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Vermögensverwalter : Feri: Italien ist das größte Risiko für den Euro

Welchen Einfluss haben die Wahlen in den Niederlanden und Frankreich auf den Euro? Bild: EPA

Mehr Verschuldung, mehr Staatsausgaben, mehr Umverteilung: All das bedroht nach Ansicht eines Vorstands des Vermögensverwalters Feri den Euro. Italien könne demnächst gar aussteigen.

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          Die Politik bleibt für die Finanzmärkte entscheidend. Von einem Trend zu einer politischen Polarisierung spricht Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Anlagestratege des Bad Homburger Vermögensverwalters Feri. Der Wahlsieg von Donald Trump und das Brexit-Votum der britischen Bevölkerung hätten gezeigt, dass in vielen Industrieländern eine tief verwurzelte Frustration und Wut auf die politischen Eliten herrschten. Nach Ansicht von Rapp ergeben sich für Europa und den Euro langfristige politische Risiken, weil der politische Druck der Wähler einen Politikwechsel hin zu mehr Verschuldung, mehr Staatsausgaben, mehr Umverteilung und mehr Inflation erzwinge.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Er hält die Sorge vieler Marktteilnehmer vor einem Erfolg der eurofeindlichen Rechtspopulisten in den anstehenden Wahlen in den Niederlanden und Frankreich nicht für völlig unbegründet. Dennoch stellt für ihn Italien das größte Risiko für die Europäische Währungsunion dar. Denn die Italiener seien mit der wirtschaftlichen Entwicklung ihres Landes sehr unzufrieden und könnten im Falle eines Referendums für einen Ausstieg aus dem Euro votieren, berief sich der Feri-Vorstand auf jüngste Umfragen. Das Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone hätten die Kapitalmärkte schon in Teilbereichen eingepreist.

          So sei der Euro gegenüber anderen Währungen wie dem Schweizer Franken deutlich schwächer geworden. An den Rentenmärkten stiegen die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Italien oder Frankreich. Zudem gebe es starke Kapitalflüsse nach Deutschland, was sich an der Kursentwicklung der Bundesanleihen sowie den Immobilienpreisen ablesen lasse.

          Darüber hinaus haben sich die Target-Salden zwischen den Notenbanken des Eurosystems wieder ausgeweitet. Das lässt auf eine Kapitalflucht nach Deutschland schließen, weil die Bundesbank hohe Forderungen hat, Italiens Notenbank hohe Verbindlichkeiten. Rapp erwartet kurzfristig kein Auseinanderbrechen, hält den Euro aber unter den gegebenen Verhältnissen für nicht überlebensfähig. Jede denkbare Lösung zur längerfristigen Stabilisierung werde sehr viel Geld kosten, speziell für Deutschland, gibt er zu bedenken.

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