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Vereinigte Staaten : Widerstehen die Börsen enttäuschenden Konjunkturzahlen?

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Bild: AFP

Die Gegensätze könnten kaum größer sein. Während viele Aktienanleger mit ausgeprägtem Optimismus von steigenden Gewinnen und Aktienkursen ausgehen, warnen erfahrene Marktteilnehmer wie Mark Mobius oder Carl Icahn vor einer weiteren Krise.

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          Die Gegensätze könnten kaum größer sein. Während die meisten Aktienanleger mit ausgeprägtem Optimismus davon ausgehen, dass die Unternehmen in ihrer Gesamtheit selbst nach der fulminanten Erholung der vergangenen Monate Umsätze und Gewinne auf ohnehin schon sehr hohem Niveau weiter steigern können, warnen erfahrene Marktteilnehmer wie Mark Mobius oder Carl Icahn vor einer weiteren Krise.

          Sie stehe unmittelbar bevor, da sich an der Fragilität des und der einseitigen Anreizstruktur innerhalb des Finanzsystems nichts, aber auch gar nichts verändert habe. Das System arbeite nicht sauber und die extremen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen, mit denen die Regierungen und Zentralbanken weltweit auf die jüngste Krise reagierten, hätten die alten Probleme nur verstärkt.

          Haben sich Börsen und Rohstoffmärkte von der Realität abgekoppelt?

          Der Markt derivativer Produkte sei riesig, intransparent, unreguliert und unberechenbar, während viele der ohnehin zu großen und risikoanfälligen Banken noch größer und noch einflussreicher als zuvor geworden seien. Unternehmen wie Goldman Sachs und Morgan Stanley manipulierten die Preise an den Energie- und Rohstoffmärkten, ohne daran gehindert zu werden, erklärte Fadel Gheit, Dinosaurier der Ölanalysten von Oppenheimer. Der Rohstoffmarkt sei das, was die Investmentbanken gegenwärtig umtreibe, nachdem die Blase am Immobilienmarkt so grandios geplatzt sei (siehe auch: Bloomberg: Oppenheimer's Fadel Gheit Interview und Am Rohstoffmarkt droht ein Teufelskreis).

          Bild: F.A.Z.

          Tatsächlich hat die Kurs- und Preisentwicklung an den Börsen und den Rohstoffmärkten mit der realwirtschaftlichen Entwicklung nur wenig zu tun. Das zeigt sich alleine schon daran, dass sich etwa der Preis von Weizen in wenigen Minuten stärker bewegen kann, als sich die Nachfrage der gesamten Welt nach dem wichtigen Nahrungsmittel in einem ganzen Jahr verändert. Makroökonomische Indikatoren deuten immer deutlicher auf eine Abkühlung der zuletztz künstlich stimulierten wirtschaftlichen Entwicklung in aller Welt hin.

          In den Vereinigten Staaten sind die Indikatoren ausgesprochen enttäuschend. Während Schulden und Budgetdefizite völlig aus dem Ruder laufen, bleibt der Arbeitsmarkt sehr schwach, der Immobilienmarkt taucht wieder ab und die Konsumenten stehen angesichts einer schwachen Einkommensentwicklung und stark gestiegener Preise für Treibstoffe und Nahrungsmittel mit dem Rücken zur Wand. Die Zahl der amerikanischen Bürger, die Unterstützung beim Kauf von Nahrungsmitteln benötigen, ist alleine in den vergangenen vier Jahren von 20 auf knapp 45 Millionen gestiegen.

          Der nationale Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe ist im Mai sehr deutlich von 60,4 auf 53,5 Punkte gesunken. Alle fünf Teilkomponenten haben sich im Mai gegenüber dem Vormonat verschlechtert. Im Vorfeld des Arbeitsmarktberichts am kommenden Freitag fiel auch der ADP-Report mit einem Beschäftigungsaufbau von gerade einmal 38.000 Personen überraschend schwach aus.

          Pumpt die amerikanische Zentralbank weitere Gelder in die Märkte?

          Teure Energie- und Rohstoffkontrakte schlagen nicht nur in Form anziehender Inflationsraten weltweit durch. Sondern anhaltend hohe Preisniveaus beschneiden sie immer mehr die Kaufkraft der Konsumenten einerseits und die Margen der Unternehmen anderseits. Die Nachfrage der Verbraucher in Europa und in den Vereinigten Staaten ist bei weitem nicht so robust, wie das die Schlagzeilen der Nachrichtenagenturen nahe legen mögen. Immer mehr Unternehmen wie SKF, Electrolux oder Fedex zeigen sich besorgt über steigende Energie- und Materialkosten und teilweise abnehmende Preissetzungsmacht. Die Dallas Fed erklärte jüngst, schon lange sei bei den von ihr beobachteten Unternehmen die Differenz zwischen bezahlten Rohmaterialpreisen und den erhaltenen Erzeugerpreisen nicht mehr so groß gewesen, wie zuletzt

          Diese Kombination an Fakten stellt in Frage, ob die Aktien weltweit wirklich so günstig sind, wie sie angesichts optimistischer Gewinnerwartungen optisch aussehen mögen. Gemessen an der Cyclically Adjusted Price Earnings Ratio (CAPE), einer vom amerikanischen Ökonomen Robert Shiller entwickelten Kennzahl, die die Kurse nicht mit den aktuellen oder für die Zukunft erwarteten Gewinnen vergleicht, sondern mit jenen, die im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre erzielt wurden, sind sie es nur bedingt

          Aus diesem Grund tendieren kritische Anleger dazu, die etablierten Trends zwar auszureizen. Sie bereiten sich jedoch zumindest an den Börsen strategisch auf Kursrückschläge vor. Fallende Renditen bei Staatsanleihe der bisher noch als solide geltenden Staaten zeigen längst eine gewisse Wachstumsskepsis. Allerdings würden sich die Trends rasch wieder ändern, sollte die amerikanische Zentralbank entgegen aller Beteuerung weitere Gelder in die Märkte Pumpen, heißt es.

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