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US-Geldpolitik : Gespannte Stille vor Zinsentscheid

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Die Märkte warten auf Greenspans Entscheidung Bild: AP Graphics Bank

Die Sitzung der amerikanischen Notenbank hat begonnen. Der wichtigste Tagesordnungspunkt dürfte eine Zinssenkung sein.

          Seit 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit ist es wieder so weit: in Washington tagt der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank und Wall-Street-Banker und Aktienfonds-Manager weltweit sitzen mit der Computermaus im Anschlag, um mit Kauf- und Verkaufordern auf die Zinsentscheidung zu reagieren. An den Aktienmärkten herrscht Stillstand. Währungshändler halten den Atem an: Der Euro, nach der überraschenden Zinssenkung der Europäischen Zentralbank unter Druck, könnte einen weiteren Schlag bekommen.

          Die meisten Investoren und Ökonomen sind überzeugt, dass Notenbank-Präsident Alan Greenspan den Geldhahn weiter aufdreht. Trotz relativ positiver Konjunkturdaten in den vergangenen Wochen sitzt den Amerikanern die Rezessionsangst noch im Nacken. Es wäre die fünfte Zinssenkung in diesem Jahr. Nach vier Abwärtsschritten von jeweils einem halben Prozentpunkt ist das Tagesgeld zurzeit für 4,5 Prozent zu haben.

          Greenspan im Dilemma

          Dabei steckt Greenspan im Dilemma. Senkt er die Zinsen, entspricht er lediglich den Erwartungen der Märkte, die den Schritt schon eingeplant haben. Senkt er die Zinsen nicht, enttäuscht er Anleger und Unternehmer. So geschehen bei der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses im März. Die Wall-Street-Händler hatten mit einem großzügigeren Zinsschnitt gerechnet, und reagierten mit massiven Verkäufen. Die Kurse sackten ab, und weil praktisch die Hälfte der Amerikaner Aktien besitzen, tat die Entscheidung nichts, um die Stimmung der Verbraucher zu heben. Mit deren Ausgabefreudigkeit steht und fällt aber die US-Konjunktur.

          Besser fuhr Greenspan mit der völlig unerwarteten Zinssenkung im April: weil niemand mit dem Schritt gerechnet hatte, reagierte die Börse in New York mit einem Kursfeuerwerk. Ob er tatsächlich die Zinsen senkt, werden die Märkte um punkt 20.15 Uhr MESZ wissen - dann wird gewohnheitsgemäß die Entscheidung der Fed bekannt gegeben.

          Profitieren kann eigentlich nur der Dollar

          Was die US-Konjunktur angeht, sehen einige Ökonomen inzwischen Anlass zu Optimismus. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im April um unerwartete 3,1 Prozent. Der Dow Jones-Index legte im gleichen Monat neun Prozent zu, der Nasdaq für die Technologiewerte 15 Prozent. Die US-Wirtschaft wuchs im ersten Quartal nach dem scharfen Wachstumseinbruch Ende vergangenen Jahres um beachtliche zwei Prozent. Das seien vorläufige Zahlen, warnen andere, die noch nach unten korrigiert werden könnten. Die Arbeitslosenrate stieg auf 4,5 Prozent und Unternehmer investierten im ersten Quartal gut zwei Prozent weniger in neue Ausrüstungsgüter als ein Jahr zuvor. Daneben ging zuletzt die Industrieproduktion stärker zurück als erwartet.

          Die Hoffnung, dass eine amerikanische Zinssenkung den Euro beflügeln könnte, haben die meisten Währungsexperten indes begraben. Die gängige Theorie, dass Anleger in eine andere Währung flüchten, wenn ihre kurzfristigen Dollar-Anlagen weniger Rendite bringen, gilt nicht mehr. „Jedes Mal, wenn die Fed die Zinsen senkt, profitiert der Dollar“, sagt April LaRusse vom Vermögensverwalter Mellon Newton. Die Zinssenkungen würden als Maßnahme interpretiert, die Wachstum fördert und Investitionen attraktiv macht. Im Handel mit amerikanischen Aktien und Wertpapieren flossen nach Angaben des Finanzministeriums im Februar netto 37,4 Milliarden Dollar von Europa in die USA.

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