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Urlaubsplanung : Günstiger Reisen dank schwankender Wechselkurse

Ein halbes Jahr vor der WM ist Brasilien ist für deutsche Touristen deutlich günstiger geworden Bild: AFP

Ferien in Japan, Australien oder Brasilien sind teuer. Dank günstiger Wechselkurse ist der Urlaub dort im Moment aber erstaunlich preiswert. Deutsche Touristen profitieren von dem Trend.

          Das Restaurant Spettus in Recife unweit der Strandmeile „Boa Viagem“ ist in der ganzen Stadt für seine Fleischgerichte bekannt. Immer wieder kommen Kellner mit langen Spießen an die Tische und bieten so lange Rumpsteaks mit Parmesan, Würsten und Hochrippe an, bis die Gäste aufgeben und den Bierdeckel auf dem Tisch von grün auf rot drehen.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Rodizio“ nennt sich die brasilianische Variante des Barbecue, die wahrscheinlich auch viele deutsche Fans ausprobieren werden, wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am 26. Juni in der nordbrasilianischen Metropole gegen Jürgen Klinsmanns Elf aus den Vereinigten Staaten antritt. 90 Reais, umgerechnet 28 Euro, kostet ein Rodizio im Spettus, wozu neben Fleisch – soviel der Magen begehrt – auch noch ein großes Buffet mit Salaten, Meeresfrüchten und Sushi gehört. Wer Anfang vergangenen Jahres im Spettus gegessen hat, musste noch 8 Euro mehr bezahlen. Denn seit Anfang vergangenen Jahres ist der Kurs des Real gegenüber dem Euro um etwa 14 Prozent gesunken.

          In Japan fällt der Preisunterschied noch größer aus

          Noch einen größeren Preisunterschied werden Japan-Reisende feststellen: Ein Standard-Doppelzimmer in einem Dreisternehotel im Ausgehviertel Shibuya, das Anfang vergangenen Jahres fast 200 Euro kostete, ist mittlerweile für etwa 150 Euro zu haben – denn der Yen hat sich gegenüber dem Euro mittlerweile um etwa 22 Prozent verbilligt. Bei einer Nudelsuppe mit Schweinefleisch in einer typisch japanischen Ramen-Bar, wie die Suppenküchen heißen, die es in Tokio an jeder Straßenecke gibt, schlägt der Unterschied zwischen 7 Euro und 8,50 Euro zwar nicht so sehr zu Buche. Anders ist das allerdings bei einem Essen in einem Teppanyaki-Restaurant, in dem Köche die Speisen direkt vor ihren Gästen auf heißen Platten frisch zubereiten. So ein Abend kann dann schon schnell einmal 30.000 Yen für eine einzelne Person kosten. Das sind 211 Euro bei heutigem Stand der japanischen Währung, vor knapp einem Jahr waren es noch 50 Euro mehr.

          Südafrika wird wieder günstiger

          Viele Menschen nutzen die Feiertage zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, um Urlaubspläne für das kommende Jahr zu schmieden. Bei der Wahl des Reiseziels spielt für die meisten von ihnen nicht nur die Neugier auf fremde Länder eine Rolle, sondern auch das Budget. Dann wälzen sie Kataloge von verschiedenen Anbietern, um Hotelpreise zu vergleichen. Mehrere Stunden verwenden sie darauf, im Internet nach den günstigen Flügen zu suchen. Dadurch lässt sich durchaus Geld sparen, oft sind es jedoch nur ein paar Euro. Auf die Idee, dass bei der Wahl des Reiseziels auch die zum Teil starken Wechselkursschwankungen eine Rolle spielen könnten, kommen dabei aber nur wenige. Dabei lässt sich gerade bei hochpreisigen Reisezielen wie zum Beispiel Japan viel Geld sparen, wenn man den richtigen Zeitpunkt für eine Reise abpasst.

          Dieser könnte jetzt beispielsweise auch für diejenigen gekommen sein, die einen Urlaub in Südafrika planen. Wer schon immer einmal im Krüger-Nationalpark Giraffen, Nashorne und Elefanten in freier Wildbahn sehen oder südafrikanischen Sauvignon Blanc direkt beim Winzer probieren wollte, sollte die Gunst des Finanzmarktes nutzen. Denn der südafrikanische Rand hat sich im vergangenen Jahr gegenüber dem Euro um 21 Prozent verbilligt. Damit kann der Reisende wenigstens ein Stück weit die Teuerung Südafrikas als Reiseland kompensieren – zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 hatten viele Hotels ihre Übernachtungspreise stark erhöht – und viele von ihnen haben diese Anhebung seither nicht wieder zurückgenommen.

          Ein Urlaub bei den Nachbarn kann teurer sein

          Die starke Anhebung der Preise zu Großereignissen ist auch ein Wermutstropfen, den Brasilien-Reisende einkalkulieren müssen: Wenn Deutschland am 16. Juni in Salvador, der Hauptstadt des Bundesstaats Bahia, gegen Portugal antritt, werden sich die Hotelpreise in der alten Kolonialstadt gegenüber heute verfünffacht haben. Und auch wer in die Umgebung, an einen der spektakulären Strände ausweicht, die die Küste Bahias säumen, zahlt immer noch das Zweieinhalbfache des Normalpreises.

          Auch der australische Dollar wurde, wegen fallender Rohstoffpreise, deutlich abgewertet

          Wer schon am Strand liegen möchte, wenn es in Deutschland noch eisig zugeht, könnte auch Australien als mögliches Reiseziel in den Blick fassen. Der australische Dollar gehört – genauso wie der brasilianische Real – zu den Währungen, die in den Zeiten steigender Rohstoffpreise stark aufgewertet hatten. Da die Preise für fast alle Rohstoffe im vergangenen Jahr jedoch zurückgegangen sind, haben auch die Währungen gegenüber dem Euro an Wert verloren.

          Der Kurs des australischen Dollar gegenüber dem Euro lag am Ende des Jahres etwa 20 Prozent niedriger als zu Jahresanfang. Zusätzlich hat die drohende Abschwächung der ultralockeren amerikanischen Geldpolitik Währungen aus Schwellenländern wie zum Beispiel die indonesische Rupiah oder die indische Rupie stark unter Druck gesetzt. Für einen Euro bekam man im Januar 2013 noch knapp 1.300 Rupiah, Ende Dezember waren es schon 1.700. Da Indonesien ohnehin als günstiges Reiseland gilt, lässt sich dadurch auch der teure Flug kompensieren, der nach Bali mindestens 800 Euro kostet. Gerade für diejenigen, die einen mehrwöchigen Urlaub planen, kann ein Trip in die Ferne dank günstiger Wechselkurse am Ende preiswerter sein als ein Urlaub in Euroländern. Vielleicht wird 2014 somit zu einem ganz besonderen Reisejahr für deutsche Touristen.

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