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Währung & Bonds : Bush oder Gore - kommt es beim Dollar darauf an?

  • Aktualisiert am

In den USA drohen bei einem Wahlsieg von Bush Kursverluste bei Bonds. Eine "expansive Ausgabenpolitik wäre positiv für den Dollar", sagt Klaus Wellershof von UBS Warburg.

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          Alle Welt wartet gespannt auf den Wahlausgang bei der Präsidentschaftswahl am Dienstag in den USA. Die Umfragen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen George Bush und Al Gore. Die Standardmeinung lautet: "George Bush ist gut für den Aktienmarkt, Al Gore für die Bonds." Außerdem stehe Bush eher für einen starken Dollar als Gore.

          Zunächst gehen die meisten Beobachter am Kapitalmarkt bei einem Wahlsieg von Bush davon aus, dass sein künftiger Finanzminister Lindsay Interventionen zu Gunsten des Euro nicht unterstützen wird. Er hatte sich schon zur letzten US-Beteiligung an der Euro-Intervention kritisch geäußert. Aber weil amerikanische Exporteure lauthals über sinkende Gewinne und sogar Umsatzeinbußen wegen des schwachen Euro klagen, gilt Lindsay als künftiger Minister zwar als Kandidat der ersten Reihe. Eine sichere Wette ist er aber nicht unbedingt. Mit einem Blick auf die jüngere Vergangenheit lässt sich außerdem feststellen: Republikanische Regierungen intervenierten wesentlich häufiger am Devisenmarkt als die Demokraten.

          Expansive Fiskalpolitik stärkt den Dollar

          Auch Al Gore will offiziell an der Politik eines starken Dollar festhalten. Gleichzeitig gilt es jedoch als unwahrscheinlich, dass Larry Summers in Gores' Regierung einen Platz erhalten wird. Ohne den "starken Mann" aber ist es nach Meinung von Analysten durchaus möglich, dass auch die Währung schwächer gehen könnte.

          "Generell erwarten wir unabhängig vom Wahlausgang eine expansive Fiskalpolitik bei gleichzeitig restriktiver Geldpolitik. Das würde für eine anhaltende Stärke des Dollar sprechen", sagt Klaus Wellershoff von UBS Warburg. "Nur wenn sowohl der Präsident als auch die Mehrheit des Kongresses bei einer Partei liegen sollten, sehen wir Kursbewegungen nach oben. Die werden allerdings vor allem von der Zinsseite kommen - und die Notenbank wird dabei nichts überstürzen", ergänzt eine Devisenanalystin von Brown Brothers Harriman.

          Bush-Sieg bringt Kursverluste für Anleihen

          Auf der Zinsseite steht neben der Entscheidung um die Präsidentschaft vor allem die Frage im Raum, welche Partei mit welcher Mehrheit den Kongress beherrschen wird. Die ungünstigste Variante - davon geht jedenfalls die Mehrheit der Marktteilnehmer aus - wäre ein und dieselbe Partei, die sowohl die Spitze der Regierung als auch die Mehrheit im Kongress stellen würde. Die Republikaner werden ihre Mehrheit im Parlament zwar aller Voraussicht nach verteidigen, aber sie wird wenig komfortabel sein. Sie würde selbst einen Präsidenten Bush bei der Umsetzung seiner Pläne nicht in jedem Fall fördern.

          Trotzdem dominiert im Falle eines Wahlsieges von Bush die Gefahr von Kursverlusten bei Bonds. Als neuer Präsident steht er unter dem Druck, die angekündigten Steuersenkungen tatsächlich auch durchzuziehen. Zum anderen ist das Budget für das laufende Haushaltsjahr noch nicht beschlossen. Steuererleichterungen könnten schneller als erwartet Realität werden. Und genau diese Konstellation dürfte der US-Notenbank kaum behagen. Sie hat mehrfach angedeutet, dass eine expansive Ausgabenpolitik im gegenwärtigen Wirtschaftsumfeld nicht nur unnötig, sondern vielleicht sogar inflationstreibend wirken könnte. Die Phantasie, die Leitzinsen könnten bei einer leichten Abschwächung der Wirtschaft sinken, würde schlagartig aus dem Markt verschwinden.

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