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Währungsmärkte : Verbale Interventionen deuten unruhigere Zeiten an

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An den Währungsmärkten wird es nicht langweilig. Marktteilnehmer spielen schwache gegen „starke“ Währungen aus. Manche, wie Euro und Neuseeland-Dollar, sind jedoch gar nicht stark, sondern werden automatisch nach oben getrieben.

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          An den Währungsmärkten wird es zur Zeit nicht langweilig. Auf der einen Seite sind in den vergangenen Tagen die massiven Auf- und Abwertungstrends von Yen und Pfund zumindest unterbrochen worden. Sie wurden kurzfristig von deutlichen Gegenbewegungen abgelöst: Die japanische Währung hat innerhalb einer Woche von 88,32 auf zuletzt 91,14 Yen je Dollar abgewertet. Dagegen hat das Pfund von 93,65 Pence noch Anfang der Woche auf zuletzt 91,06 Pence aufgewertet.

          Auf der anderen Seite setzen sich die schon seit Monaten laufenden Aufwertungstrends des australischen und des Neuseeland-Dollars und des brasilianischen Reals fort. Diese drei Währungen haben seit Anfang März zwischen 40 und 47 Prozent gegen den schwachen amerikanischen Dollar aufgewertet, sowie gegen Yen und Euro etwas weniger ausgeprägt.

          Marktteilnehmer spielen schwache gegen „starke“ Währungen aus ...

          Diese drei Währungen zeigen exemplarisch, was die Devisenspekulanten im Moment zu Währungspositionierungen treibt, wie undifferenziert sie dabei vorgehen, zu welchen Problemen solche Trends führen können und wie Zentralbanken darauf reagieren.

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          Die „Währungsanleger“ orientieren sich gegenwärtig an den unterschiedlichen geldpolitischen Strategien, an Zinsveränderungserwartungen und nicht zuletzt auch an der Wirtschaftsentwicklung und Rohstofflastigkeit einzelner Länder. Aus diesen Gründen tendieren sie dazu, Währungen geldpolitisch aggressiver Staaten - sie zeichnen sich durch extrem tiefe Zinsen, starkes Geldmengenwachstum und „quantitative Maßnahmen“ (sprich: Gelddrucken) aus - gegen jene zu verkaufen, bei welchen Zinserhöhungen zu erwarten sind.

          Zu ersteren gehören primär der amerikanische Dollar und das britische Pfund, während zu letzteren primär der australische Dollar gehörte. Während die Vereinigten Staaten, Großbritannien und eine ganze Reihe asiatischer Staaten ihre Währungen durch ihre extremen geldpolitischen Strategien oder gar Interventionen schwächen oder schwach halten wollen, um sich im internationalen Handel auf diese Weise merkantilistische Vorteile zu verschaffen, so zeigt die australische Zentralbank auf der anderen Seite eine Strategie, die sich von der Vergangenheit deutlich unterscheidet.

          Sie hat aus Sorge über die mögliche Entstehung einer neuen Vermögenspreisblase nicht nur früh begonnen, die Zinsen nach oben zu schrauben. Sondern sie interveniert sogar verbal und stärkt auf diese Weise die eigene Währung. Eine starke Währung macht Exporte im Ausland teurer, reduziert auf diese Weise die Nachfrage und wirkt so dämpfend auf die wirtschaftliche Entwicklung. Das gegenteilige Problem hat Neuseeland. Dessen Währung hat massiv aufgewertet, obwohl die Wirtschaft längst noch nicht rund läuft und obwohl die Exporte seiner Soft-Commodities wegen der starken Währung in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen sind.

          ... manche sind jedoch gar nicht stark, sondern werden automatisch nach oben getrieben

          Aus diesem Grund hat die Reserve Bank-Governeur Alan Bollard schon mehrfach verbal interveniert und angedeutet, der Neuseeland-Dollar sei zu stark geworden. Ähnlich sieht es in Brasilien aus. Dort erklärte Zentralbankpräsident Henrique Meirelles am Freitag, die Währungen der Schwellenländer könnten volatil werden, da sie von den Märkten überbewertet würden. Auch das ist nichts anderes, als eine verbale Intervention. Tatsächlich verliert Brasilien mit stärker werdender Währung an internationaler Wettbewerbsfähigkeit, die besonders zum tragen käme, sollte die Nachfrage nach Rohstoffen nachlassen.

          Selbst EZB-Präsiden Jean-Claude Trichet hat schon mehrfach gegen die Stärke des Euro argumentiert, die primär die Konsequenz der Interventionen asiatischer Staaten an den Währungsmärkten ist. Da sie ihre Währungsreserven nur bedingt in schwächer werdenden Dollar anlegen wollen, sind sie praktisch zum Kauf von Euros gezwungen, da er eine der wenigen nennenswerten Alternativen zur amerikanischen Währung ist. Auf diese Weise führen jedoch laxe Geldpolitiken und manipulierte Wechselkurse automatisch zu einer Benachteiligung Europas im globalen Handel.

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