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Währungspolitik : Interventionskurse für Lettland, Malta und Zypern gelten

  • Aktualisiert am

Malta, Zypern und Lettland haben ihre Währungen an den Euro gebunden. Der Leitkurs der Maltesischen Lira zum Euro liegt bei 0,429300 Lire, der des Zypern-Pfundes bei 0,585274 Pfund und jener des Lettischen Lats bei 0,702804 Lat.

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          Nach der Aufnahme der neuen EU-Staaten Lettland, Zypern und Malta in den Europäischen Wechselkursmechanismus (WKM-2) haben die EZB und die Zentralbanken der drei Länder die Interventionskurse der Währungen zum Euro bekannt gegeben.

          Die Euro-Aspiranten müssen nach den geltenden EU-Verträgen nun für einen Beitritt zur Währungsunion die Wechselkurse mindestens zwei Jahre innerhalb der Bandbreiten halten. Die Interventionskurse seien mit Wirkung vom 2. Mai festgelegt worden, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag in Frankfurt mit. Bereits am Samstag waren mit der Teilnahme am WKM-2 die geltenden Leitkurse zum Euro veröffentlicht worden. Sobald der Kurs die Bandbreiten von plus/minus 15 Prozent zum Leitkurs verläßt, muß die jeweilige nationale Notenbank am Devisenmarkt intervenieren.

          Nur geringe Schwankungen akzeptiert

          Lettland hat einen Leitkurs von 0,702804 Lat je Euro, für Zypern gelten 0,585274 Pfund und für Malta 0,4293 Lire als Richtschnur. Der obere Interventionskurs des Lettischen Lats liegt damit bei 0,808225 Lat je Euro, der untere bei 0,597383 Lat je Euro. Der obere Interventionskurs des Zypern-Pfund beträgt 0,673065 Pfund je Euro, der untere 0,497483 Pfund je Euro. Bei der Maltesischen Lira beträgt der obere Interventionskurs 0,493695 Lire je Euro und der untere 0,364905 Lire je Euro.

          EU und EZB haben mehrfach verdeutlicht, daß eine Währung den geforderten Stabilitätstest für einen Euro-Beitritt nur bei weitaus geringeren Ausschlägen als theoretisch durch die Bandbreiten erlaubt besteht. Auch eine Abwertung darf es nicht geben, während eine Aufwertung als Zeichen wirtschaftlicher Stärke geduldet ist. Lettland hat bereits entschieden, freiwillig den Wechselkurs in einem ganz engen Band von plus/minus einem Prozent zu halten.

          Volkswirte erwarten keine Spannungen für die drei Euro-Kandidatenländer im WKM. „Daran ist niemand interessiert. Es wäre etwas anderes, wenn es um die großen liquiden Märkte wie die Polens, Tschechiens und Ungarns ginge", sagte Michael Dicks, Volkswirt von Lehman Brothers.

          Sieben Länder gehören jetzt dem Wechselkursmechanismus an

          Bei einer stabilen Wechselkursentwicklung dürften die Länder gute Chancen haben, auch die anderen Euro-Aufnahmekriterien bei Zinsen, Inflation und Staatshaushalt zu erfüllen. Denn hohe Inflationsraten und Zinsen können die Währung eines Landes unter Druck bringen. Lettland zum Beispiel muß die Teuerungsrate von aktuell 6,4 Prozent noch dem niedrigeren Niveau der Euro-Zone annähern. Zypern und Malta haben mit hoher Staatsverschuldung zu kämpfen. Die beiden Inselstaaten peilen als Beitrittstermin zur Euro-Zone 2007 an, Lettland plant dies für 2008. Die drei größten neuen EU-Länder Polen, Ungarn und Tschechien wollen den Euro nach derzeitigen Plänen erst 2009 oder 2010 übernehmen.

          Dem Wechselkursmechanismus gehören inzwischen sieben Länder an. Die beiden anderen Baltenrepubliken Estland und Litauen sowie Slowenien wurden im Juni 2004 aufgenommen. Von Anfang an gehört außerdem Dänemark dem System mit einer engen Interventionsbandbreite von 2,25 Prozent nach oben und unten. Die Dänen wollen dem Euro bisher jedoch fern bleiben.

          Die Euro-Aufgaben für die neuen Kandidaten

          In den Vereinbarungen über die Aufnahme in den Wechselkursmechanismus sind für die neuen Mitglieder wirtschafts- und finanzpolitische Ziele festgeschrieben worden.

          Lettland hat fest versprochen, eine „dauerhafte Verringerung der Inflation“ zu erreichen. Dazu und zur Verringerung des Leistungsbilanzdefizits soll eine Verbesserung der Steuereinnahmen angestrebt werden. Zur Verringerung des Importüberschusses soll die Regierung „Maßnahmen zur Begrenzung der Binnennachfrage“ ergreifen und „wachsam hinsichtlich des Anwachsens der Binnenkredite sein“. Die Regierung soll auch eine „Gehaltsentwicklung fördern, die zur Verringerung des Inflationsdrucks beiträgt“.

          Zypern sichert vor allem einen Kampf gegen die hohe Verschuldung zu. Dies wird als „entscheidend für die Wahrung der makroökonomischen Stabilität und die Dauerhaftigkeit des Konvergenzprozesses“ bezeichnet. In der mittelfristigen Haushaltsplanung müsse „ein hohes Maß von Haushaltsdisziplin“ walten, das „entschlossen und dauerhaft durchgesetzt werden muß“. „Fortdauernde Wachsamkeit“ sei nötig, um die Lohnentwicklung im Einklang mit dem Produktivitätsfortschritt zu halten. Die Flexibilität der Wirtschaft müsse gestärkt, die Abschaffung indexierter Lohnentwicklung fortgesetzt werden.

          Malta bindet die Lira nicht mehr an einen Währungskorb, sondern nur noch an den Euro. Die Regierung sichert eine „solide Haushaltspolitik“ zu, welche die derzeitigen Regierungsausgaben begrenzt und das hohe Schuldenniveau reduziert. Mittelfristig sei ein großes Maß von Haushaltsdisziplin erforderlich, das entschlossen umgesetzt werden müsse. „Eine strikte Kontrolle der tatsächlichen Ausgaben ist nötig, die rechtzeitige Fehlentwicklungen erkennt und korrigiert.“ Auch in Zypern dürften die Löhne nicht stärker als die Produktivität steigen. „Weitere Strukturreformen“ seien nötig und erforderten mehr wirtschaftliche Flexibilität.

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