https://www.faz.net/-gv6-7yo34

Ölpreis auf Talfahrt : Die Neuauflage des Preiskrieges

Welche Entwicklungen bringt der niedrige Ölpreis mit sich? Kommen jetzt wieder dicke Autos in Mode? Bild: dpa

Der aktuelle Preissturz am Ölmarkt ist dem von 1985/86 erstaunlich ähnlich. Damals gingen die Saudis als Sieger aus dem Preiskrieg hervor. Wird die Geschichte sich wiederholen?

          4 Min.

          Es ist im Moment die Millionen-Dollar-Preisfrage auf den Finanzmärkten: Wie weit kann der Ölpreis noch sinken? Prognosen gibt es viele, doch so sehr sie sich auch unterscheiden, sie eint ihre Unschärfe. Die Internationale Energieagentur sieht nach dem starken Verfall des Ölpreises um etwa 60 Prozent auf aktuell knapp 50 Dollar je Barrel (159 Liter) nun Zeichen einer Trendwende. Sie begründete ihre Prognose am Freitag in Paris damit, dass die Nicht-Mitglieder des Ölpreiskartells Opec ihre Fördermengen in diesem Jahr nicht so stark anheben dürften wie zunächst angenommen.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Rohstoffanalysten von Goldman Sachs kommen zu einer komplett anderen Einschätzung: Sie vermuten, dass der Markt erst dann sein Gleichgewicht finden wird, wenn der Ölpreis für längere Zeit um 40 Dollar je Barrel pendelt. Das sei aber erst 2016 der Fall. Anfang dieser Woche senkte Goldman Sachs seine Schätzung für den Jahres-Durchschnittspreis von 73,75 Dollar je Barrel (159 Liter) auf 47,15 Dollar zurück - ein spektakulärer Schritt. Die Citigroup rechnet hingegen mit einem Durchschnittspreis von 62,50 Dollar in diesem Jahr. Nobuyuki Nakahara, ehemaliger Energiemanager und Vorstandsmitglied der japanischen Notenbank, hält einen Rückgang der Preise auf bis zu 20 Dollar je Barrel für möglich.

          Was ist aber richtig? Der Ölpreis hängt an Entwicklungen und Entscheidungen, die nur schwer abzusehen sind. Da ist einerseits die Nachfrageseite, also die Entwicklung der Weltwirtschaft und vor allem die Frage, wie sich die sinkenden Energiepreise auf das Verhalten der Konsumenten auswirken. Kommen jetzt wieder Spritschlucker in Mode anstatt verbrauchsarme Fahrzeuge? Noch schwerer sind jedoch die Entwicklungen auf der Angebotsseite vorauszusagen.

          Der Ölpreis hängt entscheidend davon ab, ob sich die Opec in diesem Jahr doch zu einer Drosselung der Produktion durchringt, oder ob es dabei bleibt, dass Saudi-Arabien nicht eingreifen wird, „auch wenn der Ölpreis auf 20 Dollar fällt“, wie der saudische Ölminister Ali Al-Naimi Ende vergangen Jahres gesagt hat. Die größte Unbekannte ist jedoch, wie gut die noch junge Schieferölbranche in den Vereinigten Staaten den negativen Preisschock verkraften wird.

          Wiederholt sich die Geschichte? Der Kursverlauf ähnelt dem Verfall im Jahr 1985/86

          Am Markt heißt es meistens, dass die Schieferölproduzenten 70 Dollar je Barrel brauchen, um kostendeckend zu produzieren, einige Schätzungen liegen aber auch darunter. Allerdings musste der erste Schieferölförderer, WBH Energy, schon Konkurs anmelden. Nach Daten von Baker Hughes, einer der führenden Erdöl-Servicegesellschaften, ist die Zahl der aktiven Bohrungen in der vergangenen Woche um 61 auf 1421 gefallen - der stärkste Rückgang seit 1991.

          „Preiskrieg auf dem Ölmarkt“

          Ein Blick in die Vergangenheit könnte Aufschluss über die Zukunft geben. Denn der aktuelle Ölpreisverfall ist dem Preissturz von 1985/86 erstaunlich ähnlich. Zwischen November 1985 und Juli 1986 sank der Preis um 67 Prozent von etwa 30 auf 10 Dollar je Barrel - eine ähnliche Dimension wie die Preisentwicklung seit Juni 2014. Zeitungsberichte von damals lesen sich wie die aktuelle Presse - es ist von einem „Preiskrieg auf dem Ölmarkt“ die Rede und von „einem Konjunkturprogramm für die ölimportierenden Länder“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.