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Ölförderung : Die Amerikaner fracken, was der Schiefer hergibt

Ölförderung in North Dakota: Wie weit kann der Preis noch fallen? Bild: AFP

Der Ölpreis sinkt jetzt sogar unter 45 Dollar. Schuld daran sind Amerikas Förderer. Wie tief darf der Preis sinken, damit sich für sie das Geschäft noch lohnt?

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          Der Ölpreis hat neue Tiefen erreicht. Der Preis der Nordseesorte Brent fiel am Mittwochabend zum ersten Mal in diesem Jahr unter 45 Dollar je Fass (159 Liter) und erholte sich auch am Donnerstag nur mühsam. Die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete zeitweise nur noch 42,12 Dollar, so wenig wie seit August vorigen Jahres nicht mehr. Auch Heizöl in Deutschland hat ein neues Jahrestief erreicht, 100 Liter kosteten nach Angaben des Internetportals Heizöl24 zum ersten Mal in diesem Jahr weniger als 50 Euro.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch an der Tankstelle spürten Autofahrer einen Preisverfall, wenn auch nicht so stark wie beim Rohöl. Immerhin aber kostete Super E10 jetzt im Durchschnitt erstmals seit langem weniger als 1,30 Euro je Liter. Diesel notierte auf einem Jahrestiefstand bei etwa 1,09 Euro.

          „Die Ölpreise kapitulieren“, schreibt Ölanalyst Jan Edelmann von der HSH Nordbank. Die Organisation der erdölexportierenden Staaten (Opec) schafft es trotz der Verlängerung ihrer Förderkürzung offenbar nicht, den Preis hochzuhalten. Obwohl die letzten Zahlen zeigten, das die Organisation insgesamt ihre Kürzungsziele übererfüllt hat, gleichen andere Länder das offenbar durch höhere Fördermengen aus. Allen voran Amerika: „Öl ist billig, weil die Vereinigten Staaten fracken, was der Schiefer hergibt, und damit die Entscheidung der Opec, bis März 2018 weniger zu fördern, verpufft“, sagte Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden. Aber auch Libyen und Nigeria, die von den Opec-Förderkürzungen ausgenommen sind, haben ihre Mengen hochgefahren. Allein Libyen holt so viel Öl aus dem Boden wie seit vier Jahren nicht mehr.

          Viele Analysten hat der starke Preisverfall des Öls überrascht. Es war angenommen worden, dass sich der Ölpreis in einem Band ungefähr zwischen 50 und 55 Dollar halten würde. Ein Absinken auf weniger als 45 Dollar hatten nicht viele erwartet. Schon wird spekuliert: Ist es womöglich nicht nur das übergroße Angebot an Öl, das den Preis drückt, sondern auch eine schwache Nachfrage? Kann man am Ölpreis womöglich absehen, dass die Weltwirtschaft sich in nächster Zeit weniger stark entwickeln wird, als die meisten im Moment noch meinen?

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          Eugen Weinberg, Ölanalyst der Commerzbank, hält von dieser Theorie nicht viel. „Ich bin davon überzeugt, dass die Marktteilnehmer vor allem nach einer Begründung für die Preisschwäche suchen und diese nun beispielsweise in den höheren amerikanischen Benzinbeständen finden.“ Er sehe darin noch keinen Grund zur Sorge, weil diese Daten häufig stark schwankten. Das sei ein Zyklus: Zuerst komme der Preisrückgang, dann verschlechtere sich die Stimmung, dann würden Gründe für den Preisrückgang gefunden, dann falle der Preis weiter: „Dieser Spirale wird der Markt erst entkommen, wenn sich die Preise über mehrere Tage stabilisieren und sich die Stimmung daher auch aufhellt.“

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