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Devisenmarkt : Türkische Lira verliert zusehends an Wert

100 türkische Lira werden immer weniger wert Bild: Reuters

Der Kurs der türkischen Lira fällt weiter und hat abermals ein Rekordtief erreicht. Wirtschaft und Notenbank stehen unter Druck. Die Politik ist dagegen eher weniger hilfreich.

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          Die Türkische Lira steht unter Druck. Mittlerweile müssen für den Dollar 2,6766 Lira bezahlt werden - so viel wie noch nie, seit die Türkei 2004 die alte durch die neue Lira ersetzte. Anfang des Jahres kostete der Dollar mit 2,33 Lira noch knapp 15 Prozent weniger.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Verunsicherung bei Investoren sorgten Börsianern zufolge aktuell Aussagen von Ministerpräsident Davutoglu, dass sein an den Finanzmärkten hoch angesehener Stellvertreter Ali Babacan nach den Parlamentswahlen im Juni wohl kein Ministeramt bekleiden werde.

          Auf die Stimmung der Anleger drückt außerdem die anhaltende Kritik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an der Geldpolitik der Zentralbank Cenbank, die Sorgen um die Unabhängigkeit der Notenbank nährt. Erdogan fordert Zinssenkungen zur Wirtschaftsförderung, während die Notenbank versucht, den Lirakurs zu stabilisieren.

          Dabei gilt die Notenbankpolitik auch jetzt schon als wenig nachhaltig. Am Montag wurde bekannt, dass die Nettowährungsreserven der Notenbank nur noch 35 Milliarden Dollar betragen. Das sei „sub-optimal“, so Ahmet Akarli, Volkswirt bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs gegenüber der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Die Reserven deckten nur noch den Importwert von zwei Monaten ab und würden von kurzfristigen Fälligkeiten in fremder Währung von 166 Milliarden Dollar deutlich überschattet. Eigentlich, so Akarli, sollten die Reserven bei rund 300 Milliarden Dollar liegen.

          Notenbank vermeidet Konflikt mit Erdogan

          Derzeit auktioniert die Notenbank direkt Fremdwährungen an Energieimporteure. Diese Politik sei nicht durchzuhalten, so der Volkswirt. Es führe auch dazu, dass an der Fähigkeit den Cenbank gezweifelt werde, den Kurs der Lira glaubwürdig zu verteidigen. Am Dienstag kündigte die Cenbank nun an, dass sie beim nächsten Treffen des geldpolitischen Rates eine Senkung der Kosten für Fremdwährungskredite an heimische Banken sowie eine Erhöhung der Einlagenzinsen auf Lira-Konten diskutieren werde.

          Diese Maßnahmen stützen den Lira-Kurs tendenziell, so Koon Chow, Währungsstratege bei der Schweizer Privatbank Union Bancaire zu Bloomberg. Es werde aber keine Trendwende bewirken. Tatsächlich wertete die Lira nach der Ankündigung leicht auf, rutschte später aber wieder ab. Das Vorgehen der Cenbank sei ein Versuch, die Geldpolitik restriktiver zu gestalten, ohne sich den Zorn des Präsidenten zuzuziehen, sagt William Jackson, Volkswirt beim Forschungsinstitut Capital Economics zu Bloomberg

          Bild: FAZ.NET

          Der Türkei hat zuletzt der niedrigere Ölpreis geholfen. Dadurch ging der Wert der Importe zurück, wodurch wiederum das chronisch hohe Leistungsbilanzdefizit gesunken ist. Allerdings lag dieses im März mit 3,2 Milliarden Dollar dennoch deutlich über der Prognose von 2,8 Milliarden. Problematisch ist zudem dessen Finanzierung. Diese geschieht zu einem großen Teil derzeit durch Kapitalzuflüsse unbekannter Herkunft in Höhe von zuletzt 4,3 Milliarden Dollar. Zollminister Canikli vermutet dahinter Kapitalzuflüsse vom Balkan und aus dem Nahen Osten, in denen die Türkei als vergleichsweise sicherer Hafen gilt. Das Problem sei aber, dass diese unbekannten Gelder ebenso schnell wieder abgezogen werden könnten, so Mehmet Besimoglu, Chef-Volkswirt beim Broker Oyak Menkul Değerler zu Bloomberg. Das trage weiter zur Nervosität der Anleger bei.

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