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Wall Street : Setzt beim Dollar eine Bodenbildung ein?

  • -Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Nach jahrelanger Schwäche könnte sich die amerikanische Währung nun an einem Wendepunkt befinden. Wer würde von einem Comeback des Dollars profitieren, und wer nicht?

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          Unter Devisenhändlern setzt sich mehr und mehr die Wahrnehmung durch, dass der lang anhaltende Wertverfall des Dollars gegenüber anderen maßgeblichen Währungen beendet sein könnte. Am 22. April kletterte der Euro auf den Rekordwert von 1,60 Dollar. Gleichzeitig notierte der Dollar-Index - der die Wertentwicklung des Greenback gegenüber einem Korb der wichtigsten Weltwährungen aufzeigt - so schwach wie nie zuvor.

          Seitdem befindet sich der Dollar jedoch in einem leichten Aufwärtstrend. Am 2. Mai wurde der Euro mit 1,54 Dollar gehandelt, während der Dollar-Index drei Prozent über seinem Rekordtief lag. „Wir denken, dass beim Dollar eine Bodenbildung einsetzt“, sagt Meg Browne, leitende Devisenstrategin bei Brown Brothers Harriman.

          Die Ursachen sind die gleichen

          Die Hauptursache für die jüngste Stärke des Dollars ist dieselbe, die im Laufe des vergangenen Jahres für seinen rasanten Einbruch verantwortlich war: die amerikanische Notenbank (Fed). Der Wert des Dollars geriet unter Druck, als die Fed rasche Zinssenkungen vornahm, um die Finanzkrise einzudämmen und eine Rezession in den Vereinigten Staaten zu verhindern. Der Wendepunkt könnte am 30. April eingetreten sein, als die Fed den als Schlüsselzins geltenden Satz für Tagesgeld mit 25 Basispunkten weniger stark senkte als in den Monaten zuvor. Viele rechnen damit, dass die Zentralbank nun vorerst keine weiteren Zinssenkungen vornehmen wird.

          Weiteren Schub erhielt der Dollar unlängst von Hoffnungen auf eine Erholung der amerikanischen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte sowie von Befürchtungen, dass sich das Wachstum von Volkswirtschaften in anderen Teilen der Welt verlangsamen und die dortigen Notenbanken zu Zinssenkungen veranlassen könnte.

          Rückenwind für den Export

          Für einige Politiker und populäre Kommentatoren kann sich der schwache Dollar als wunder Punkt herausstellen. Inmitten wirtschaftlicher Übel wie Finanzmarktturbulenzen, hohen Ölpreisen, sinkenden Eigenheimpreisen und rückläufigen Verbraucherausgaben gilt ein Wertverfall des Dollars als Sinnbild des sinkenden Ansehens Amerikas.

          Nach Ansicht der meisten Volkswirte ist die Realität jedoch weitaus komplexer. Eine billige Währung könnte zwar Ausdruck wirtschaftlicher Schwäche sein, sie kann der Konjunktur jedoch auch Flügel verleihen. So freuen sich beispielsweise amerikanische Exporteure über die Dollarschwäche, weil damit ihre Waren im Ausland wettbewerbsfähiger werden. Dies hilft Unternehmen wie Caterpillar und Boeing, die trotz Abschwächung auf dem amerikanischen Heimatmarkt kürzlich mit starken Quartalszahlen glänzten.

          Brian Gendreau von ING Investment Management verweist darauf, dass die Ausfuhren seit 2006 zusätzliche 150 Milliarden Dollar zum amerikanischen Bruttoinlandsprodukt beigetragen haben und damit einen Großteil der infolge der Schwäche auf dem Häusermarkt erlittenen Einbußen in Höhe von 170 Milliarden Dollar kompensieren.

          Aufwertung der künstlich niedrig gehaltenen Währungen Asiens?

          Laut L. Josh Bivens, Volkswirt des linksgerichteten Economic Policy Institute, sei der Wert des Dollars vor einigen Jahren „unhaltbar hoch“ gewesen, was den Vereinigten Staaten Millionen von Arbeitsplätzen im Verarbeitenden Gewerbe gekostet habe. Viele konservative Volkswirte stimmen mit Bivens Analyse, wenn nicht mit seinen politischen Vorschlägen überein: China und andere asiatische Staaten, die den Wert ihrer Währungen künstlich niedrig halten, sollten in harten Verhandlungen zur Aufwertung gegenüber dem Dollar gezwungen werden. Dies würde amerikanischen Exporteuren einen noch größeren Vorteil verschaffen.

          Ein solcher Schritt würde sicherlich auch die Kosten für den amerikanischen Verbraucher erhöhen. Hohe Preise für Öl und andere Rohstoffe sind bereits zum Teil auf die Dollarschwäche zurückzuführen, was auf den großen Nachteil einer schwachen Währung hindeutet. Bivens zufolge hätten amerikanische Verbraucher davon profitiert. „Wir zählten darauf, dass die Dinge billiger waren als sie sein sollten“, so Bivens. Eine Anpassung sei „notwendig, um die Wirtschaft in eine Art Gleichgewicht zu bringen.“

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