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Abschaffung des 500er-Scheins : Tschüs, Bin Laden!

Mal ehrlich: Haben Sie schon mal so viele 500er in der Hand gehabt? Bild: Picture-Alliance

Warum hieß der 500er in Spanien Bin Laden? Hat die EZB eigentlich längst mit der Abschaffung begonnen? Und wie groß müsste Dagobert Ducks Geldspeicher sein?

          4 Min.

          Servus, Auf Wiedersehen, Adieu - der Euroraum nimmt langsam Abschied vom 500-Euro-Schein. Für die Bürger im allgemeinen, aber besonders für einige Branchen und Einzelpersonen ergeben sich dadurch einige Änderungen. Eine Sammlung von ernsthaften und nicht ganz so ernsthaften Fakten.

          Der Abschied hat längst begonnen

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ende des Jahres 2015 waren 613,6 Millionen auf 500 Euro lautende Scheine im Umlauf. Ende März 2016 betrug die Zahl laut Europäischer Zentralbank nur noch 594,4 Millionen. Damit wurden im erstzen Quartal schon drei Prozent aller 500er aus dem Verkehr gezogen. Indes ist die Zahl der 500-Euro-Scheine schon seit November 2011 nicht mehr gestiegen - im krassen Gegensatz zur Entwicklung bei allen anderen Geldscheinen. Offenbar gibt es die Abschaffungspläne also schon länger.

          Der Abschied dauert länger

          Der 500-Euro-Schein wird nicht etwa mir nichts, dir nichts aus dem Verkehr gezogen. Im Gegenteil kommt der Einstieg in den Ausstieg erst Ende 2018. Ab dann sollen keine Scheine mehr ausgegeben werden.

          Irgendwann, frühestens 2025 könnte die EZB dennoch ein Datum festsetzen, ab dem der Schein kein offizielles Zahlungsmittel mehr ist. Umtauschbar dürfte er auch danach noch bleiben.

          So wird es wohl Jahrzehnte dauern, bis die Banknote verschwindet, allzumal viele der Scheine außerhalb des Euroraums vermutet werden. Experten gehen von einem Drittel aus. Wahrscheinlich wird es aber auch noch in dreißig Jahren irgendwo 500er geben.

          Die Chance des 200ers

          „Was dem Ihnen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall“, heißt es. Oder: Des einen Untergang kann der Höhenflug des anderen sein. Ohne 500-Euro-Schein könnte der 200-Euro-Schein zu neuen Ehren kommen. Bisher fristet dieser ein Schattendasein: Nur 208,6 Millionen Scheine sind im Umlauf – weniger als halb so viel wie 500er und nur ein Sechstel der Anzahl von 5-Euro-Scheinen, von denen es ebenfalls vergleichsweise wenige gibt. Die Zukunft könnte also gelb sein.

          Aus für den Kriminellenschein?

          Die EZB begründet die Abschaffung des 500-Euro-Scheins damit, dass der Schein bevorzugt für illegale Zwecke genutzt werde. Andere, wie die Bundesbank, äußern Zweifel. Der österreichische Ökonomieprofessor Friedrich Schneider kommt zu dem Schluss, dass man zu wenig über das Finanzvolumen der internationalen Kriminalität und die Details der Geldwäsche wisse, um die Bedeutung quantifizieren zu können. Allerdings sei eine Tatsache, dass Bargeld für viele kriminelle Aktivitäten verwendet werde, da es keine Spuren hinterlasse. Eine Reduzierung könne kriminelle Aktivitäten erschweren, weil die Transaktionskosten stiegen. Da aber die Profite aus kriminellen Aktivitäten sehr hoch seien, fielen die Effekte eher moderat aus und machten höchstens 10 bis 20 Prozent aus.

          Der Dauerläufer

          Kleine Euro-Geldscheine habe ein kurzes Leben: 5er oder 10er überstehen kaum ein Jahr, selbst einen 20er überleben mit weniger als zwei Jahren die meisten Goldhamster noch. Große Scheine wie der 200er oder eben der 500er leben dagegen lange. Sieben Jahre dauert es im Durchschnitt bis ein 500er wegen Abnutzung vernichtet wird.

          Osama bin Laden

          „Bin Laden“

          Die Spanier haben es auf den Punkt gebracht: Sie bezeichnen den nun verbleichenden Schein schon lange als „Bin Laden”, so das Londoner FinTech-Unternehmen Ebury. Alle wissen, dass der Schein existiert – aber fast niemand hat ihn je gesehen. Interessanterweise befinden sich die meisten 500 Euro-Scheine offenbar dennoch in Spanien im Umlauf. Ein Viertel der Scheine soll dort zirkulieren, obwohl Spanien nur knapp zehn Prozent der Wirtschaftsleistung des Euroraums aufbringt.

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