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Devisen : Werden die Schulden zur Bürde für den Dollar?

Das „Triffin-Dilemma“

Eine entgegengesetzte Sichtweise ist in der Fachwelt seit mehr als einem halben Jahrhundert als „Triffin-Dilemma“ bekannt. Der belgisch-amerikanische Ökonom Robert Triffin hatte um das Jahr 1960 die Rolle des Dollars als Weltwährung im goldgedeckten Währungssystem von Bretton Woods als auf die Dauer unhaltbar bezeichnet. Denn die Amerikaner würden das Ausland mit Dollar versorgen müssen, während das in Amerika befindliche Gold nicht wachsen würde. Früher oder später wären die Amerikaner nicht mehr in der Lage, auf Verlangen von Ausländern Dollar in Gold zu einem fixen Kurs umzutauschen. Das Ergebnis wären eine Abwertung des Dollars und Inflation in den Vereinigten Staaten. So kam es ab Ende der sechziger Jahre dann auch. Allgemein besagt das „Triffin-Dilemma“, dass ein außenwirtschaftliches Ziel (die Versorgung der Welt mit Dollar) gegen ein binnenwirtschaftliches Ziel (Vermeidung von Inflation) in Widerspruch geraten kann. Die naheliegende Frage lautet: Ist ein stabiler Dollar mit einer wachsenden Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten vereinbar? Zumindest in Peking scheint man dies bei einer langfristigen Betrachtung zu bezweifeln. „Das Triffin-Dilemma existiert weiterhin“, sagte der damalige Gouverneur der chinesischen Zentralbank im Jahre 2009. Der Emittent einer Reservewährung könne in seiner Geldpolitik nicht einfach nur auf binnenwirtschaftliche Ziele achten, ohne nicht auch seine internationalen Verpflichtungen zu honorieren.

Amerikaner geben sich bei diesem Thema naturgemäß gelassen: „Wir wissen ganz genau, welche Vorteile uns die internationale Rolle des Dollars beschert“, sagt David Rolley, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft Loomis & Sayles. „Daher wird die Fed immer darauf achten, dass keine zu hohe Inflation entsteht und der Dollar am Devisenmarkt nicht zu schwach wird. Denn eine Schwäche des Dollars könnte seine Attraktivität als sicherer Hafen für Kapitalanlagen aus aller Welt gefährden.“ Dies werde auch das Weiße Haus wissen - ein weiterer Grund für die Annahme, dass sich die amerikanische Geldpolitik auch dann nicht fundamental ändern werde, wenn Donald Trump die Führung der Fed mit Getreuen besetzen sollte.

Geschäftsmodell als „Bank für die Welt“ kann noch eine Weile funktionieren

Die Amerikaner haben durchaus einen Punkt: Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte belegt, dass die Funktion des Dollars als internationaler Reservewährung nicht zwingend an einer stetig wachsenden amerikanischen Auslandsverschuldung hängt. So nimmt die Zahl ausländischer Kreditnehmer, die sich in Dollar verschulden, stetig zu. In einer Arbeit aus dem Jahre 2015 kommen Autoren aus der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf nahezu 10 Billionen Dollar Schulden, die nicht von Amerikanern stammen. Schuldner sind zum Beispiel Unternehmen aus anderen Industrienationen und aus Schwellenländern, die Dollar-Anleihen ausgegeben haben. Wer als Anleger solche Anleihen kauft, ist in der führenden Weltwährung investiert -, aber er hat keine Forderung gegen die Vereinigten Staaten.

Solange die Vereinigten Staaten die Kontrolle über ihre Inflationsrate und den Wechselkurs des Dollars nicht verlieren, kann ihr Geschäftsmodell als „Bank für die Welt“ und führender Anbieter sicherer und liquider Kapitalanlagen noch eine ganze Weile funktionieren. Natürlich würde es auch für die amerikanische Auslandsverschuldung eine Obergrenze geben, ab der die „Bank für die Welt“ nicht länger mit Gewinn arbeiten könnte und das Geschäftsmodell einer Überprüfung bedürfte. Doch nicht zuletzt das Fehlen einer Alternative zum Dollar trägt dazu bei, dass die amerikanische Währung für Kapitalanleger zumindest auf absehbare Zeit das Maß der Dinge bleibt. Und solange sich daran nichts ändert, ist das „Triffin-Dilemma“ aus der Zeit der goldgedeckten Währung in unserer Zeit nicht mehr als ein „Triffin-Mythos“.

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