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Währung : Europäische Zentralbank nutzt Gunst der Stunde

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Die EZB intervenierte am Freitag an den Devisenmärkten und stützte den Euro. Sie versucht die Gunst der Stunde zu nutzen und die hohen Dollar-Reserven in dem Augenblick einzusetzen, in dem der Euro an der Trendwende angelangt zu sein scheint.

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          Die Europäische Zentralbank hat am Freitag Morgen überraschend an den Devisenmärkten interveniert. Punkt elf Uhr kam sie an den Devisenmarkt und verkaufte Dollar gegen Euro. Der Kurs der Einheitswährung stieg raketenartig von 86,20 Cent auf 87,90 Cent, also knapp zwei Prozent. Danach gab sie wieder leicht nach, hielt sich aber tapfer über der 87-Cent-Marke.

          Die Notenbanker wollten offensichtlich die Gunst der Stunde nutzen, um ihre grossen Dollarbestände einzusetzen. Denn in Erwartung einer schwächer werdenden US-Konjunktur zeichnete sich schon eine leichte Abschwächung des Dollars ab. Charttechniker hatten vereinzelt schon von einer Trendwende geredet.

          Analysten sind enttäuscht

          Analysten sind allerdings von der Aktion nicht sonderlich begeistert. "Wir sehen einen geringen Effekt der Intervention und sind vor allem enttäuscht über den Alleingang", sagte beispielsweise Harald Finger von der Deutsche Bank Research. Denn die EZB hatte ohne Rückendeckung der japanischen und der amerikanischen Notenbank interveniert. "Die Glaubwürdigkeit wäre wesentlich höher gewesen, wenn sich die beiden Notenbanken auch dieses Mal einer konzertierten Aktion angeschlossen hätten", erläuterte er weiter. "Das Eingreifen in den Markt zeigt jedoch, dass die europäischen Notenbanker nicht gewillt sind, einem zu schnellen Fall der Währung zuzusehen", fügte er hinzu.

          Tiefe Arbeitslosenrate wirkt der Intervention entgegen

          Am Nachmittag kam die amerikanische Konjunktur dem "Eurostabilisierungsziel" in die Quere. Dort fiel die Arbeitslosigkeit erheblich geringer aus, als allgemein erwartet worden war. Mit der Veröffentlichung der "Non Farm Payrolls" um 14.30 Uhr verlor der Euro wieder an Wert. Er fiel schlagartig von 87,40 Cent auf zunächst 86,80 Cent und gab im Laufe des Nachmittags weiter nach. Bei der Bekanntgabe der mit 1,7 Prozent unerwartet hohen US-Auftragseingänge um 16.00 Uhr fiel der Euro sogar wieder unter 86 Cent.

          Da der Handel an Tagen vor dem Wochenende relativ dünn ist, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, ob die Trendwende wirklich geschafft ist. Zumindest Harald Finger von der Deutsche Bank Research ist in dieser Frage eher skeptisch.

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