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Währungskurse : Trump: „Der Dollar ist zu stark – das bringt uns um“

Donald Trump am Dienstag während des „Chairman’s Global Dinner“ in Washington. Bild: dpa

Nach Kritik an einzelnen Unternehmen hat der künftige amerikanische Präsident nun erklärt, was er vom Dollar-Kurs hält. Das legt gleich mehrere Konflikte offen.

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          Der künftige amerikanische Präsident Donald Trump wirbelt bereits vor seiner Amtseinführung die Wirtschaftswelt durcheinander. Über den Kurznachrichtendienst Twitter kritisierte er Unternehmen dafür, Arbeitsplätze und Produktion ins Ausland zu verlegen oder dort zu schaffen – und er kritisierte die Preise, die sie für ihre Produkte verlangen. Nun hat er sich den Dollar-Kurs vorgenommen: Gegenüber dem „Wall Street Journal“ bezeichnete er die amerikanische Währung als „zu stark“.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Damit hat er die Finanzbranche gehörig aufgeschreckt. Der Dollar gab an den Währungsmärkten gegenüber ausländischen Devisen nach, gemessen an einem breit angelegten Index. Die Kursbewegung selbst war zwar nicht außerordentlich groß – die Diskussion in der Finanzbranche ist dafür umso lauter und aufgeregter. „Das ist das erste Mal, dass wir einen gewählten Präsidenten haben, der sagt, dass der Dollar zu weit gelaufen ist“, erklärte Marc Chandler, Währungsstratege von Brown Brothers Harriman, dem amerikanischen Finanzsender CNBC. „Er sagt Sachen und tut Dinge, die kein Präsident je zuvor gesagt hat.“

          Streit mit der Notenbank?

          Das gilt in zweierlei Hinsicht: Einmal halten sich amerikanische Präsidenten und Finanzminister üblicherweise mit jeglichen Kommentaren über den Wechselkurs der Weltleitwährung zurück. Außerdem ist offizieller Standpunkt jeder amerikanischen Regierung seit mindestens zwanzig Jahren, dass das Land an einem starken Dollar interessiert ist – auch wenn das praktische Handeln dem zuweilen überhaupt nicht entsprach; weder das des Finanzministeriums noch das der unabhängigen amerikanischen Notenbank Federal Reserve.

          Trump begründete und verband seine Währungsansicht nun abermals mit Kritik an der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt China. Er warf der chinesischen Führung vor, den Yuan künstlich niedrig zu halten. „Unsere Unternehmen können mit ihnen momentan nicht konkurrieren, weil unsere Währung zu stark ist. Und das bringt uns um (it's killing us)“, sagte er dem „Wall Street Journal“.

          Fachleute sind anderer Ansicht. Sie glauben mit guten Gründen eher, dass die chinesischen Währungsinterventionen in der jüngeren Vergangenheit verhindern, dass der Yuan weiter an Wert verliert. Selbst Fred Bergsten, ein renommierter Fachmann auf diesem Gebiet und großer Kritiker von Wechselkurseingriffen Pekings in den vergangenen Jahren, kommt zu dem Ergebnis (hier, auf Englisch), dass China nun kein Währungs-Manipulator mehr ist.

          Trumps Dollar-Kommentierung legt außerdem einen latenten Widerspruch in dem offen, was bislang als wirtschaftspolitische Linien seiner Administration zu erkennen ist. Er strebt umfangreiche Steuersenkungen an, will mehr Geld ausgeben für Infrastruktur und Militär und infolgedessen höhere Haushaltsdefizite in Kauf nehmen – eine Änderung des sogenannten „Policy Mix“, die nach dem Lehrbuch zu einem stärkeren Dollar führt. Genau das ist seit seinem Wahlsieg denn auch an den Devisenmärkten geschehen.

          Andererseits erschwert der gestiegene Außenwert der amerikanischen Währung, dass die amerikanische Industrie mehr exportiert und Arbeitsplätze schaffen kann, was ebenfalls zu seinen Zielen zählt. „Es ist keine Frage, dass die Trump-Administration keinen starken Dollar haben möchte. Ein starker Dollar trägt nichts bei dazu, was Trump grundsätzlich versucht zu tun“, erklärte David Woo, Leiter der Währungsanalyse der Bank of America.

          Schließlich veranschaulicht der Dollar-Kommentar Trumps auch einen möglicherweise drohenden Konflikt zwischen seiner Regierung und der mächtigen amerikanischen Notenbank. Die Währungshüter haben bereits signalisiert, mindestens zwei Zinsschritte in diesem Jahr vorzuhaben – und mehr zu tun, falls Trump beispielsweise in der Finanz- und Wirtschaftspolitik umso expansiver werden wird. Was für sich genommen den Dollar-Kurs erhöhen würde. John Williams, der Chef der Federal Reserve von San Francisco, bekräftige denn auch nach Trumps Dollar-Aussagen, dass Beschäftigung und Preisentwicklung in Amerika weitere Zinserhöhungen probat erscheinen lassen. Und viele Banken gehen weiter davon aus, dass der Dollar aufwerten wird in diesem Jahr. An diesem Mittwoch liegt er etwa gegenüber dem Euro ganz leicht im Plus.

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