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Wechselkursziel : Gerüchte über eine weitere Frankenabwertung

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Bild: F.A.Z.

Die Schweiz versucht mit aller Macht, die eigene Währung zu schwächen. Auf hohen Niveau zurückgehende Exporte bilden einen geeigneten Hintergrund.

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          Die Schweiz versucht mit aller Macht, die eigene Währung zu schwächen, nachdem sie im Rahmen der Finanzkrise und der immer intensiver werdenden Staatsschuldenkrise zunächst ihre deutliche Unterbewertung abgebaut und danach gegen den Euro bis zur Wechselkursparität aufgewertet hatte.

          Während zwischenzeitliche und viel zu frühe Interventionen nichts gebracht hatten außer beachtlichen Buchverlusten auf die erworbenen Bestände ausländischer Währungen, kam die Zentralbank vor wenigen Tagen mit einer überraschenden Zinssenkung, einer Liquiditätsflut und zuletzt sogar mit einem Wechselkursziel von 1,20 Franken je Euro in Verbindung mit unbegrenzten Interventionen in den Markt.

          Weitere Runde im Bemühen um einen schwächeren Franken?

          Sie haben dazu geführt, dass die Volatilität im Handel mit diesem Währungspaar förmlich zusammengebrochen ist und dass sich der Kurs im professionellen Handel tatsächlich über diese Niveau halten ließ.

          Am Dienstag scheint die nächste Runde einer weiteren Schwächung der Währung eingeläutet zu werden. Denn nachdem die Bundeszollverwaltung der Schweiz am Morgen Exportzahlen für den Monat August vorgelegt hatte und einen Rückgang im Vergleich mit dem Vormonat von 16,5 Prozent auf hohem Niveau auf 13,9 Milliarden Franken bekannt gegeben hatte, schossen bisher unbestätigte Gerüchte ins Kraut, die Schweizer Nationalbank werde ihre Kursziel erhöhen, um die Exportwirtschaft des Landes von den Effekten einer starken Währung zu entlasten.

          Am Nachmittag wertete der Franken gegen den Euro innerhalb weniger Minuten um bis zu ein Prozent ab auf bis zu 1,2215 Franken je Euro im Tageshoch. Auf diese Weise wurden leichte Kursgewinne deutlich überkompensiert, die aufgrund der weiterhin schwelenden Schuldenkrise in Europa zunächst zu beobachten gewesen waren. In Bezug auf Europa hat am Dienstag die Ratingagentur S&P die Kreditwürdigkeit von Italien von A+ auf A gesenkt und auf diese Weise am italienischen Rentenmarkt zu Kursverlusten, steigenden Renditen sowie Rekordprämien für den Abschluss von Kreditausfallversicherungen geführt. Mit Blick auf Griechenland ist die Unsicherheit weiterhin groß, ob das Land wegen der Zweifel am Sparwillen von Europa frische Finanzmittel erhalten wird.

          Einseitiges Vorgehen gegen eine „starke“ Währung

          Die Schweiz versucht inzwischen mit allen Mitteln, die Neigung, aufgrund solcher Nachrichten Schweizer Franken zu erwerben, zu schwächen. In diesem Rahmen kommen ihr schwache Exportzahlen gerade recht, nachdem sie schon in ihrer am 15. September veröffentlichten geldpolitischen Lagebeurteilung warnte, das Wirtschaftswachstum in der könne in der zweiten Hälfte des Jahres 2011 zum Erliegen kommen. Angesichts der Umstände scheint ein Schelm zu sein, wer ihr den Zweckpessimismus dieser Art und die Tolerierung aller Arten von Spekulationen übelnimmt, die zu einer weiteren Schwächung der Währung führen.

          Auf der anderen Seite jedoch fällt diese Strategie unter die Kategorie „Währungskrieg“. Denn während die Notenbank in den Jahren 2002 bis 2009 nichts gegen die damals dramatische Unterbewertung des Frankens unternahm, scheint sie nun einseitig zu agieren, obwohl der Franken zumindest gemessen an den Erzeugerpreisen im Verhältnis zum Euro bei etwas 1,17 Franken je Euro fair bewertet ist. Gemessen an den Konsumentenpreisindizes, die allerdings die dramatisch hohen Preisniveaus vieler Waren in der Schweiz völlig ausblenden, wäre die Währung bei 1,37 Franken je Euro fair bewertet.

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