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Wegen neuer Regulierung : JP Morgan will Rohstoff-Lagerhäuser verkaufen

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Am Hauptsitz der Bank in New York Bild: dpa

Als erste amerikanische Großbank will JP Morgan nicht mehr mit physischen Rohstoffen handeln. Geschäfte mit Rohstoff-Derivaten will die Bank aber weiter machen.

          Unter dem wachsenden Druck der Aufsichtsbehörden zieht sich die amerikanische Großbank JP Morgan Chase überraschend aus dem Geschäft mit physischen Rohstoffen zurück. Die Bank kündigte an, nach „strategischen Alternativen“ für den Bereich zu suchen, zu dem beispielsweise das Metall-Lagergeschäft Henry Bath sowie Öl- und Energiehändler in Houston und New York gehören.

          Geprüft würden ein Verkauf, eine Abspaltung oder eine strategische Partnerschaft. Am Geschäft mit Rohstoff-Derivaten und Edelmetallen halte JP Morgan allerdings fest. Die Bank habe ihre Entscheidung von mehreren Faktoren abhängig gemacht, sagte ein Sprecher. Dazu gehörten auch die Folgen einer drohenden Verschärfung der Regulierungsauflagen.

          In der vergangenen Woche war das Geschäft politisch unter Beschuss geraten. Amerikanische Kongressabgeordnete stellten infrage, ob es sinnvoll sei, dass eine Bank Lagerhäuser für Metalle und Pipelines besitzen sollte. Experten warnten während einer Senatsanhörung davor, dass eine Beteiligung der Banken an dem Geschäft mit physischen Rohstoffen den Wettbewerb verzerren und ein Risiko für das Finanzsystem darstellen könnte. Die amerikanische Notenbank will ihren Beschluss aus dem Jahr 2003 überprüfen, der den Banken den Einstieg in dieses Geschäft ermöglicht.

          Was machen Goldman Sachs und Morgan Stanley?

          Auch das amerikanische Justizministerium und die Rohstoffhandelsaufsicht CFTC haben Untersuchungen zu den umstrittenen Metall-Lagerhäusern eingeleitet. Hintergrund sind Beschwerden über angeblich überhöhte Preise. „Die Banken sollten sich auf ihr Kerngeschäft beschränken“, sagte Senator Sherrod Brown, Mitglied des Bankenausschusses der Kongresskammer. Das wäre besser für die Verbraucher und die Steuerzahler.

          Der Handel mit physischen Rohstoffen hat in den Vereinigten Staaten wegen der verschärften Auflagen für viele Kreditinstitute schon seit einiger Zeit an Attraktivität verloren, auch für die Deutsche Bank. Auch die hohen Kosten für die Logistik stellen Experten zufolge die Lukrativität infrage. Einige Banken haben ihre Engagement in dem Bereich daher bereits zurückgefahren. JP Morgan ist aber das erste Geldhaus, dass ganz aussteigt. Das dürfte nun den Fokus auf die heimischen Rivalen Goldman Sachs und Morgan Stanley lenken.

          JP Morgan hatte den Rohstoff-Handel nach der Übernahme der schon länger in dem Geschäft aktiven Bank Bear Stearns seit dem Jahr 2008 massiv ausgebaut. Seit Februar prüft die Bank allerdings ihre Optionen für den Bereich. Einen Käufer zu finden, dürfte nicht einfach werden. Nicht nur die Regulierungsauflagen sondern auch die zuletzt nur wenig schwankenden Preise locken wohl nur schwer Interessenten an.

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