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Währungsreserven : China verpulvert fast 100 Milliarden Dollar

Sitz der chinesischen Zentralbank in Peking Bild: dpa

In China sind die Währungsreserven auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren gesunken. Das verunsichert die Märkte. Aber die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sieht ein Ende der Turbulenzen kommen.

          China unternimmt weiterhin erhebliche Anstrengungen, um eine drastische Abwertung seiner Währung zu verhindern. Nach Angaben der Notenbank sind die Währungsreserven im Januar um 99,5 Milliarden auf 3,23 Billionen Dollar zurückgegangen. Das ist der niedrigste Stand seit mehr als drei Jahren. Dies deutet auf umfangreiche Verkäufe von Devisen, um den Yuan (Renminbi) zu stützen. Viele Marktteilnehmer hatten allerdings einen Rückgang der Währungsreserven im Januar um rund 120 Milliarden Dollar erwartet.

          Die Notenbank hat in- und ausländische Anleger vor einer Spekulation auf eine Abwertung des Yuans gewarnt. Regierung und Notenbank haben in den vergangenen Wochen mehrfach versichert, Peking strebe keine schwache Währung an. Ein wichtiger Grund für den Abwertungsdruck auf den Yuan sind umfangreiche Kapitalexporte privater chinesischer Anleger.

          Niedriger Ölpreis sorgt für Schuldenberg

          Sorgen um die weitere wirtschaftliche Entwicklung Chinas sind eine Ursache für die Nervosität an den internationalen Finanzmärkten. Die Phase der Turbulenzen, die den Dax zum Wochenschluss unter die Marke von 9300 Punkten drückte, ist nach Ansicht Jaime Caruanas noch nicht vorüber. Der Generaldirektor der „Bank der Zentralbanken“, der in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, sieht die Schwellenländer in einer komplizierten Phase des Wandels, die auf die ganze Weltwirtschaft ausstrahle. Begleitet werde dieser Wandel von rückläufigen Erwartungen für das Wirtschaftswachstum, von Abwertungen vieler Währungen gegenüber dem Dollar und von einem Fall der Rohstoffpreise.

          Nach Ansicht Caruanas waren in den vergangenen Jahren Gläubiger und Schuldner durch eine „Illusion der Nachhaltigkeit“ geblendet. Nun wird unter anderem in der Ölindustrie deutlich, dass viele Schulden – die Branche besitzt Verbindlichkeiten von mehr als 3 Billionen Dollar – eventuell nicht nachhaltig seien. Zwischen 2006 und 2014 sind die Schulden staatlicher Ölunternehmen in Brasilien um 25 Prozent und in China mit Jahresraten von 31 Prozent gewachsen. Der Schuldenberg erklärt nach den Worten Caruanas ein scheinbar widersinniges Verhalten am Ölmarkt: „Die niedrigen Preise haben kein überschüssiges Angebot vom Markt genommen, sondern haben zu einer Ausweitung des überschüssigen Angebots geführt. Die Produktion wurde gesteigert und nicht zurückgefahren.“

          Fehlende Liquidität der Schwellenländer verunsichert Märkte

          Lange haben sich in Schwellenländern auch Unternehmen aus anderen Branchen in Dollar verschuldet. Das Geld wurde zu einem geringen Teil für produktive Investitionen verwendet; stattdessen legten viele Unternehmen das Geld in ihrer Heimatwährung zu höheren Zinsen an. Der von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich kritisch betrachtete Schuldenaufbau in den Schwellenländern ist im Herbst 2015 zu einem Halt gekommen.

          Diese im Grundsatz positive Entwicklung geht aber mit einer stark rückläufigen Liquidität an den Anleihemärkten einher und verunsichert die globalen Finanzmärkte. Die Nervosität kann zusätzliche Turbulenzen auslösen und zu kräftigen Kursveränderungen bei Devisen, Anleihen und Aktien führen. Caruana hält es für notwendig, dass diese Phase der Turbulenzen von einer angemessenen Politik begleitet wird, um nachteilige Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum zu verhindern.

          BIZ zeigt sich optimistisch

          Angesichts der globalen Verwobenheit der Finanzmärkte fordert Caruana eine stärkere internationale Abstimmung der Geldpolitik. Dafür hat sich auch der Gouverneur der indischen Notenbank, Raghuram Rajan, ausgesprochen. In der Praxis läuft diese Forderung darauf hinaus, dass in einer Phase, in der die Fed zu Leitzinserhöhungen neigt, andere Notenbanken nicht ohne zwingenden Grund ihre Geldpolitik weiter lockern sollten.

          Gleichzeitig warnt Caruana vor einer Überforderung der Geldpolitik: „Sie ist seit viel zu langer Zeit überlastet.“ Stattdessen müsse eine langfristige Wachstumspolitik betrieben werden, zu der die Gesundung von Bilanzen und die Vermeidung von Verschwendungen von Ressourcen zähle. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich plädiert seit jeher für Strukturreformen, um das Wachstumspotential zu verbessern.

          So bleibt Caruana optimistisch: „Abhängig von der Reaktion der Politik erlauben diese Transformationen ein nachhaltigeres und widerstandsfähigeres Wirtschaftswachstum in den reichen wie in den armen Ländern. Es gibt daher gute Gründe, für die langfristige Entwicklung optimistisch zu sein. Aber der Weg dahin ist steinig.“

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