erdöl. Es stelle sich die Frage, ob auch andere Länder verstärkt Fracking betreiben werden. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) rechnet insbesondere für Russland, Kanada und Argentinien mit einer erheblichen Ausweitung der Förderung auf diesem Wege.

          Bild: F.A.Z.

          Ob sich Fracking auszahlt, hängt natürlich sehr vom Ölpreis ab. Je günstiger das Öl auf dem Weltmarkt ist, desto weniger lohnt sich Fracking. „Ich verstehe die Strategie Saudi-Arabiens daher als eine Maßnahme, um den Markteintritt weiterer Staaten durch Fracking zu verhindern“, sagt Haucap. Man könne das als „Limit Pricing“-Strategie bezeichnen: So nennen Ökonomen das strategische Verhalten eines Anbieters auf einem Oligopolmarkt, wenn dieser Produkte zu einem Preis anbietet, der vor allem dem Ziel dient, andere Anbieter abzuschrecken. Gemeint ist in diesem Fall: Die Opec versucht den Ölpreis niedrig zu halten, damit sich der Markteintritt anderer Anbieter möglichst nicht lohnt.

          Das alles würde dafür sprechen, dass die Preise nicht dauerhaft so niedrig bleiben. Eugen Weinberg, Ölexperte der Commerzbank, rechnet noch mit drei bis sechs Monaten Niedrigpreisphase. Und die Deutsche Bank prognostiziert, dass der Ölpreis zum Jahresende 2015 wieder bei 63 Dollar je Fass für die Sorte Brent liegen wird.

          Niedrige Benzinpreise dank Kartellamt?

          Warum aber geben die Mineralölgesellschaften im Augenblick die niedrigen Preise an die Autofahrer weiter? In der Vergangenheit hatte man oft den Eindruck, dass die Konzerne Preiserhöhungen weitergeben, Preissenkungen eher nicht. Auffällig war jetzt, dass selbst an den Reisetagen um Weihnachten das Benzin nicht viel teurer wurde.

          Haben womöglich die Schritte des Bundeskartellamts schon etwas genützt? Die Wettbewerbshüter hatten die Preiszyklen an den Tankstellen genau untersucht. Und eine sogenannte Markttransparenzstelle eingerichtet, an die Tankstellen aus dem ganzen Bundesgebiet ihre Preise melden müssen. Autofahrer können über Smartphone-Apps auf die Daten zugreifen und so die billigste Tankstelle in ihrer Umgebung finden. Allerdings wollte man auf Nachfrage beim Bundeskartellamt nicht so weit gehen, zu behaupten, die günstige Entwicklung an den Tankstellen sei ein Verdienst der eigenen Bemühungen.

          Immerhin weist der ADAC darauf hin, dass die Benzinpreise weniger stark gesunken sind als die Rohölpreise. „Eine Halbierung des Benzinpreises wie beim Rohölpreis war nicht zu beobachten“, sagen die ADAC-Fachleute. Das hänge jedoch wohl auch damit zusammen, dass beim Benzin ein Teil des Preises durch die Mineralölsteuer und die Fixkosten bestimmt wird.

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