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Kaffeebohnen-Ernte : Regen ist eine gute Nachricht für Kaffeetrinker

Das braune Gold aus Brasilien: Arabica-Bohnen kommen großteils aus dem südamerikanischen Land Bild: dpa

Die schlimmste Dürre seit 30 Jahren ließ die brasilianische Kaffee-Ernte schrumpfen – und die Preise explodieren. Jetzt können alle Kaffeeliebhaber aufatmen: Der Regen lässt die Preise wieder sinken.

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          Der Wetterbericht für Poços de Caldas verspricht für die kommenden Tage Regen. Ebenso wie für Varginha, Guaxupé und andere Städte im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, die mitten im sogenannten Kaffeegürtel des südamerikanischen Landes liegen. Was normalerweise höchstens die Einwohner und vielleicht noch die Touristen auf den Kaffeeplantagen interessiert, hat Anfang dieser Woche die Märkte bewegt. Kaffee der Sorte Arabica verbilligte sich am Montag zeitweise um mehr als 6 Prozent auf weniger als 200 Cent je Pfund, auch wenn sich die Preise am Dienstag wieder leicht erholten.

          Judith Lembke
          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn es gibt kaum etwas, das die Märkte für Agrarrohstoffe seit Jahresbeginn so elektrisiert hat wie das Wetter in Brasilien. Das größte lateinamerikanische Land wird von der schlimmsten Dürre seit 30 Jahren heimgesucht. Die Ernteschätzungen werden immer weiter nach unten revidiert. Für dieses Jahr sollen nur 47 Millionen Sack aus Brasilien stammen – anstatt 60 Millionen Sack wie zunächst angenommen. Ein Sack Kaffee umfasst 60 Kilogramm. Und für das kommende Jahr sieht es kaum besser aus – im Gegenteil: Aktuell wird nur noch eine Produktion von 40 Millionen Sack erwartet.

          Diese schlechten Nachrichten führten dazu, dass sich der Preis für Arabica im laufenden Jahr zeitweise fast verdoppelt hatte. Denn Brasilien steht für die Hälfte der globalen Arabica-Produktion, jener exklusiven Sorte, die vor allem in hochwertigen Mischungen steckt. Der Anbau konzentriert sich vor allem auf die südöstlichen Staaten São Paulo, Paraná und vor allem Minas Gerais. Allein aus Minas Gerais kommen 50 Prozent der brasilianischen Kaffeeproduktion.

          Höhere Rohstoffpreise werden an Verbraucher weitergegeben

          Dabei wurden die Meteorologen offenbar vom Regen überrascht. Noch Anfang des Monats sagte die in den Vereinigten Staaten beheimatete „Commodity Weather Group“ voraus, dass für den gesamten Oktober in den brasilianischen Anbauregionen für Kaffee, Mais, Zucker und Sojabohnen trockeneres Wetter erwartet werde als zu dieser Jahreszeit üblich. Die Fachleute erwarteten eine Verzögerung der Blüte um bis zu drei Quartale.

          Sollten die Kaffeepreise wieder etwas sinken, würde das wohl auch dem Verbraucher zugutekommen. Angesichts der höheren Kosten für den Rohstoff hatten schon mehrere Röster angekündigt, die Preise anheben zu wollen. Schon im Frühjahr hatte der Schweizer Konsumgüterkonzern Nestlé angegeben, die höheren Rohstoffkosten führten auch zu höheren Herstellungskosten, vorerst jedoch offengelassen, inwiefern das den Preis für den Endverbraucher erhöhen würde.

          JM Schmucker, einer der führenden Röster aus den Vereinigten Staaten, zu dem unter anderem die Donut-Kette „Dunkin Donuts“ gehört, hatte im Sommer schon angekündigt, die Kaffeepreise zum ersten Mal seit drei Jahren anzuheben. Der Kaffeehausbetreiber Starbucks verneinte hingegen eine Erhöhung der Kaffeepreise im laufenden Jahr aufgrund gestiegener Rohstoffkosten.

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