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Energie : Warum ein Ölpreis fast auf Null fiel

Ölproduktion in Alexander, North Dakota Bild: AP

Die fallenden Ölpreise setzen Produzenten von Öl niedriger Qualität unter Druck. Schwefelhaltiges Öl aus North Dakota lässt sich nur noch zu Spottpreisen verkaufen.

          Der Überfluss auf dem Ölmarkt treibt seltsame Blüten: Weil Erdöl nicht gleich Erdöl ist, klaffen die Preise dort je nach Qualität immer deutlich auseinander. Preise für mehr als 100 Ölsorten listet allein der Finanzdienstleister Bloomberg auf, 19 davon in den Vereinigten Staaten und das sind längst nicht alle. Die aktuellen Preise reichen von 15 bis zu mehr als 100 Dollar, die wichtigsten amerikanischen Ölsorten kosten zwischen 24 und 30 Dollar.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jenseits dessen gibt es auch weniger bedeutende Ölsorten, vor allem von schlechterer Qualität. Angesichts der niedrigen Preise will diese offenbar kaum noch jemand haben: Für die Ölproduzenten ist dies eine schmerzliche Erfahrung, etwa in North Dakota. Im Januar 2014 zahlte der Ölhändler Flint Hills Resources noch fast 50 Dollar für das Fass North Dakota Sour. Heute sind es noch 1,50 Dollar. Irrtümlich wurde sogar ein negativer Preis von 50 Cents veröffentlicht. Insofern ist aus diesem Spot-Preis ein Spott-Preis geworden.

          North Dakota Sour ist ein schwefelreiches Öl, von dem zuletzt weniger als 15.000 Barrel (2,385 Millionen Liter) täglich produziert werden. Insgesamt liegt die Ölproduktion in North Dakota bei 1,18 Millionen Barrel. North Dakota Southern wurde beispielsweise zuletzt für 21,25 Dollar gehandelt.

          Die Bedeutung dieses Öls ging stark zurück, nachdem im Westen des Staates die Bakken-Formation erschlossen worden war. Für dieses Öl wurden zuletzt 26,62 Dollar pro Barrel bezahlt. Zudem hat der Pipeline-Betreiber Enbridge schon im Jahr 2011 den Transport von North Dakota Sour eingestellt. Das hat die Transportkosten deutlich erhöht. Stark schwefelhaltiges Öl kann zudem nicht in allen Raffinerien verarbeitet werden.

          Negative Preise für Energieträger sind selten, aber nicht unmöglich. So berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass in drei Monaten des vergangenen Jahres im kanadischen Edmonton Propangas zu negativen Preisen gehandelt wurde. Gelegentlich zahlen auch Raffinerien für die Entsorgung von Vorprodukten niedriger Qualität. Ziel ist es, Lagerplatz frei zu machen.

          Ölproduzenten würden daher wohl kaum zu negativen Preisen verkaufen, da dies betriebswirtschaftlich unsinnig ist. Sie würden die Produktion einstellen und das dürfte an den Quellen in North Dakota früher oder später so kommen.

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